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«Wir sind es gewohnt, in einer Art Quarantäne zu sein»

Auch in Zeiten von Corona ist der Auftrag zur Friedensförderung wichtig. Ein Interview mit dem Divisionär Patrick Gauchat, Delegationschef der Neutralen Überwachungskommission für den Waffenstillstand in Korea. Seit Anfang Jahr bereits steht er im Coronawirbel.

01.04.2020 | Kommunikation Verteidigung

Divisionär Patrick Gauchat ist seit zweieinhalb Jahren der Schweizer Delegationschef der Neutral Nations Supervisory Commission (NNSC) in Korea.

Herr Divisionär Gauchat, wie geht es Ihnen?

Angesichts dessen, was Europa im Moment erlebt, können wir uns nicht beklagen. Ausserdem sind wir es gewohnt, in einer Art Quarantäne zu sein, da Panmunjeom in einer entmilitarisierten Zone zwischen zwei Armeen liegt und seit je von der übrigen Welt abgeschnitten ist.

Wie können Sie Ihre Arbeit weiterhin erledigen?

Wir haben weniger Einsätze vor Ort, weil sich die Inspektionen und Übungen um einige Wochen verzögert haben. Jeder kämpft gegen die Verbreitung des Virus, und deshalb versuchen wir, die Interaktionen mit anderen Einheiten oder anderen Strukturen zu reduzieren, um Kontakte so weit wie möglich zu vermeiden und damit die Möglichkeiten der Übertragung des Virus zu verringern. Demgegenüber führen wir eine längerfristige Planung durch, z.B. Vorschläge für vertrauensbildende Massnahmen in den Projekten und in den offiziellen NNSC-Vorschlägen an die Partner. Diese kann umgesetzt werden, sobald sich die Situation an der Virenfront stabilisiert hat. Wichtig ist dabei stets, dass die Nationen unsere Anwesenheit trotzdem spüren, da es unsere Aufgabe ist, die Lage zu beobachten und wir damit nicht einfach aufhören können.

Wie haben Sie sich geschützt?

Wir haben eine ganze Reihe von Schutzmassnahmen ergriffen, die entweder von der koreanischen Regierung, von amerikanischen oder koreanischen Streitkräften oder auf meine Anweisung hin verhängt wurden. So gehen wir beispielsweise nicht mehr in Restaurants oder Geschäfte ausserhalb der Militärbasen. Wir haben Handwaschstationen am Eingang jedes Gebäudes und jedes Büros. Wir respektieren das Social Distancing, und seit einigen Wochen halten wir auch die geforderten Sicherheitsabstände ein. Da in der koreanischen Gesellschaft Masken obligatorisch sind, tragen wir sie auch systematisch.

Wie haben Sie die Situation vor Ort erlebt?

Da ich näher am ursprünglichen Epizentrum lag, begann die Situation des Virenmanagements im Januar, und ich hatte bereits Schutzbefehle an unser Militär erteilt. Das eigentliche Krisenmanagement begann bereits Mitte Februar, und es mussten verschiedene zusätzliche Schutzmassnahmen ergriffen werden. Die ständige Situationsanalyse ermöglichte es uns, auf Sicherheitsbedürfnisse zu reagieren und gleichzeitig unsere Arbeit anzupassen. Es sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass das koreanische Alarmsystem zur Überwachung von Coronaviren-Fällen sehr effizient ist und uns praktisch in Echtzeit (Alarme auf allen Telefonen) sofort die zu meidenden Orte anzeigt.

Bei Ihnen sind die Ansteckungen am Abnehmen, die Lage scheint sich zu beruhigen. Was können Sie uns Schweizerinnen und Schweizern aus Ihrer Erfahrung mitgeben?

Die Situation in Korea hat sich stabilisiert, obwohl viele eine zweite Welle befürchten, die genauso stark sein könnte wie die, die derzeit in Europa zu beobachten ist. Tatsächlich ist das Virus auf zwei Städte beschränkt, und in der die koreanischen Bevölkerung hat keine landesweite Immunisierung stattgefunden. Auf jeden Fall lassen wir nicht nach, und alle bestehenden Anweisungen (Regierung, Streitkräfte, Delegation) müssen systematisch befolgt, zurückgerufen und ständig verbessert werden. Der Kampf geht weiter, halten Sie die Vorschriften ein!

Friedensförderung

Friedensförderung im internationalen Rahmen ist einer der drei Aufträge der Schweizer Armee. Das Kompetenzzentrum SWISSINT in Stans-Oberdorf (NW) ist die nationale vorgesetzte Kommandostelle sämtlicher friedensfördernden Missionen. Aktuell leisten rund 250 Frauen und Männer im Rang vom Soldaten bis zum Divisionär in 18 Ländern einen Beitrag zum Frieden. Eine dieser laufenden Missionen ist die NNSC (Neutrale Überwachungskommission für den Waffenstillstand zwischen Nord- und Südkorea) an der Demarkationslinie zwischen den beiden Korea. Der Schweizer Delegationschef, Divisionär Patrick Gauchat, beantwortet uns ein paar Fragen zum Thema COVID-19 und die Auswirkungen auf seine tägliche Arbeit. Südkorea war sehr früh und stark vom aktuellen Ausbruch betroffen. Weitere Informationen zur NNSC und SWISSINT finden Sie unter www.peace-support.ch.

Friedensförderung

News

Einsatz «CORONA20» (Februar bis Juni 2020)


Dokumente

  • Schutzkonzept Kommando Ausbildung
    Alle in diesem Schutzkonzept erwähnten Punkte stützen sich auf gültige Befehle des Oberfeldarztes sowie entsprechende Arbeitshilfen und Merkblätter und auf die Empfehlungen zu Verhaltens- und Hygienemassnahmen des BAG ab.
    16.07.2020 | PDF, 13 Seite[n], 218 KB, Deutsch
  • Pocket card
    Coronavirus-Prävention der Armee: Massnahmen für alle Rekrutenschulen
    10.07.2020 | PDF, 2 Seite[n], 255 KB
Sozialdienst der Armee
  • Fragen und Antworten
    Die Vereinbarkeit von Assistenzdienst, Familie und Arbeit stellt Angehörige der Armee vor grosse Herausforderungen. Der Sozialdienst der Armee (SDA) unterstützt Sie in dieser Situation und steht Ihnen beratend zur Seite.
    14.04.2020 | PDF, 2 Seite[n], 246 KB
  • LAVORO
    Stellensuche und Wiedereinstieg ins Berufsleben nach dem Asistenzdienst und der Rekrutenschule
    16.04.2020 | PDF, 1 Seite[n], 239 KB
  • Merkblatt Erwerbsersatzentschädigung
    23.03.2020 | PDF, 10 Seite[n], 612 KB