print preview Zurück zur Übersicht Kommando Operationen

Sicherheit für die kommenden 40 Jahre

Die heute im Einsatz stehenden Kampfflugzeuge und Mittel zur bodengestützten Luftverteidigung kommen in absehbarer Zeit an ihr Nutzungsende. Die Schweiz benötigt jedoch auch in Zukunft Kampfflugzeuge und bodengestützte Luftverteidigung, um ihren Luftraum jederzeit und in allen Lagen zu überwachen und zu schützen. Um eine langfristige Sicherheit der Schweiz zu gewährleisten, hat der Bundesrat das Programm Air2030 lanciert. Mit dessen Realisation ist die Schweiz bis in die 2060er-Jahre in der Lage, den Luftraum weiterhin unabhängig und selbstständig zu sichern.

02.07.2020 | Eve Hug, Kommunikation Verteidigung

Logo-air2030

 

Die heute im Einsatz stehenden Kampfflugzeuge und Mittel zur bodengestützten Luftverteidigung kürzerer Reichweite kommen in absehbarer Zeit an ihr Nutzungsende. Die seit 1978 im Einsatz stehenden F-5 Tiger sind bereits heute veraltet, und die ab den 90er Jahren beschafften F/A-18 können nur noch bis rund 2030 eingesetzt werden. Eine bodengestützte Luftverteidigung grösserer Reichweite ist seit der Ausserdienststellung der BL-64 Bloodhound im Jahr 1999 nicht mehr vorhanden.

Dringender Erneuerungsbedarf

Die Schweiz braucht jedoch auch in Zukunft Kampfflugzeuge und bodengestützte Luftverteidigung: für die Luftpolizei, für den Schutz von Konferenzen, für den Schutz des Luftraums bei Spannungen und für die Verteidigung im Fall eines Angriffs. Um die Mittel zum Schutz des Luftraums zu erneuern, hat der Bundesrat das Programm Air2030 gestartet, das aus vier Teilprojekten besteht, die als Gesamtsystem den Schutz des Schweizer Luftraums sicherstellen:

  • NKF: Neues Kampfflugzeug;
  • Bodluv GR: Neues bodengestütztes Luftverteidigungssystem grösserer Reichweite;
  • C2Air: Erneuerung des Führungs- und Kommunikationssystems des Luftraumüberwachungs- und Einsatzleitsystems Florako;
  • Radar: Erneuerung der Sensorsysteme des Luftraumüberwachungs- und Einsatzleitsystems Florako;

Das Projekt Radar wurde bereits in den Rüstungsprogrammen 2016 und 2018 im Parlament beantragt und bewilligt. Das Projekt C2Air wird mit dem Rüstungsprogramm 2020 beantragt. In Kombination mit den neuen Kampfflugzeugen und der bodengestützten Luftverteidigung grösserer Reichweite wird die Schweiz dank Air2030 bis in die 2060er-Jahre ihren Luftraum weiterhin unabhängig und selbstständig überwachen und schützen können.

Evaluation neuer Kampfflugzeuge

Alle infrage kommenden Kampfflugzeuge wurden zunächst in Simulatoren erprobt, und die Luftwaffen der Herstellerländer zeigten auf, wie die Flugzeuge betrieben und instandgehalten werden. Danach wurden die Kampfflugzeuge in Payerne einer Flug- und Bodenerprobung unterzogen. Folgende Anbieter respektive Kampfflugzeugtypen wurden evaluiert:

  • Eurofighter (Airbus)
  • Rafale (Dassault)
  • F/A-18 Super Hornet (Boeing)
  • F-35A (Lockheed Martin)

Auf Basis der Erkenntnisse aus den Erprobungen und den Informationen aus den eingegangenen Offerten wurde für jeden Kampfflugzeugtyp ein Fachbericht erstellt. Um zusätzliche Informationen einzuholen und damit noch offene Fragen zu klären, hat die armasuisse anschliessend eine zweite Offertanfrage an jeden Anbieter gestellt.

Typenentschied bis Mitte 2021

Die armasuisse erwartet die Rückmeldungen der Anbieter bis November 2020. Sobald alle Informationen vorliegen, können die Kandidaten miteinander verglichen werden. Die Gegenüberstellung von Gesamtnutzen und Gesamtkosten (Beschaffungs- und Betriebskosten für 30 Jahre) je Kampfflugzeugtyp wird in einem Evaluationsbericht festgehalten, der der Chefin VBS übergeben wird. Darauf basierend wird der Typenentscheid durch den Bundesrat im zweiten Quartal 2021 erfolgen.

Mit der Erneuerung der Kampfflugzeuge sowie der Mittel zur bodengestützten Luftverteidigung wird sichergestellt, dass die Schweiz ihren Luftraum auch in Zukunft jederzeit und in allen Lagen, unabhängig und selbstständig überwachen und schützen kann.

Finanzierung

Die Beschaffungen zur Erneuerung der Mittel zum Schutz des Luftraums sowie zur Modernisierung der Boden- und Führungssysteme werden aus dem von der Politik festgelegten Armeebudget finanziert, ebenso ihr Betrieb in den kommenden Jahrzehnten. Insgesamt sollen über einen Zeitraum von zehn Jahren (2023–2032) aus dem Budget der Armee im Durchschnitt 1,5 Milliarden Franken pro Jahr für Investitionen zur Verfügung stehen. Bundesrat und Parlament planen, für die Beschaffung der neuen Kampfflugzeuge maximal 6 Milliarden Franken zu investieren, sprich 0,6 Milliarden Franken jährlich während zehn Jahren. Für die Beschaffung der bodengestützten Luftverteidigung grösserer Reichweite sieht der Bundesrat maximal 2 Milliarden Franken vor. Zusätzliche 7 Milliarden Franken sieht er für die Erneuerung der Boden- und Führungssysteme vor. Der Bundesrat plant mit einem moderaten Wachstum des Armeebudgets von 1,4 Prozent jährlich. Er geht davon aus, dass der Anteil der Ausgaben für die militärische Landesverteidigung am Bruttoinlandprodukt längerfristig bei rund 0,8% des Bruttoinlandprodukts und weni-ger als 7% der Bundesausgaben liegen wird. Dieser Anteil ist im internationalen Vergleich sehr gering: Die Nato hält ihre Mitglieder an, 2.0% des Bruttoinlandprodukts für ihre Verteidigung aufzuwenden.