Boeing F/A-18 Hornet

Die Hornet hat eine sehr kurze Reaktionszeit ab Alarmstandort, weist sehr gute Flugleistungen und Flugeigenschaften auf, kann schnell beschleunigen, um innert weniger Sekunden Schallgeschwindigkeit zu erreichen.

F/A-18C Hornet
Gruppe
Luftfahrzeuge
Klasse
Kampfflugzeuge
Einsatzort
Luft

Hersteller: McDonnell Douglas Corporation (heute Boeing)
Hauptunterlieferant: Northrop Corporation
Endmontage: SF SCHWEIZERISCHE UNTERNEHMUNG FÜR FLUGZEUGE UND SYSTEME
(früher F+W EIDGENÖSSISCHES FLUGZEUGWERK in Emmen, heute RUAG Aviation)
Verwendungszweck: Abfangjäger
Im Einsatz seit: 1997
Anzahl beschaffter Flugzeuge: 34
Anzahl Flugzeuge noch im Einsatz: 30 (25 Einsitzer und 5 Zweisitzer, Bestand im September 2016)

Registrationen:
Boeing F/A-18C Hornet:
J-5001 bis J-5026 (Einsitzer, 26 Flugzeuge)
Boeing F/A-18D Hornet: J-5231 bis J-5238 (Zweisitzer, 8 Flugzeuge)

Der Typenentscheid der Schweizer Luftwaffe für die Beschaffung der F/A-18 Hornet wurde durch deren Spitzenleistungen massgebend beeinflusst. Die Hornet hat eine sehr kurze Reaktionszeit ab Alarmstandort, weist sehr gute Flugleistungen und Flugeigenschaften auf, kann schnell beschleunigen, um innert weniger Sekunden Schallgeschwindigkeit zu erreichen. Im Sichtluftkampf zählen ihre Kurveneigenschaften zu den besten weltweit.

Dank eines leistungsstarken Radars ist es möglich, feindliche Ziele bei Tag, bei Nacht und bei jedem Wetter zu orten und sie mittels Langstreckenraketen zu bekämpfen. Für die moderne Luftkriegführung entwickelt, hat sich der F/A-18 auch bei elektronischen Störungen bewährt. Das Flugzeug, das ursprünglich für Einsätze auf Flugzeugträger konzipiert wurde, hat sich auch auf unseren kurzen Pisten und in unseren engen Alpentälern als wirksam erwiesen.

Die Endmontage im Flugzeugwerk Emmen erstreckte sich von 1996 bis 1999. Am 23.01.1997 wurde der Doppelsitzer J-5232 als erste der insgesamt 34 F/A-18 von der Luftwaffe übernommen. Die Schweizer F/A-18C/D entspricht abgesehen von ein paar Anpassungen genau der Version, die auch bei der U.S. Navy im Einsatz steht. 

Weitere Infos

Übernahme und Einführung

Seit Oktober 1996 verliessen die Hornets nach und nach die Montagehallen in Emmen. Am 23.01.1997 wurde der Doppelsitzer J-5232 als erste der insgesamt 34 F/A-18 anlässlich einer Übergabefeier auf dem Militärflugplatz Emmen in einer Halle der SF Schweizerischen Unternehmung für Flugzeuge und Systeme (heute RUAG Aviation) von der Luftwaffe übernommen. Der damalige Chef der Schweizer Luftwaffe, Korpskommandant Fernand Carrel, übernahm symbolisch per Unterschrift von Rüstungschef Toni Wicki diese erste Maschine. KKdt Carrel setzte sich sehr für die F/A-18 ein.

Die Auslieferung der Hornets erstreckte sich bis Ende 1999. Die Fliegerstaffel 17 schulte als erste Frontstaffel ab Juni 1997 auf die Hornet um, gefolgt von der Fliegerstaffel 18 im Frühjahr 1998. Zuletzt wurde die damals in Dübendorf stationierte Fliegerstaffel 11 im Jahre 1999 umgeschult. Alle drei Fliegerstaffeln gehörten dem ehemaligen Ueberwachungsgeschwader (UeG) an.

