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Dem Kindheitstraum auf der Spur

Oberwachtmeister Amanda Müller* ist auf dem Weg zur Militärpolizistin. Im September 2020 ist sie an der Polizeischule in Savatan (VS/VD) gestartet, befindet sich jetzt im zweiten Ausbildungsjahr und absolviert das Praktikum beim Einsatzkommando Militärpolizei. Bis 2022 wird sie die Ausbildung beendet und damit ihren Kindheitstraum verwirklicht haben.

23.08.2021 | VBS/DDPS, Moni Bregy, Kdo MP

Während des Kurses bei der militärischen Kriminalpolizei lernen die Aspiranten, wie sie am Tatort die Beweise aufnehmen. ©Kdo MP, Moni Bregy

Lachend, mit entschlossenem Schritt, stolzer Haltung und den Zopf über die Schulter hängend, trifft Oberwachtmeister Amanda Müller* beim Verpflegungszentrum der Kaserne Sion ein. Sie kommt direkt aus der ergänzenden, MP-internen Ausbildung bei der militärischen Kriminalpolizei. Diese markiert den Start ins praktische Jahr. Das macht darum Sinn, weil «an der Polizeischule in Savatan die Ausbildung vor allem auf die zivilen Korps ausgelegt ist», erklärt Amanda. «Wir von der Militärpolizei müssen uns auch noch das militärspezifische Wissen aneignen.» Anschliessend folgt für sie das Praktikum auf dem Militärpolizeiposten in Thun, bevor Amanda schliesslich zum Feldweibel befördert und zum Militärpolizei-Unteroffizier brevetiert werden kann.

Die Brüder als Vorbild

Der Entscheid, zur Militärpolizei zu gehen, war für die gebürtige Thurgauerin eine logische Folge ihrer privaten Interessen. «Ich habe zwei ältere Brüder, welche die Rekrutenschule absolviert haben, als ich noch sehr klein war. Mich hat alles rund um das Militär, aber auch die Polizei fasziniert», erinnert sie sich. «Es war immer klar, dass ich ebenfalls ins Militär will. Da dachte ich mir, warum nicht beides verbinden.»

Die Rekrutenschule absolvierte die gelernte Malerin bei den Übermittlern in Frauenfeld und liess sich nach absolvierter Unteroffiziersschule ins Militärpolizeibataillon 2 umteilen. «Als ich die Ausschreibung für die MP-Unteroffiziere gesehen habe, sagte ich mir: ‹Die Chance musst du packen›, und habe mich sofort beworben.» Nach den zwei obligatorischen Jahren im Militärpolizei-Sicherheitsdienst und einem Jahr Polizeischule steht sie nun im letzten Viertel ihrer Ausbildung und damit kurz vor der Verwirklichung ihres Kindheitstraums.

Keine Extrawürste

Diesen Traum hat sich Amanda hart erarbeitet. Es sei nicht immer einfach gewesen, als Frau in einer Männerdomäne. «Klar kommen am Anfang Sprüche, aber da muss man einfach drüber stehen», meint die taffe Aspirantin lachend. Darauf angesprochen, wie sie sich den Respekt ihrer Kameraden verdient hat, kommt die Antwort prompt: «Man darf einfach keine Extrawürste verlangen und muss bereit sein, das Gleiche zu leisten wie die Männer. Und man muss sich aktiv in die Gruppe integrieren.»

Mit Wille geht alles

Dass sie nun weit weg von zu Hause ist, damit geht Amanda souverän um. «Ich gehe einmal im Monat nach Hause und besuche meine Liebsten.» Dazu gehört auch ihr Hund Pipoca, der ihr besonders fehlt. Angesprochen auf die Funktion des Hundeführers, winkt Amanda ab: «Ich habe mir das schon überlegt, aber im Moment ist es kein Thema. Jetzt hat der Abschluss der Polizeiausbildung Priorität.»

Gedanken über die Zukunft macht sie sich aber schon. Dass der Polizeiberuf nicht immer nur eitel Sonnenschein ist und man auch mit dem Tod konfrontiert werden kann, das ist ihr sehr wohl bewusst. «Ich weiss nicht, wie ich in einem solchen Fall reagieren würde», gibt sie zu, «aber wir hatten an der Polizeischule Psychologieunterricht und lernten, wie man in solchen Momenten mit sich selber und den Angehörigen umgeht.»

Angst kennt Amanda nicht, ganz gemäss dem Leitspruch der Militärpolizei. Ihr bisheriger Weg habe sie stark gemacht. Kameraden, die den Weg noch vor sich haben, würde sie Folgendes mitgeben: «Sie sollen ihre Ziele verfolgen, für sie kämpfen – aber ich würde ihnen auch sagen, dass es kein einfacher Weg ist, den sie gehen.» Wer stark ist und Willen zeigt, kann alles erreichen. Amanda Müller ist das beste Beispiel dafür.

 

* Aus Sicherheitsgründen will Amanda Müller (fiktiver Name) anonym bleiben.