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Warum braucht die Schweiz neue Kampfflugzeuge?

Die Luftwaffe leistet einen wesentlichen Beitrag zur Erfüllung der Armeeaufträge – und somit zum Funktionieren des Gesamtsystems Armee, vom Luftpolizeidienst über die Luftverteidigung bis zur Unterstützung der Bodentruppen aus der Luft. Für die Sicherheit im Schweizer Luftraum gibt es keine tauglichen Alternativen zu Kampfflugzeugen.

11.05.2021 | Kommunikation Verteidigung, Eve Hug

Zum Einsatz von Kampfflugzeugen für die Luftverteidigung und den Luftpolizeidienst gibt es keine tauglichen Alternativen. ©VBS/DDPS, Alexander Kühni/Sam Bosshard.

Seit Anfang 2021 stellen zwei bewaffnete Kampfflugzeuge im Rahmen des Luftpolizeidienstes (LP24) die Einsatzbereitschaft rund um die Uhr sicher. Sie sind innert 15 Minuten in der Luft. Die Mittel für den Schutz des Luftraums dürfen jedoch nicht einseitig auf den täglichen Luftpolizeidienst ausgerichtet werden. Im Zentrum steht die Fähigkeit, den Luftraum permanent überwachen, während Spannungen zu schützen und im Fall eines bewaffneten Konflikts zu verteidigen zu können.

Hohe Anforderungen

Die Luftwaffe braucht dafür Kampfflugzeuge mit einer hohen Steigleistung, die Überschallgeschwindigkeit erreichen und einige Zeit im Einsatzraum verweilen können. Sie müssen mit allwettertauglichen Sensoren und Waffen ausgerüstet sein. Zudem benötigen die Flugzeuge ein leistungsfähiges Radar, wirksame Selbstschutzsysteme gegen moderne Bedrohungen sowie eine zuverlässige Freund-Feind-Erkennung. Sie müssen neben Luft-Luft-Lenkwaffen auch Luft-Boden-Waffen zur Unterstützung der eigenen Truppen einsetzen können.

Geschwindigkeit zählt

Kampfhelikopter oder leichte Kampfflugzeuge sind keine Alternative. Erstere können zwar die Bodentruppen unterstützen, sind jedoch für den Luftpolizeidienst oder die Luftverteidigung zu langsam und erreichen zu wenig Höhe. Leichte Kampfflugzeuge erfüllen zudem bereits die minimalsten Anforderungen für den Luftpolizeidienst nicht: Je nach Typ fehlt die Fähigkeit zur Überschallgeschwindigkeit, sie ist in der kleinräumigen Schweiz jedoch ein Muss. Die Steigleistung und das Beschleunigungsvermögen sind ungenügend, oder ein entsprechendes Radar ist nicht vorhanden.

Blickkontakt und Handzeichen

Neben der Technik ist der Mensch im Cockpit zentral. Denn: Sobald Sichtkontakt zu einem nicht identifizierten Luftfahrzeug hergestellt wurde, kann der Kampfjetpilot versuchen, mittels Funk oder Handzeichen Kontakt aufzunehmen. Mit einer Drohne wäre eine solche Kommunikation zum Beispiel nicht möglich. Drohnen leisten bei der Aufklärung aus der Luft gute Dienste, sind aber für den Luftpolizeidienst oder für die Abwehr von Kampfflugzeugen und Marschflugkörpern nicht geeignet. Insbesondere im Luftpolizeidienst ist es wichtig, dass ein Pilot vor Ort ist, um situationsgerechte Entscheidungen treffen zu können.

Ergänzung mit Mitteln am Boden

Ebenso wenig für den Luftpolizeidienst geeignet ist die bodengestützte Luftverteidigung. Ihre Systeme können Flugobjekte in der Luft nicht identifizieren, warnen, abdrängen oder zur Landung zwingen – sie können nur eingesetzt werden, um Flugobjekte abzuschiessen. Indem sie einen Schutz mit hoher Durchhaltefähigkeit ermöglichen, leisten sie hingegen einen wichtigen Beitrag zur Luftverteidigung. Sie können – und sollen – die Kampfflugzeuge ergänzen, diese aber nicht ersetzen.

Eine abgestimmte Kombination aus bodengestützter Luftverteidigung und den neuen Kampfflugzeugen (Air2030 – Schutz des Luftraumes) ist elementar. Die Stimmberechtigten haben Ende September 2020 dem Bundesbeschluss über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge zugestimmt. Zu ihnen gibt es keine tauglichen Alternativen. Mit ihnen kann die Armee auch in Zukunft ihre Aufgaben erfüllen. 

©VBS/DDPS, Philipp Schmidli