Major Stéphane Rapaz wurde der erste Kommandant einer F/A-18 Staffel, der Fliegerstaffel 17, die Ende 1997 ihre operationelle Bereitschaft erreichte. Major Rapaz konnte während seines zweijährigen Umschulungsaufenthalts auf die F/A-18 bei der U.S. Navy Starts und Landungen auf einem Flugzeugträger ausführen. Damit wurde er zum ersten Schweizer¨überhaupt, der sich in einem Kampfjet alleine vom Katapult über das Deck eines Flugzeugträgers schleudern lassen konnte. Der ehemalige Patrouille Suisse-Pilot absolvierte auf der USS John C. Stennis im Atlantik diese Starts und Landungen. Der Katapult beschleunigt den Kampfjet in zwei Sekunden auf etwa 300 km/h; bei der Landung wird diese Geschwindigkeit durch quer über das Deck gespannte Fangkabel innerhalb 50 m vernichtet.

Die Schweizer F/A-18C/D entspricht neben ein paar Anpassungen genau der neusten Version, die auch bei der U.S. Navy zum Einsatz kommt. Aus diesem Grund ist im hinteren Rumpfteil auch der Fanghaken befestigt. Die F/A-18 rollen denn auch nicht mehr in das Fangnetz am Pistenende, wie das in der Schweizer Luftwaffe bei zu lang geratenen Landungen seit Jahrzehnten der Fall gewesen war. Mit der Einführung der F/A-18 wurden auf den Pisten Kabel-Fanganlagen eingebaut. Eine sogenannte «Netzlandung» verursacht manchmal erhebliche Beschädigungen am Flugzeug, was nun mit dem Fanghaken nicht mehr der Fall ist. Im Normalfall landen die F/A-18 aber ohne diese Hilfe.

Verluste  

- Am 07.04.1998 ging bei Crans-sur-Sierre (VS) die zweisitzige F/A-18D Hornet mit der militärischen Kennung J-5231 durch einen Absturz verloren. 

- Eine zweite F/A-18D, die J-5237, ging am 23.10.2013 im Raum Lopper bei Alpnachstad im Kanton Obwalden ebenfalls durch einen Absturz verloren.

- Im gemeinsamen Trainingsraum EUC 25 der Schweiz und Frankreich ist am 14.10.2015 bei Glamondans im französischen Jura, südöstlich der Stadt Besançon eine weitere zweisitzige F/A-18D, die Hornet mit der Kennung J-5235, mit einem Besatzungsmitglied an Bord abgestürzt.

- Am 29.08.2016 stürzte eine F/A-18C (die J-5022) im Rahmen eines Trainingsfluges im Gebiet Hinter-Tierberg im Sustengebiet im Kanton Bern bei schlechter Sicht auf über 3000 Meter über Meer vier Minuten nach dem Start vom Militärflugplatz Meiringen ab. Dies ist der erste Verlust einer einsitzigen Hornet. 

 

 

Ausbildung

Umschulung

Die Berufspiloten wurden anfänglich, in der Einführungsphase des F/A-18, nach ihrer Ausbildung bei Bedarf und Eignung zur F/A-18-Umschulung zugelassen. Die Grundausbildung dauerte ein halbes Jahr. Sie umfasste Theorie, Systemkenntnisse, Simulatortraining, Flugtraining, Luftkampfübungen im Sichtbereich, Abfangübungen mit Hilfe des Bordradars sowie Schiesseinsätze gegen Boden- und Luftziele. Ein weiteres halbes Jahr war nötig, dem Piloten die Kunst der Eigennavigation, des selbständigen Abfangens und Identifizierens von Flugzielen aller Art, Angriffe auf mehrere Ziele usw. beizubringen.

Die Ausbildung heute

Mit dem 2008 eingeführten Jetpiloten-Ausbildungssystem PC-21 (JEPAS PC-21) beschreitet die Schweizer Luftwaffe seither neue Wege, indem Piloten von der PC-21 direkt auf die Boeing F/A-18 Hornet umschulen. Eine Weltneuheit. In den 1990er-Jahren war das Ziel der Ausbildung die Umschulung auf Hawker Hunter oder Northrop F-5 Tiger II . Ende der 90er-Jahre wurde klar, dass man sich an den Vorgaben der F/A-18 ausrichten musste. Der Schulungsweg ging von der Pilatus PC-7 Turbo-Trainer via F-5 Tiger zur F/A-18 Hornet. Doch ein Jetschulflugzeug sollte dem späteren Einsatzflugzeug gerecht werden. Dies war mit dem F-5 Tiger nicht sichergestellt. Die Idee, von einem modernen Propellerflugzeug direkt auf die F/A-18 umzusteigen, war geboren. PC-21 heisst die Realisierung. Der Pilatus PC-21 ist bezüglich Avionik und Systemstraining topmodern und ermöglicht ein Training, welches auf den früher eingesetzten Jetschulflugzeugen so nie möglich war. Ein Nachteil des PC-21 ist die beschränkte Flugleistung. Dies, weil der Turbopropantrieb nicht die Leistung eines Jet erbringen kann.

