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Bereit im Ernstfall

Ist das Flugunfallpikett nicht bereit, starten keine Flugzeuge. Im Ernstfall, beispielsweise bei einem Flugzeugbrand oder einer Pilotenrettung, muss innert Minuten richtig reagiert werden. Die mobilen Ausbildungsanlagen «Ground Operations» erlauben dank modernster Technik eine umfassende Ausbildung und Vorbereitung.

14.09.2020 | Kommunikation Verteidigung, Saskia Graber

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Angehörige des Flugunfallpiketts üben an der F/A-18-Maquette die sichere Bergung eines Piloten aus dem Cockpit. (Foto: VBS/DDPS, Franz Blatter)

Pro Flugplatz existiere ein Flugunfallpikett in einer der Situation angepassten Grösse, erklärt Hans Schmid, Chef Crash and Fire Rescue (CFR) bei der Luftwaffe. Ihm obliegt die zentrale Führung aller Flugunfallpiketts, die ihrerseits durch den jeweiligen Chef Flugunfallpikett vor Ort geführt werden. Er ist zudem verantwortlich für den technischen und taktischen Einsatz der Mittel. Wenn das Flugunfallpikett nicht bereit ist, starten keine Flugzeuge.

Mobile Ausbildungsanlagen

Sollte es zu einem Ernstfall kommen, z.B. zu einem Flugzeugbrand oder einer Pilotenrettung, müssen die Angehörigen des Flugunfallpiketts sofort reagieren. Im Normalfall beträgt die maximale Reaktionszeit drei Minuten. Im Fall einer brennenden, mit Lenkwaffen bestückten F/A-18 muss das Flugunfallpikett innert 90 Sekunden vor Ort sein. Die Abläufe müssen im Ernstfall präzise sitzen. Um dies zu üben, stehen zwei F/A-18-Maquetten zur Verfügung, originalgetreu und im Massstab 1:1 nachgebaut. Diese mobilen Ausbildungsanlagen, «Ground Operations» genannt, bestehen aus Holz, Fiberglas, Metall und F/A-18-Originalteilen.

Realistische Szenarien

Mit den mobilen Ausbildungsanlagen können die Angehörigen des Flugunfallpiketts – Berufspersonal wie auch Miliz – eine breite Palette an möglichen Szenarien so realitätsnah wie möglich üben. Beispielsweise Triebwerk- und Fahrwerkbrände, Rauch sowie Feuer im Cockpit, die sichere Bergung des Piloten aus dem Cockpit, Aircraft Recovery oder das Schleppen des Kampfjets durch Flugzeugwarte. Brandbekämpfung wird dabei nicht mit echtem Feuer geübt (siehe Kasten). Auf welche Hindernisse die Angehörigen des Flugunfallpiketts treffen, steuert der Übungsleiter. Dank modernster Technik stehen ihm verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl, auch kann er die Übungssequenzen individuell gestalten. Mit einem Tablet wird der Übungsverlauf überwacht und für das Debriefing aufgezeichnet.

Keine Belastung des Echtsystems

Mit dem Üben an den F/A-18-Maquetten können alle Abläufe überprüft und ausgewertet werden. Doch nicht nur das: «Der grösste Vorteil liegt darin, dass die Anlagen eine sehr hohe Verfügbarkeit haben und dass das Echtsystem dadurch nicht belastet wird», erklärt Schmid und fügt an: «Sollte einmal etwas kaputtgehen, so kann dies innert kürzester Zeit und mit geringem Aufwand durch den Lieferanten repariert werden.» So ist das Flugunfallpikett umfassend und effizient auf den Ernstfall vorbereitet. Dann, wenn es unter Umständen wortwörtlich heiss wird.

Ausbildungszentrum PHENIX

Seit 14 Jahren üben die Flugunfallpiketts der Schweizer Militärflugplätze die Brandbekämpfung mit echtem Feuer auf einer Spezialanlage in den Niederlanden. In der Schweiz ist dies aufgrund der veralteten Übungsanlagen aktuell noch nicht möglich. Ab 2021 soll jedoch das neue Ausbildungszentrum PHENIX in Payerne operationell sein. Damit holt die Luftwaffe die Ausbildungskompetenz in die Schweiz. Dies ist wichtig, da der personelle Bedarf und die Übungskadenz mit der Ausweitung des Luftpolizeidienstes auf einen 24-Stunden-Betrieb steigen. Mit modernsten Methoden kann so die Qualität der Ausbildung deutlich gesteigert werden, ebenso die Anzahl der Trainings und Ausbildungen. Die Feuersimulatoren (F/A-18, Super Puma, Grossraumflugzeug sowie ein Hangar mit Werkstatt) arbeiten zu fast 100% im Recycling-Betrieb, das ganze Löschwasser wird nach jedem Gebrauch zur Wiederverwendung aufbereitet. Als Brennstoff dient Propangas. Durch diese Massnahmen wird auch die Umwelt so wenig wie möglich belastet.