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Die Armee setzt sich für Artenvielfalt ein

Im Oktober werden Kampfpiloten wie jedes Jahr Angriffe auf Bodenziele auf dem Neuenburgersee trainieren. Das Areal des Fliegerschiessplatzes Forel FR liegt in einem Schutzgebiet. Hier wie auf anderen Waffenplätzen auch fördert die Armee erfolgreich die Biodiversität und betreibt ihre Anlagen so, dass an der Natur kein Schaden verursacht wird.

01.10.2020 | Kommunikation Verteidigung, Fahrettin Calislar

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Die Luftwaffe trainiert über dem Neuenburgersee Angriffe auf feste und bewegliche Ziele am Boden. (Fotos: VBS/DDPS)

F/A-18-Piloten der Luftwaffe üben regelmässig über dem Neuenburgersee bei Forel FR Luft-Boden-Angriffe. Während rund zehn Tagen im Jahr fliegen sie feste und bewegliche Ziele auf dem See mit Maschinenkanonen oder Trainingsbomben an. Die drei Kilometer breite Zielzone liegt am geschützten Seeufer in der «Grande Cariçaie», dem grössten natürlich erhaltenen Feuchtgebiet der Schweiz. Für David Külling, beim VBS zuständig für Naturschutz, lohnt sich das Engagement: «Armeeareale wie dieses sind Rückzugsorte für die Biodiversität. Sie werden von vielen gefährdeten Arten bevorzugt.»

Armee schützt Natur und Landschaft

Seit 2009 unterhält die Armee das Konzept «Natur, Landschaft, Armee». In ihrem Auftrag pflegt die Naturschutzorganisation «Association de la Grande Cariçaieۜ» seit 2013 die Schutzgebiete im Areal. Verbuschte Lichtungen werden ausgeholzt, Feuchtwiesen gemäht und gebietsfremde Arten bekämpft.

Die Vereinigung «Grande Cariçaie» attestiert der Armee denn auch, dass die militärische Nutzung gut in den Naturschutz eingebettet ist und dass die Vorteile daraus allfällige Störungen kompensieren würden. Die Naturschutzorganisation stellt fest, dass das Armeepersonal gut ausgebildet, sensibilisiert und motiviert sei für den Naturschutz. Auch das kurze Zeitfenster und der kleine Zielraum, in denen die Armee übt, senken die Belastung. Jene durch Stand-up-Paddler sei für die Natur grösser, sagte eine Vertreterin der Vereinigung kürzlich gegenüber der Zeitung «Arcinfo».

Nutzen des Flugplatzes

Übungsleiter Oberstleutnant Jürg Studer unterstreicht die Wichtigkeit des Fliegerschiessplatzes: «Er ist der einzige im Flachland, der auch benutzt werden kann, wenn der Gebirgsschiessplatz Axalp in den Wolken liegt.» Zudem biete er die einzige Möglichkeit in der Schweiz, den Einsatz der Bordkanone auf bewegte Ziele zu üben. «Für ein Versuchs- oder Trainingsschiessen mit scharfen Lenkwaffen ist unser Land zu klein. Deshalb ist der Einsatz der Kanone gegen Erdziele die einzige Möglichkeit, den scharfen Schuss zu trainieren.»

Geübt wird mit Übungsmunition. Diese beinhaltet generell keine Schwermetalle. Eine Erhebung stellte 2015 denn auch keine Belastung des Seewassers mit Blei fest. Spuren von Zink und Kupfer lagen deutlich innerhalb der Grenzwerte. Die Räumung der Zielflächen erfolgt nach den Erfordernissen, die Natur bestmöglich zu bewahren.

Kriechtiere und Schmetterlinge

Auf dem Armeeareal Forel wächst ein Drittel der 800 Pflanzenarten des Feuchtgebietes, unter ihnen elf Orchideenarten wie das Knabenkraut. Hier leben seltene Tiere wie die Ringelnatter, die Gelbbauchunke oder Vögel wie der Drosselrohrsänger. Dies alles ist auch den Umweltbemühungen der Armee zu verdanken, die die Biodiversität fördert, sich für die Vielfalt von Flora und Fauna einsetzt und auf ihren Waffenplätzen den Betrieb ohne Schaden an der Natur gewährleistet. Die Natur in der Region profitiert vom Einsatz der Armee.

89 Jahre Geschichte

Die Einrichtung des Schiessplatzes Forel am Südufer des Neuenburgersees hängt mit der Eröffnung des Militärflugplatzes im benachbarten Payerne VD 1921 zusammen. 1926 beginnt die junge Luftwaffe mit Schiessübungen um Forel. 1931 nimmt sie offiziell den Schiessplatz in Forel FR in Betrieb. In der Folge wurden ein bis zwei Treibstofftanks sowie Gebäude für die Truppe errichtet. Der Schiessplatz wird heute noch genutzt und ist Teil des Naturschutzgebietes «Grande Cariçaie». Die diesjährigen Schiesstrainings in Forel mit F-5 Tiger und F/A-18 Hornet finden statt vom 1. bis 23. Oktober, jeweils von Montag bis Freitag, 9 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 16 Uhr.

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