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Einloggen statt antreten: 500 Generalstabsoffiziere reden mit für die Zukunft

Die Schweiz hat mit ihrer Milizarmee die Herausforderungen stets gemeistert: in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und aktuell in drei Corona-Einsätzen. So soll es weitergehen. Der Chef der Armee nutzt das Wissen und die Fähigkeiten der Milizkader auch für die Strategie der Zukunft. Im digitalen Seminar entstehen viertausend Ideen zu sechs Themenbereichen.

17.02.2022 | Kommunikation Verteidigung, Gaby Zimmer

Milizinput: Der Chef der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli, hat rund 500 Truppenkörperkommandanten und Generalstabsoffiziere zum Seminar zur Zukunft eingeladen.
Milizinput: Der Chef der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli, hat rund 500 Truppenkörperkommandanten und Generalstabsoffiziere zum Seminar zur Zukunft eingeladen. ©Jan Pegoraro, Kommunikation Verteidigung


«Wie muss die Armee organisiert sein, wie muss sie funktionieren, was für Fähigkeiten braucht sie, dass sie auch in Zukunft den verfassungsmässigen Auftrag erfüllen kann?» Diese und weitere Fragen setzt der Chef der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli an den Anfang des ersten digitalen Seminars mit rund 500 Truppenkörperkommanden und Generalstabsoffizieren. «Ich möchte, dass Sie kritisch sind und dass Sie Strukturen, Organigramme und Prozesse hinterfragen. Denn nichts, was heute richtig ist, muss auch morgen noch das Richtige sein.»

Die richtigen Rezepte zur richtigen Zeit

Die Herausforderungen im Zweiten Weltkrieg hat die Schweizer Armee ebenso gemeistert, wie die aktuellen Einsätze in der Corona-Pandemie. Auch wenn es zwei belastende Jahre waren für das Berufskader, die Miliärverwaltung und die Milizoffiziere. Süssli ist überzeugt, dass die Schweizer Armee diese Herausforderung besser gemeistert hat als andere Streitkräfte. Den Grund macht er im wesentlichsten Vorteil fest: die Schweiz hat eine Milizarmee. Auch wenn die Komplexität neuer Systeme zunehme und dieser technologische Wandel die Miliz herausfordere, sei es eben die Stärke der Milizangehörigen, weil sie den enormen Rucksack an Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Dienst mitbringe.

Ziviles Wissen auch für die Zukunft nutzen

«Die Vision, das Ziel, steht fest und besteht aus sieben Punkten. Die Mission finden wir in Artikel 58 der Bundesverfassung. Nun geht es um die Strategie. Sie sollen den Weg skizzieren, den wir beschreiten werden.» Der CdA will das Potenzial der Truppenkörperkommandanten und Generalstabsoffiziere für die weiteren Arbeiten nutzen. Es gelte nach der Umsetzung der Weiterentwicklung der Armee nicht zu verharren. Man habe heute keine Zeit mehr, sich gemächlich auf neue Entwicklungen einzustellen und sich auf bewährten Strukturen zu verlassen. Anpassungsfähigkeit und Agilität seien die Voraussetzungen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. 

Grenzenlose Zusammenarbeit

Die Teilnehmenden arbeiten in sechs Themengebieten auf einer gemeinsamen virtuellen Plattform. Diese macht Zusammenarbeit grenzenlos, auch wenn Teilnehmende und Veranstalter physisch weit entfernt sind. Gesendet wird der Anlass aus dem Bernerhof. Der edle Saal hat sich über Nacht mit viel Technik zum hochmodernen TV-Studio verwandelt. Gesendet wird in die Büros und Stuben der Teilnehmenden: zum Beispiel Obersaxen, Kairo, Lauerz, Münster/DE, Belgien, Kosovo, Witzwil, Monthey.

