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Das elektronische Adlerauge der Armee

Die Wärmebildkameras der Super Puma-Helikopter der Luftwaffe sind vielfältig einsetzbar. Neben militärischen dienen sie – etwa auf Anfrage von Behörden – auch zivilen Zwecken. Häufig werden sie eingesetzt, um in der Nacht vermisste Menschen zu finden. Sie können aber auch dem Natur- und Tierschutz dienen: unlängst unterstützte die Luftwaffe die Walliser Wildhut bei der Zählung der Rothirsche.

26.06.2020 | Kommunikation Verteidigung, Fahrettin Calislar

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Das FLIR-Nachtsichtgerät der Super Pumas entdeckt die Hirsche aufgrund ihrer Wärmeausstrahlung. (Bild: VBS/DDPS)

Die Walliser Wildhut und die Besatzung eines Super Puma-Helikopters der Armee haben einen Nachteinsatz hinter sich. Der Zweck: die Erfassung des Rothirschbestandes in der Region Goms-Aletsch auf Antrag des Kantons.

Die Kantone müssen die Bestände der Wildtiere genau erheben, als Grundlage für die Jagdplanung und das Management der Wildtierarten. Um die Zahl der Rothirsche zu erfassen, führen die Wildhüter jährlich vom Auto aus Bodenzählungen durch. Dieses Jahr wurde auch aus der Luft gezählt. So können die Bestände im Oberwallis grossräumig und präzise erfasst werden. Und nur die Luftwaffe hat mit der Wärmebildkamera des Super Pumas die Mittel dazu.

Er sei zufrieden mit der Zusammenarbeit, sagt Wildbiologe Sascha Wellig von der Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere nach dem Einsatz. Die Zahlen werden noch ausgewertet. Doch laut Wellig ist klar: «Die erhobenen, qualitativ hochwertigen Daten leisten einen wertvollen Beitrag zur Optimierung des Rothirschmanagements.»

Lehrreich für die Besatzung

Der Flug erfolgte zeitnah zur Wildzählung am Boden, um stichfeste Zahlen zu erhalten. Die Helikopterbesatzung war mehr als vier Stunden über dem Oberwallis und dem Binntal unterwegs. Der Einsatz sei unter guten Bedingungen über die Bühne gegangen, sagt Oberstleutnant Christian Lucek von der Luftwaffe. Die Planung habe viele Faktoren berücksichtigt: geeignetes Wetter, Vegetationsstand und Schneesituation. Auch die Grösse des abzusuchenden Gebietes war herausfordernd. «Die lange Einsatzdauer in der späten Nacht erforderte von der Besatzung eine hohe Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit.»

Da sich die Wildtiere in der Nacht in offenen Flächen aufhalten und meistens in Gruppen bewegen, sind sie einfacher auszumachen, als eine einzelne Person im schwierigen Gelände. Dennoch sind Einsätze wie diese für die Helikopterbesatzung durchaus lehrreich für den Umgang mit dem Equipment. Die Armee hilft also nicht nur, sie trainiert auch.

Der Einsatz war insgesamt eine spannende Erfahrung: «Eindrücklich war die grosse Anzahl an Rotwild, das sich teilweise bis ins Siedlungsgebiet vorwagt.» Die Zusammenarbeit war ausserdem sehr effektiv, auch dank des Könnens der Wildhüter, würdigt Lucek: «Ihre Ortskenntnis und ihre Fähigkeit, die Tiere rasch zu erkennen und zu klassifizieren, war hervorragend.»

Grosser Nutzen für die Behörden

Die Zählungen müssen in Frühlingsnächten stattfinden, weil die Rothirsche dann auf den Wiesen äsen. In der Regel sind Teams mit Wärmebildkameras und Handscheinwerfern in Autos unterwegs. «Es ist aber nicht möglich, so alle Rothirsche zu erfassen», räumt Dienstchef Peter Scheibler ein. Gerade im gebirgigen Wallis sind viele Gebiete kaum oder gar nicht mit Autos erreichbar – weil noch immer Schnee liegt oder aber kein befestigter Weg existiert. Und auch dann ist der Blick auf die Tiere oft eingeschränkt.

Bisher rechnete man den gezählten Bestand mit einer Dunkelziffer hoch. Erfahrungen mit einem anderen Projekt haben jedoch gezeigt, «dass der Bestand erst durch einen Vergleich von nächtlichen Scheinwerfertaxation am Boden und der Wärmebilderfassung aus der Luft gut abgeschätzt werden kann.» Dank diese Erfahrungen stellte man laut Scheibler fest, dass die Dunkelziffer bisher wohl «stark unterschätzt» wurde. Es leben deutlich mehr Rothirsche in den betroffenen Regionen als vermutet. Je genauer aber die Zahlen sind, desto genauer kann die Wildhut Abschüsse planen und den Erfolg kontrollieren.

Das Gleichgewicht von Fauna und Flora

Die Rothirschbestände in der Schweiz steigen an, in einigen Regionen massiv. Im Wallis hat sich die Zahl in den letzten dreissig Jahren (1990: 2782 Tiere, 2019: 6051 Tiere) mehr als verdoppelt. Die Kantone müssen die Zahl der Wildtiere den verfügbaren Ressourcen in einer Region anpassen. Sie tun dies unter anderem durch Regulierung mit gezielter Jagd. Die zuständige Walliser Dienststelle DJFW sorgt sich insbesondere in der Region Goms-Aletsch um ein nachhaltiges Gleichgewicht von Fauna und Flora. «Hohe Rothirschdichten wirken stärker auf den Lebensraum ein und können auf Dauer zu Schäden führen, zum Beispiel an der Vegetation», erklärt Dienstchef Peter Scheibler. Es drohen Verbissschäden an Jungbäumen. Diese sind besonders folgenschwer, wenn die Verjüngung von Schutzwäldern gefährdet wird.