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Vertrauen als Schlüssel zum Erfolg im Friedensprozess in Mosambik

Seit 2016 unterstützt die Schweiz den Friedensprozess in Mosambik mit Expertise und finanziellen Beiträgen. Die Basis dafür war eine offizielle Anfrage des mosambikanischen Präsidenten Filipe Nyusi. Im August 2018 unterzeichnete dessen Regierung und die Resistência Nacional Moçambicana (RENAMO) eine Vereinbarung über militärische Angelegenheiten (Militärabkommen), gefolgt von einem umfassenden Friedensvertrag im August 2019. Die Schweizer Armee stellt seit Mitte November 2020 dem UNO-Programm zur Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration (DDR) einen Milizoffizier zur Verfügung.

12.05.2021 | SWISSINT, Oberst Markus Schefer, Chef Operationen, UNO-Präsenz zur Unterstützung des Friedensprozesses in Mosambik

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Oberst Markus Schefer beriet im August 2019 die RENAMO beim Aufbau der sogenannten Assembly Area (Besammlungszentrum) in Gorongosa, wo die Kämpfer in der Folge den DDR-Prozess durchlaufen.

 

Seit dem Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft 1977 standen sich in Mosambik die vormals kommunistisch dominierte Regierung Frente de Libertação de Moçambique (FRELIMO) und die vom Westen unterstützte RENAMO in einem Bürgerkrieg gegenüber. Dieser flammte immer wieder auf, bis 2016 schliesslich ein Friedensprozess einsetzte, der von beiden Konfliktparteien unterstützt wurde. Auf Anfrage der beiden Parteien übernahm der damalige Schweizer Botschafter die Verantwortung für die Mediation. Das VBS unterstützte die internationale Beobachtungsmission für die Einhaltung des Militärabkommens mit einem unbewaffneten Armeeangehörigen.

Am 11. November 2020 bewilligte der Bundesrat, gestützt auf die Anfrage der UNO im Mai 2020, die Entsendung eines unbewaffneten Militärangehörigen zugunsten des Friedensprozesses in Mosambik. Bereits eine Woche später konnte der Experte und Schweizer Offizier, der zivil bei den Internationalen Beziehungen Verteidigung im Armeestab arbeitet, seinen Einsatz beginnen. Es war für ihn eine Rückkehr in bekannte Gefilde, da er bereits von Oktober 2018 bis Ende 2019 den Friedensprozess in der ersten Phase (Einhaltung des Militärabkommens) unterstützt hatte.

Als Chef Operationen untersteht der DDR-Experte direkt dem persönlichen Gesandten des UNO-Generalsekretärs, Mirko Manzoni, dem früheren Schweizer Botschafter in Mosambik. Die Hauptaufgabe des Schweizer Offiziers besteht darin, die beiden Parteien zu beraten und die Umsetzung des DDR-Programms zu überwachen. Zudem bereitet er mit einem Stab von lokalen Mitarbeitern die Grundlagen für die Feldaktivitäten vor.

In seiner Funktion ist der Schweizer Offizier oftmals als einziger ausländischer Militärangehöriger zusammen mit seinem Team in den RENAMO-Gebieten unterwegs. Teilweise sind die ehemaligen Militärbasen der RENAMO nur mit Tagesfussmärschen erreichbar. Dass er und sein Team sich überhaupt in diesen Gebieten bewegen können, ist nur möglich, da er seit 2018 eine persönliche Vertrauensbasis zu den beiden Parteien und ihren Führungspersonen aufbauen konnte. Die Parteien werden im Vorfeld jeweils über alle Feldbesuche im Detail informiert und sind ihrerseits für die Sicherheit des Schweizer Offiziers und seines Teams verantwortlich. Dieser Schutz ist im Militärabkommen festgelegt. Bei allen Feldtätigkeiten sind immer auch ein Vertreter der Regierung (FRELIMO) und der RENAMO mit dabei.

Das DDR-Programm in Mosambik zeichnet sich dadurch aus, dass die Gesamtverantwortung und die spezifische Verantwortung für die Umsetzung bei den nationalen Parteien liegen. Sämtliche Vorhaben müssen jeweils von beiden Parteien vorgängig bewilligt werden. Diese gemeinsame, lokale und nicht-delegierbare «Ownership» ist das Erfolgsgeheimnis dieses Programms. Es sind nicht internationale Akteure, welche dem Land ein DDR-Programm «aufzwingen» oder den Inhalt des Prozesses vorgeben. Der gewählte Weg entspricht dem Willen der beiden Parteien, wird gemeinschaftlich mit punktueller internationaler Unterstützung vorangetrieben und ist somit auch nachhaltig.

Wegen COVID-19 kamen die DDR-Aktivitäten im Frühling 2020 zum Stillstand und konnten erst im Spätherbst 2020 wiederaufgenommen werden. Bis Ende 2020 konnte an insgesamt sechs Standorten der DDR-Prozess abgeschlossen werden. Dies beinhaltet unter anderem die Entwaffnung, das Ausstellen von Geburtsurkunde und Identitätskarte, die Eröffnung eines Bankkontos sowie die Abgabe der Hilfen (Geld, Material) für die Rückkehr in die Heimatdörfer. Die Anzahl der demobilisierten RENAMO-Kämpfer beträgt bislang rund 1500, was in etwa 30% aller bekannten RENAMO-Angehörigen entspricht. Ein vielversprechender Anfang, der aber auch zeigt, dass noch viel Arbeit vor den Parteien liegt.

Weitere spannende Berichte aus der Welt der Friedensförderung im Swiss Peace Supporter Magazin 01/21

Die Schweiz (EDA/VBS) unterstützt den Friedensprozess in Mosambik seit 2016 mit finanziellen Ressourcen (ca. 11 Mio. CHF vom EDA), Expertise und politischem Support. Der frühere Schweizer Botschafter, Mirko Manzoni, hat massgeblich dazu beigetragen, dass die Konfliktparteien FRELIMO und RENAMO im August 2019 ein umfassendes Friedensabkommen unterzeichneten. Seit dem Ende seiner Entsendung nach Maputo im Oktober 2019 engagiert sich Mirko Manzoni als persönlicher Gesandter des UNO-Generalsekretärs für den Friedensprozess in Mosambik.