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CHESS 2020: Volltruppenübung mit Überraschungseffekt

Im Rahmen der Volltruppenübung CHESS 2020 hat der Lehrverband Fliegerabwehr 33 (LVb Flab 33) die Einsatzbereitschaft seiner Truppen unter Beweis gestellt. Im Einsatz standen rund 350 Angehörige der Leichten Fliegerabwehr Lenkwaffen Abteilung 7 (L Flab Lwf Abt 7) mit dem Waffensystem STINGER.

05.03.2020 | Fachof Noël Graber, Komm Gr LVb Flab 33

Übung CHESS2020 des LVb Flab 33
Ungewohnte «Gegner»: Supponiertes Medienteam und Demonstranten (im Hintergrund) vor dem Einsatz

Die Übung CHESS 2020 fand unter der Leitung des Milizstabes des LVb Flab 33 im Raum Aargau/Luzern statt. Beübt wurde die L Flab Lwf Abt 7 mit ihren beiden Gefechtsbatterien sowie ihrer Stabsbatterie. Auftrag der Fliegerabwehr war es, einen mechanisierten Verband vor Angriffen aus der Luft zu schützen.

Oberstlt i Gst Roland Pfister hat die Übung als Chef Regie begleitet.

Herr Pfister, was ist die Aufgabe des Chefs Regie?

Ich komme vor allem im Vorfeld der Übung zum Zug - quasi als koordinierende Stelle, bei der alle Fäden der Übung zusammenlaufen. Das Grundszenario der Übung war bereits bekannt. Für mich ging es also darum, dieses Szenario in Form eines Drehbuches zu konkretisieren. Während der Übung nehme ich dann kaum noch Einfluss, solange alles läuft. Für gewisse Entscheide werde ich aber beigezogen - wenn beispielsweise das Drehbuch spontan angepasst werden muss oder Erkenntnisse aus Kontrollen dazu führen, dass gewisse Elemente korrigiert werden müssen.

Welches waren die grössten Herausforderungen, welche die Regie der trainierenden Truppe gestellt hat?

Die grösste Herausforderung war sicher, dass sich die Rahmenbedingungen im Laufe der Übung änderten. Die Übung startete als subsidiärer Einsatz. Dann verschärfte sich die Situation und eskalierte bis zur Auseinandersetzung oberhalb der Kriegsschwelle. Entsprechend musste sich auch das Verhalten der beübten Einheiten ändern. Das sind Abläufe, die bisher wenig trainiert wurden.

Wie äussert sich das konkret in der Übung?

Die Einheiten der Fliegerabwehr sind auf die Bekämpfung von Bedrohungen aus der Luft trainiert. Im subsidiären Einsatz kann eine Bedrohung aber auch Sabotage, Aufklärung am Boden oder ein Angriff mit Minidrohnen sein. Ebenfalls simuliert haben wir Demonstrationen und Medienteams. Das sind alles Akteure, die im Auftrag nach Lehrbuch der Flab nicht vorgesehen sind. Vor allem in der ersten Phase der Übung war die Gegenseite häufig nicht als solche zu erkennen.

Wie hat sich die Truppe in der Übung geschlagen?

Was man sicher sagen kann: ihren Primärauftrag beherrscht die Flab grundsätzlich. Unsere Leute wissen, wie ein Stellungsbezug gemacht wird und wie man Luftfahrzeuge bekämpft. Noch besser werden können wir im Bereich des taktischen Verhaltens - also den Gegner sehen, ohne selbst gesehen zu werden. Auch hat sich gezeigt, dass die Führungsteams zum Teil noch nicht eingespielt sind. Das hat vor allem damit zu tun, dass wir es - aufgrund geringer Bestände - mit vielen Wechseln zu tun hatten. Leute übernahmen Chargen, die sie so noch nicht kannten. Hier hilft uns die Übung aber auch, Erfahrungen zu sammeln.

Was war, für Sie als Chef Regie, das Besondere an dieser Übung?

Dass wir ein Szenario spielen, das für Überraschung sorgt. Schon in der ersten Nacht gab es simulierte Ereignisse am Boden. Diese konnten - je nach Verlauf - dazu führen, dass einzelne Einheiten nicht rechtzeitig einsatzbereit waren. Speziell ist natürlich auch, dass wir ein Szenario mit unterschiedlichen Bedrohungsstufen haben, die sich im Verlauf des Einsatzes ändern. Entsprechend wichtig ist dabei, dass der Meldefluss von oben nach unten und umgekehrt einwandfrei funktioniert. Der Lenkwaffensoldat der Feuereinheit muss beispielsweise zwingend wissen, welcher Feuererlaubnisgrad gerade herrscht. Denn er entscheidet abschliessend, ob er ein Luftfahrzeug bekämpft oder nicht.