Die Ausbildung für einen Berufsmilitärpiloten dauert heute noch rund 5 Jahre und 4 Monaten. Zuerst sind 3 Jahre und 4 Monate Aviatik-Studium nötig mit integrierter Linienpilotenausbildung. Die eigentliche militärische Flugausbildung dauert zwei Jahre: Nämlich 30 Wochen auf Pilatus PC-7 Turbo-Trainer und 45 Wochen auf dem PC-21. Während diesen 45 Ausbildungswochen werden Themen wie die technische Umschulung, Ausbildung im Wolkenflug (IFR), Verbandsflug, Navigation, Luft-Boden Angriffe, Luftpolizeidienst und Luftkampf ausgebildet. Für jeden Schüler sind 210 Missionen vorgesehen.

Luftwaffe entwickelt Pilotenausbildung weiter

Die Pilotenausbildung der Schweizer Luftwaffe soll ab 2017 attraktiver und flexibler werden. Die zwei wesentlichen Neuerungen: Offiziere sollen nach dem Auswahlprozess nicht mehr eine akademische Ausbildung absolvieren müssen, sondern sofort mit der halbjährigen militär-fliegerischen Grundausbildung auf dem PC-7 starten können. Nach der darauffolgenden einjährigen Linienpiloten-Ausbildung an einer zivilen Flugschule und der zweijährigen Ausbildung für Luftverteidigung oder Lufttransport können die Jet- oder Helipiloten eine akademische Ausbildung berufsbegleitend und im Rahmen ihrer individuellen Laufbahnplanung in Angriff nehmen. Ziel der Neuerungen ist es, dass die Piloten gegenüber bisher zwei Jahre früher im Cockpit Platz nehmen können.

 

Upgrades

Ausrüstungsergänzung / Teil 1

F/A-18-Flotte: Erfolgreicher Abschluss der 1. Phase der Ausrüstungsergänzung

armasuisse hat 2006 den ersten Ergänzungsschritt der Ausrüstung für die F/A-18-Flotte erfolgreich abgeschlossen. Das letzte der umgebauten F/A-18-Kampfflugzeuge konnte im Zeitplan und in den projektierten Kosten von 220 Mio. Fr. offiziell in Emmen der Luftwaffe übergeben werden. Der Kredit wurde mit dem Rüstungsprogramm 2001 bewilligt.

Mit den neuen Systemen verfügt die Luftwaffe über eine für die Luftverteidigung optimierte F/A-18 Flotte. Die Verbesserungen wurden hauptsächlich durch den Einbau eines aktiven Freund-Feind Erkennungsgeräts und eines digitalen Kartenanzeige-Systems neuer Technologie erreicht. Zudem wurden Vorbereitungen für den mit der Phase 2 vorgesehenen Einbau des Data Link Systems getroffen.

Der Flottenumbau wurde in zweijähriger Umbauzeit unter armasuisse-Projektleitung durch das Industrieteam von Boeing und RUAG Aerospace in Emmen ausgeführt. Der letzte der insgesamt 33 umgebauten F/A-18-Jets wurde heute, im Beisein aller am Projekt beteiligten Organisationen, offiziell der Luftwaffe übergeben.

Bereits haben die Einbauarbeiten für die Systeme der Phase 2 begonnen. Dieser Systemumbau im Wert von 292 Mio. Fr. wurde mit dem Rüstungsprogramm 2003 bewilligt. Der zweite Schritt des mittelfristigen Ergänzungsprogramms für die F/A-18-Flotte wird mit dem Einbau eines leistungsfähigen Data Link Systems sowie der neuen Lenkwaffe AIM-9X und dem Helmvisier-System bis 2009 abgeschlossen werden.

