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Taktisches Nachtflugtraining im Ausland

Zur Sicherstellung der Einsatzfähigkeit in der Nacht sowie im Hinblick auf den Einsatz am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos und den permanenten Luftpolizeimissionen führte die Schweizer Luftwaffe erneut ein vierwöchiges taktisches Training in England durch. Oberstleutnant Aldo Wicki, Leiter des Schweizerischen Detachements, spricht über die Besonderheiten der «Yorknite 19» in Yorkshire (GB).

16.01.2020 | Kommunikation Verteidigung, Giorgio Krüsi

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Fotos: VBS / Oberstlt Aldo Wicki
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Oberstleutnant Aldo Wicki, Chef Schweizer Detachement in Leeming GB

Um die Einsatzfähigkeit zu erhalten und um Einsätze wie denjenigen am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos zu exerzieren, trainiert die Schweizer Luftwaffe im Ausland vor allem taktische Nachteinsätze, inklusive Überschallflug. In der Schweiz sind solche Übungen aufgrund verschiedener Restriktionen nur in geringem Umfang möglich.

So werden Angehörige der Schweizer Luftwaffe einmal pro Jahr von ihren britischen Kollegen der Royal Air Force empfangen. Während vier Wochen, von November bis Dezember, führen F/A-18-Piloten die Übung «Yorknite 19» zu Aus- und Weiterbildungszwecken durch, wobei der Fokus auf den Nachtflügen liegt. Weitere solche Trainingseinheiten sind die multinationale Luftverteidigungsübung «Arctic Challenge Exercise», die alle zwei Jahre in Schweden stattfindet, oder die diesjährigen Luftverteidigungsübungen in den Niederlanden und in Portugal.

Nur durch gemeinsame Übungen im Ausland ist die Schweizer Luftwaffe in der Lage, ihre aktuellen und erforderten Einsatzfähigkeiten zu erhalten, ihre taktische Wirksamkeit in komplexen Szenarien zu testen sowie die Fähigkeiten der Piloten zu trainieren und zu verbessern. Es geht auch darum, die Interoperabilität zu testen und Erfahrungen mit modernen Systemen, Waffen und Taktiken zu sammeln. Nach der «Yorknite 19» spricht Oberstleutnant Aldo Wicki, Leiter der Schweizer Delegation, über die Übung in Leeming (North Yorkshire, GB), an der die Hälfte der jährlichen Schweizer Jet-Nachtflugübungen stattfindet.

Während der «Yorknite 19» haben Sie Übungen und Trainingsflüge mit der britischen Royal Air Force durchgeführt. Was waren die Ziele?

Aldo Wicki: Diese Nachtflugkampagne ist für die Schweizer Luftwaffe, für die Einsatzbereitschaft und das Nachtflugverhalten der F/A-18-Piloten von grösster Bedeutung. Im Durchschnitt wurden sechs bis acht F/A-18 C/Ds eingesetzt, zweimal nachts in drei Wellen und einmal tagsüber mit einer weiteren Welle von sechs bis acht Hornets. Tagsüber wurde in gemeinsamen Einsätzen und in verschiedenen Luftkampfeinsätzen mit britischen Kollegen trainiert. Auf diese Weise führen wir ein Benchmarking durch. Das heisst, wir sammeln operative Erfahrungen von unseren Kollegen, testen und erweitern unser Wissen und unsere taktischen und operativen Fähigkeiten.

Haben die britischen Kameraden systematisch an Ihrer Ausbildung teilgenommen? Wurden auch Waffen eingesetzt?

Während der «Yorknite 19» trainierten wir nur gelegentlich mit unseren britischen Kameraden. Die Ausbildung und Einsätze der zweiten und dritten Welle waren ausschliesslich der Grundausbildung junger F/A-18-Piloten sowie der fortgeschrittenen taktischen Luftkampfausbildung bei Nacht vorbehalten. Diese Einsätze wurden intern ohne Beteiligung der britischen Luftwaffe durchgeführt, mit Ausnahme der taktischen Führung der Schweizer F/A-18 durch das Royal Air Force Control and Reporting Centre. Bei den Übungen wurden keine Waffen verwendet. Der Einsatz von Waffensystemen wird auf den Fluginstrumenten simuliert.

Was sind die Besonderheiten und Herausforderungen dieser Trainingsmodule, die Sie jedes Jahr während vier Wochen durchführen?

Mehr als die Hälfte unserer jährlichen Nachtflugausbildung findet in England statt. Der Druck ist also hoch genug, um in Zusammenarbeit mit den Partnern der britischen Luftwaffe und allen anderen Akteuren in der Schweiz optimale Bedingungen für alle Boden- und Lufteinsätze zu schaffen. Auf diese Weise sind wir während diesen vier wichtigen Wochen in der Lage, die in den verschiedenen Ausbildungs- und Trainingssequenzen festgelegten Ziele zu erreichen und ein Maximum an fliegerischen, technischen und operativen Einsätzen unter besonderer Berücksichtigung der Sicherheitsstandards durchzuführen. In dieser Übung fliegt die Luftwaffe rund fünfzig Prozent aller Jet-Nachtflug-Trainingseinsätze pro Jahr.

Mit welchem Mehrwert sind die Piloten und das Bodenpersonal in die Schweiz zurückgekehrt, insbesondere mit Blick auf den Einsatz am WEF?

Zunächst konnten wir dank eines Benchmarkings mit unseren britischen Kollegen unsere operativen Prozesse in der Luft und am Boden überprüfen. Wir schulten auch junge F/A-18-Piloten im Nachtflug und unsere Piloten im fortgeschritten taktischen Nachteinsatz. Auf diese Weise trugen wir zur taktischen Bereitschaft der Luftwaffe für den Nachteinsatz bei, festigten unsere Interoperabilitätsfähigkeiten und trainierten das Denken über den Tellerrand hinaus. Dadurch sind wir im Einsatz effektiver geworden, wir haben Neues gelernt und wenden es an, insbesondere in Zusammenarbeit mit ausländischen Luftwaffen, die über umfangreiche Einsatzerfahrung verfügen.

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