Digitaler Challenge

Im Intro schildet der Chef der Armee die Ausgangslage und seine Erwartungen. Das generisches Bedrohungsbild aus Sicht des militärischen Nachrichtendienstes, vorgetragen von Oberst i Gst Gian Walser, legt den Rahmen. Zu den Themen «Forcemix», «Leadership», «Menschen», «Ausrüstung», «Ausbildung», und «Kommunikation» setzten Ludovic Monnerat, Oberst i Gst Nik Jäger, Oberst i Gst Nic Roduit, Oberstlt i Gst Dominik Winter, Oberst i Gst Bernhard Horn und Glenn Mueller ihre Gruppen-Teilnehmer auf die richtige Schiene, um anschliessend in Workshops auf den Miro-Boards die Erkenntnisse und Konsequenzen abzuleiten. Nach der Zwischenbilanz zur Halbzeit durch Korpskommandant Thomas Süssli bewerteten die Teilnehmenden ihre eigenen sowie die fremden Empfehlungen und stellen Verbindungen her. In der Schlussrunde beantworten der Chef der Armee sowie Brigadier Jacques Rüdin, Projektleiter Langfristige Weiterentwicklung Verteidigung und Armee die Fragen der Moderatorin Anna Muser. Sie stammten allesamt aus dem Teilnehmerfeld.
 

Die Teilnehmersicht

Wie haben die Teilnehmenden das erste digitale Seminar erlebt? 

Oberstlt i Gst Stefan Giezendanner,

Stefan_Giezendanner

militärisch Chef Kantonaler Verbindungsstab Aargau im Stab Territorial Division 2 und zivil Geschäftsleiter der Mittelland Transport AG, Mitinhaber der Giezendanner Transport AG und Grossrat im Kanton Aargau: «Mit Verwunderung aber auch Freude wurde ich vom Anlass überrascht. Verwunderung deshalb, dass sich der CdA den Meinungen/Inputs der Gst Of/Trp Kö Kdt annimmt. Freude deshalb, weil die militärische Familie der Gst Of grossmehrheitlich am Seminar teilnimmt und damit die Verbundenheit zu unserer Armee unterstreicht.»

Oberstlt i Gst Andreas Dambach,

Oberstlt i Gst Andreas Dambach, Kommandant Logistikbataillon 101 in der Logistikbrigade 1 ist beruflich Kommandant Stellvertreter und Stabschef der Stadtpolizei Uster

Kommandant Logistikbataillon 101 in der Logistikbrigade 1 ist beruflich Kommandant Stellvertreter und Stabschef der Stadtpolizei Uster: «Im Chaos auf dem Miro Board entstanden dank der Diversität der Teilnehmenden zahlreiche innovative Gedanken und Entwicklungsideen, deren Initialisierung und bestenfalls zielgerichtete Umsetzung die Armee in den kommenden Jahren zuversichtlich herausfordern und nicht überfordern werden.»

Oberstlt i Gst Michael Kaeser,

Oberstlt i Gst Andreas Dambach, Kommandant Logistikbataillon 101 in der Logistikbrigade 1 ist beruflich Kommandant Stellvertreter und Stabschef der Stadtpolizei Uster

Offizier Übungen im Stab Operative Schulung und zivil Projektleiter bei Novartis Pharma AG: «Eine tolle Möglichkeit sich in die Entwicklung der Armee einzubringen.»

Oberstlt i Gst Patrick Hofstetter,

Oberstlt i Gst Patrick Hofstetter, Kommandant des Gebirgsinfanteriebataillons 29, zivil Leiter Weiterbildungsakademie und Dozent für Leadership an der Universität Luzern

Kommandant des Gebirgsinfanteriebataillons 29, zivil Leiter Weiterbildungsakademie und Dozent für Leadership an der Universität Luzern: «Das vorhandene Potential in diesem Seminar ist riesig. Nun besteht die Herausforderung darin, dass diese Überlegungen tatsächlich auch in der Armee der Zukunft Niederschlag finden.»

4000 Empfehlungen geben Stoff für die Initiativen

4000 Empfehlungen und 1300 Abhängigkeiten unter diesen Inputs sind die Ausbeute aus diesem Anlass. Sie werden nun aufgearbeitet und fliessen in die Strategischen Initiativen ein. Ein separater Bericht soll auch den Teilnehmenden zu Verfügung gestellt werden.

Fotos


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