 

Ausrüstungsergänzung / Teil 2 

Lenkwaffenschiess-Tests und Flugversuche mit Schweizer F/A-18 in den USA 

Am 21. März 2007 startete vom Flugplatz Emmen eine F/A-18C Hornet in Richtung der Vereinigten Staaten von Amerika. Zielort der Schweizer Hornet war das kalifornische Schiessgelände der US Navy in China Lake. Zwischen dem 2. April und dem 15. Dezember 2007 fanden unter der Leitung der armasuisse, dem Beschaffungs- und Technologiezentrums des VBS, verschiedene Tests mit Luft-Luft-Lenkwaffen statt.

Auf den Schiessgeländen der US Navy im kalifornischen China Lake sowie der US Army auf der White Sands Missile Range in New Mexico waren entsprechende Ausrüstungen und ferngesteuerte Drohnen als fliegende Ziele verfügbar, um die mit dem Rüstungsprogramm 2003 beschafften neuen Infrarot-Luft-Luft-Lenkwaffen vom Typ Sidewinder AIM-9X im scharfen Schuss zu testen. Zudem wurde das gesamte F/A-18-Waffensystem nach der Ergänzung der Ausrüstung verifiziert. Dazu gehörten Schiessversuche mit der Radarlenkwaffe und Tests mit dem Data-Link System. Weiter kam ein neuartiges Helmvisier (JHMCS, Joint Helmet Moubted Cueing System) zum Einsatz, mit dem der Pilot die neuen Sidewinder-Lenkwaffen schneller auf ein Ziel aufschalten kann und somit einen entscheidenden taktischen Vorteil im Luftkampf hat. Insgesamt waren rund 45 Flüge und der Abschuss von 13 Lenkwaffen vorgesehen.

Mit dem Rüstungsprogrammen 2001 und 2003 bewilligten die Eidgenössischen Räte eine umfangreiche Ergänzung der Ausrüstung der F/A-18 Flotte. Spezialisten der armasuisse und der Schweizer Luftwaffe testeten die Einsatzbereitschaft der neuen Systeme soweit wie möglich bereits 2003 und 2006 in der Schweiz. Mit den Tests in USA wird die Gesamtverifikation der modernisierten F/A-18-Systeme abgeschlossen. Um die Versuche betreuen zu können, befand sich ein gemischtes Team aus Spezialisten der armasuisse, der Schweizer Luftwaffe und der RUAG Aerospace vor Ort. Das für die Tests benötigte umfangreiche Material war bereits am 30. Januar 2007 an Bord eines zivilen Frachtflugzeugs in die USA überflogen worden.

Um moderne Lenkwaffen testen zu können, braucht es sehr grosse Schiessplätze und weiträumige Sicherheitszonen sowie moderne Messmittel für die Überwachung und Auswertung der Schiesstests. Diese Rahmenbedingungen sind in Europa in der benötigen Form nicht verfügbar. Aus diesem Grund weicht armasuisse zusammen mit der Schweizer Luftwaffe in die USA aus. 

F/A-18 Staffeln

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Fliegerstaffel 11

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Fliegerstaffel 17 

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Fliegerstaffel 18 

Technische Daten   
Triebwerk: 2 General Electric F404-GE-402 Turbofans
Maximal Schub ohne Nachbrenner: 10'440 daN (je 5'220 daN)
Maximal Schub mit Nachbrenner: 15'660 daN (je 7'830 daN)
Leergewicht: 11'325 kg
Gewicht Abflug ohne Aussenlasten: 16'100 kg
Gewicht Maximum Abflug: 23'590 kg
Länge: 17.1 m
Höhe: 4.6 m
Spannweite: 11.7 m
Schub-Gewichtsverhältnis während Flugkämpfen: 1.07
Maximum Geschwindigkeit auf Meereshöhe: 1'330+ km/h
Maximum Machzahl: 1.8+ in grosser Höhe
Max. Einsatzhöhe: 16'000+ m über Meereshöhe
Radar: APG-73
Bewaffnung: 1 20mm M61A1 Gatling Bordkanone
Luftkampf: 2 Raytheon AIM-9X Sidewinder
4 Raytheon AIM-120B AMRAAM (LL Lwf AIM-120B)
Aufhängestationen: 9, bis 6'400 kg
Benützbar für Munition, Treibstoffbehälter, Navigations/Feuerleit-Anlage, EKF Behälter, ATFLIR (Advanced Targeting Forward Looking Infra-Red)