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Train: Im Einsatz für Kultur und Umwelt

Eine Alpgenossenschaft brauchte Hilfe, und die Armee kam zu Hilfe. Mit Pferden und Maultieren haben Angehörige der Train-Rekrutenschule eine Woche lang oberhalb des Walensees Transportarbeiten durchgeführt. Dort, wo kein Fahrzeug hinkommt, ist die Spezialkompetenz der Armee oft die einzige Lösung.

26.10.2020 | Kommunikation Verteidigung, Fahrettin Calislar

Kein alltäglicher Anblick: Eine Trainzug mit Pferden und vollen Transportkörben schreitet in Einerkolonne über einen Pfad oberhalb des Walensees. Sie bringt flache Steine von einem Lawinenhang zu einer Trockenmauer und lädt sie an einer Sammelstelle ab. Zivile Maurer bauen die Steine in die Mauer ein.

Die Alpgenossenschaft Schrina hatte schon letztes Jahr die Armee um Hilfe gebeten und eine erste Unterstützung für Bau und Transport durch Infanteristen erhalten. Ein früher Wintereinbruch verhinderte damals den Einsatz des Trains.

Gutes Training ist die halbe Miete

45 Soldaten des Zuges von Leutnant Michelle Martin stellten Ende September den Transport des Baumaterials mit 22 Freibergern und Maultieren sicher. Die Truppe brachte zudem Kies zum Wanderweg und besserte ihn entlang der Mauer aus. Ausserdem räumten die Trainsoldaten mit ihren Tieren einen Baumstamm beiseite und sorgten dafür, dass die Verpflegung auf den Berg gelangte. Der Einsatz sei erfolgreich und problemlos verlaufen, so das Fazit der Zugführerin: «Wir hatten das trainiert. Soldaten und Pferde waren gut vorbereitet.»

Laut Wachtmeister Kevin Chammartin musste sich die Truppe insbesondere auf unwegsames Gelände, wechselhaftes Wetter und rutschige Wege vorbereiten. Damit die Tiere einen sicheren Tritt haben, erhielten sie Spikes an die Hufe. «Einzelne Pferde waren zu Beginn des Dienstes etwas nervös. Wir konnten sie aber beruhigen», so Chammartin. Er habe einen aussergewöhnlichen Einsatz erlebt: «Wir arbeiten hier in einer schönen Berglandschaft an der frischen Luft und mit unseren Tieren. Das ist toll.»

Eine wertvolle Fähigkeit

Die Angehörigen des Trains optimierten mit diesem Einsatz ihre Fähigkeiten. Oberst Antonio Spadafora, Kommandant Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere, schätzt die Arbeit seiner Leute. Der Train sei mit seiner Nischenkompetenz das einzige Einsatzmittel für einen solchen Fall. «Hier kommt man nicht mit einem Fahrzeug hin. Und bei diesem Nebel wäre es auch für einen Helikopter schwierig, einen Transportauftrag auszuführen.»

Zufriedene Auftraggeber

Gegen Abend stiegen Soldaten und Tiere herab zum Haupthaus der Alp, ihrer Kaserne für die Woche. Doch zu Hause ankommen bedeutet für den Train noch nicht Feierabend. Zuerst gilt es, die Tiere zu versorgen und ihre Einsatzbereitschaft für den nächsten Tag sicherzustellen. Erst danach kamen auch die Soldaten endlich zu ihrer verdienten Ruhe.

Der Präsident der Alpkorporation, Erich Müller, ist zufrieden mit der erfolgreichen Zusammenarbeit mit der Armee: «Wir brauchten Unterstützung und sind froh um die Hilfe.» Und die Armee hilft, wenn sie gebraucht wird. Die Beteiligten hätten eine unvergessliche Woche erlebt, so Müller: «Der Train hier oben, das schafft eine spezielle Atmosphäre. Das geht direkt ins Herz.»

Fotos

Trockenmauern

Ein steinernes Stück Kulturgeschichte

Trockenmauern sind ein traditionelles Element der Schweizer Kulturlandschaft und dienen vielen Zwecken: Grenzziehung, Weidebegrenzung, Hangsicherung und Schaffung von Kulturland. Ausserdem sind sie Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Von 2018 bis 2022 saniert die Alpkorporation Schrina mit Fronarbeit und der Hilfe der Armee zwei Trockenmauern mit einer Gesamtlänge von rund 750 Metern: eine kürzere in der Nähe des Hauptgebäudes auf rund 1300 Metern Höhe und eine längere auf 1700 Metern Höhe auf dem schwer zugänglichen Obersäss. Diese dient als Absturzsicherung für die Weide oberhalb und schützt einen Wanderweg, eine Weide sowie mehrere Ferienhäuser. An beiden Mauern führen touristische Wanderwege entlang.