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«Die Schweiz zu vertreten ist eine Ehre»

Im Mai dieses Jahres hat Oberstleutnant Stéphane Theimer die Funktion des Force Provost Marshal der Kosovo Force übernommen und ist damit der höchste Militärpolizist der multinationalen Truppe unter Leitung der NATO im Kosovo. Seit einigen Jahren wird die Stelle des Force Provost Marshals alle sechs Monate alternierend von Vertretern der Schweiz und Österreichs besetzt.

11.10.2019 | Stefanie Waltenspül, Presse- und Informationsoffizier Swisscoy-Kontingent 40

Bei allen grösseren Einsätzen der KFOR ist die Militärpolizei aller beteiligten Nationen vertreten: Oberstleutnant Stéphane Theimer bei der Befehlsausgabe vor einem Einsatz.

Als Force Provost Marshal (FPM) führt der gebürtige Westschweizer die Einsätze der Militärpolizei (MP) im Kosovo und agiert als Berater des Kommandanten der Kosovo Force (KFOR) für alle polizeilichen Angelegenheiten. Unter der Führung des FPM steht auch die im Camp Film City in Pristina stationierte Internationale Militärpolizei (IMP), bestehend aus Schweizer, österreichischen und polnischen Militärpolizisten. Darüber hinaus werden die Militärpolizei der Multinational Battle Groups East und West sowie die Carabinieri der Multinational Specialized Unit vom FPM koordiniert.

Ein Grossteil der Arbeit des FPM ist reine Führungs- und Stabsarbeit. «Der Aufbau eines guten Netzwerkes im Bereich der Sicherheitsakteure ist entscheidend», so Oberstleutnant Theimer. Diese Bemühungen sind zwar zeitintensiv, bilden aber eine nachhaltige Basis für die Arbeit der Militärpolizei. Auch der Kontakt zu den jeweiligen nationalen Kontingentskommandanten ist ihm wichtig: Sie sind seine Ansprechpersonen, wenn es um nationale Angelegenheiten der truppenstellenden Nationen geht.

Überall im Einsatzraum präsent

Wann immer möglich ist Stéphane Theimer im Einsatzraum unterwegs und pflegt den Kontakt mit den Militärpolizisten. Bei jedem grösseren Einsatz ist er vor Ort. Teamwork hat einen enorm hohen Stellenwert bei der Militärpolizei. Deshalb ist es für den Force Provost Marshal ein grosses Anliegen den Leuten zu zeigen, dass er als oberster Militärpolizist der KFOR auch an der Front präsent ist.

«Der persönliche berufliche Hintergrund im Bereich der zivilen und der Militärpolizei ist sehr hilfreich», führt Theimer aus. «Dank dieser Erfahrung ist es möglich, mit den Leuten auf Augenhöhe zu kommunizieren. Trotz kleineren Sprachbarrieren spricht man im militärpolizeilichen Umfeld die gleiche Sprache, und obwohl es manchmal etwas Fantasie braucht, ist die Verständigung im internationalen Umfeld problemlos möglich.»

Internationale Zusammenarbeit bedingt gemeinsame Basis

Die Militärpolizei im Einsatzraum setzt sich aus Frauen und Männern aus unterschiedlichen Nationen zusammen: aus der Schweiz, aus Österreich und Polen (wie bei der IMP) sowie zusätzlich aus den USA, aus Slowenien und Italien. Sie müssen die ganze polizeiliche Leistung zu Gunsten der KFOR gewährleisten. Sämtliche beteiligten Nationen kennen eine Grundausbildung, die je nach Land unterschiedlich ist. Deshalb ist eine gemeinsame Basis für die internationale Zusammenarbeit unabdingbar. Die NATO-Doktrin gibt bei der KFOR im Bereich der Militärpolizei die Handlungsrichtlinien im Einsatzraum vor, dies unter Respektierung der nationalen Einschränkungen.

Dank grosser Erfahrung jederzeit einsatzbareit

Die Verantwortlichkeit der Militärpolizei endet nicht an den Grenzen des Kosovos, sondern erstreckt sich auch auf weitere Gebiete, in denen sich Soldatinnen und Soldaten der KFOR bewegen. «Nord-Mazedonien und Griechenland sind wichtige logistische Versorgungsrouten für die KFOR. Entsprechend müssen wir auch bereit sein, in diesen Gebieten zu intervenieren, wenn es notwendig ist», erklärt Oberstleutnant Theimer.

«Wir haben unglaublich motivierte und auch sehr erfahrene Leute hier im Einsatzraum», informiert Stéphane Theimer. «Für einen Schweizer Militärpolizeioffizier und ehemaligen zivilen Kriminalpolizisten wie mich ist es ein Privileg, spezialisierte Soldatinnen und Soldaten zu führen, die hochmotiviert und für jede Situation einsatzbereit sind.» Auch der stellvertretende Kommandant der KFOR, Brigadier Reinhard Ruckenstuhl (A), sei mit ihren Leistungen zufrieden, betont Theimer. «Die Gelegenheit, die Schweiz auf dieser Ebene zu vertreten, ist eine grosse Ehre.»

Fotos

Seit 20 Jahren im Kosovo

Seit Oktober 1999 beteiligt sich die Schweizer Armee mit der Swisscoy an der internationalen friedensfördernden Mission Kosovo Force (KFOR). Die Swisscoy setzt sich aus 165 freiwilligen, zum Selbstschutz mit Pistole, Sturmgewehr und Reizstoffsprühgerät bewaffneten Angehörigen der Armee zusammen. Im aktuellen Kontingent leisten 24 Frauen in unterschiedlichen Funktionen einen friedensfördernden Einsatz, was einem Anteil von 15% entspricht. Der Einsatz der Swisscoy geht auf den Bundesratsentscheid vom 23. Juni 1999 zurück, sich militärisch an der KFOR zu beteiligen. Das Parlament hat im Juni 2017 einer erneuten Verlängerung des Mandats bis Ende 2020 zugestimmt.

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