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Ein Flugplatz und ein Spezialzug für die Mobilmachung der Rettungstruppen

Die Daten des Wiederholungskurses waren den Angehörigen des Rettungsbataillons 3 zwar schon hinlänglich bekannt – nicht aber die Einzelheiten des Einrückens. Es geschah wie im Ernstfall: ein SMS kam, Vorrat für 48 Stunden wurde gepackt, das persönliche Material zusammengestellt und ab und den ersten möglichen Zug. Denn, wenn die Katastrophe eintritt, eilt es. Die Territorialdivision 3 wollte herausfinden, ob der neue Mobilisationsprozess mit dem Rettungsbataillon 3 funktioniert. Der 24-Stunden-Countdown hatte begonnen.

27.08.2019 | Kommunikation Verteidigung, Giorgio Krüsi

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Für die Verschiebung aus dem Tessin nach Genf hat das Rettungsbataillon 3 einen Sonderzug eingesetzt. (Fotos: ©VBS: Giorgio Krüsi, Komm V und Fachoffizier Simone Balestra, PIO Rttg Bat 3)

Es ist Punkt 8 Uhr an diesem Morgen, als die ersten Züge mit Soldaten am Bahnhof in Airolo ankommen. Der erste Offizier des Rettungsbataillons (Rttg Bat) 3 trägt sich an der Meldestelle in der Kaserne ein. Ein Vertreter der Territorialdivision 3 übergibt ihnen das Mobilmachungsdossier. Dieses regelt den Ablauf und den Inhalt dieses intensiven Tages: Es gilt, keine Zeit zu verlieren.

Die Soldaten des Bataillons wurden per SMS aufgeboten. Sie sollten alle so rasch wie möglich ihren Dienst am vorgesehenen Treffpunkt antreten. So rückte das Tessiner Bataillon, eine Milizformation mit hoher Bereitschaft (MmhB), den Dienst erstmals an «seinem» Mobilmachungsort ein.

Die Rettungsbataillone der Schweizer Armee verfügen über eine Vielzahl von Soldaten und bedeutende Mengen an Material. Dieses ist auf die vier Kompanien, den Stab und die drei Rettungskompanien, verteilt. Hinzu kommen rund 200 leichte und schwere Fahrzeuge wie Lastwagen, Bagger, Gabelstapler, Pumpgeräte sowie Ausrüstung für den Wassertransport, die Energieversorgung und Beleuchtung.

Grosses Augenmerk auf die Transportkapazitäten

Es ist nicht möglich, Formationen dieser Grösse an einem beliebigen Standort zu versammeln. Gemäss dem 2018 neu eingeführten Konzept kommen die aufgebotenen Armeeangehörigen generell in einem Armeelogistikcenter zusammen. Das ALC Monteceneri (ALC-M) wies dem Rttg Bat 3 allerdings als Mobilmachungsort den Waffenplatz Airolo sowie den früheren Militärflugplatz Ambri zu. Die Einheiten bezogen auf dem Flugplatz ihre Fahrzeuge und ihr Material, führten die notwendigen Kontrollen durch und stellten Kolonnen für die Verschiebung zusammen. Angestellte des ALC-M und das zugeteilte Logistikbataillon unterstützten das Rettungsbataillon dabei. Am nächsten Tag dann nahmen die Angehörigen des Bataillons an der Fahnenzeremonie teil, bevor sie in einen Spezialzug in die Westschweiz stiegen.

Gegen Mittag hatte ein grosser Teil des Bataillons den Dienst tatsächlich begonnen. Gemäss Befehl hatte jeder Soldat seine eigene Verpflegung für zwei Tage mitgenommen. Nachdem er die nötigen Formalitäten erledigt hatte, fasste Verkehrssoldat Nicholas Fioroni, der zu seinem ersten Wiederholungskurs angetreten war, sein Motorrad und fuhr zu einer ausgedehnten Tour los. Sein Auftrag: Er musste die Strecke ausstecken, vom Mobilisierungsplatz bis hin nach Genf, wo das Bataillon die technische Ausbildung antreten sollte. Allerdings galt seine Hauptsorge vielmehr der Vorgabe, «Verpflegung für zwei Tage mitzunehmen», wie er schmunzelnd sagt: «Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich mich zwei Tage von Käsesnacks und Zwieback ernähren soll.»

 
 
 

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Verkehrssoldat Nicholas Fioroni

Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich mich zwei Tage von Käsesnacks und Zwieback ernähren soll.

Die Ausrüstung und die Schulung haben Vorrang

Bis am Abend musste jeder Soldat an verschiedenen Arbeitsplätzen die Einsatzbezogene Ausbildung (EBA) absolvieren, während dieser seine Grundkompetenzen trainiert wurden: die korrekte Handhabung und der Einsatz der Waffe, das Schiessen auf 30 Meter, die Verwendung des Reizspraysgerät 2000, die Vorbereitung der ABC-Ausrüstung, erste Hilfe, der Gebrauch von Seilen und Knoten, der militärische Umgang und – für die Fahrer – das untadlige Verhalten im Strassenverkehr. Am Abend konnte das Bataillon dann seine Einsatzbereitschaft melden.

Der erfahrene Soldat Jason Forni – er absolvierte bereits seine dritte Mobilmachungsübung – ist überzeugt, dass der Zusammenzug zufriedenstellend abgelaufen ist, «trotz anfänglichem Chaos zu Beginn, als niemand wusste, was er zu tun hatte und wohin er sich wenden musste. Jedes Bataillon hat seine eigenen Mittel, aber der Prozess der Mobilmachung sollte unter dem Strich überall ähnlich verlaufen.»

 

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Soldat Jason Forni

Jedes Bataillon hat seine eigenen Mittel, aber der Prozess der Mobilmachung sollte unter dem Strich überall ähnlich verlaufen.

Mobilmachung in drei Phasen

Alle Formationen der Schweizer Armee folgen den selben Vorgaben für die Mobilmachung. In einem echten Ernstfall werden zuerst die Mittel der ersten Stunde eingesetzt, also die Berufsmilitärs und die Durchdiener. Dann werden die WK-Formationen sowie die Rekrutenschulen aufgeboten. In einer zweiten Phase folgen falls nötig innerhalb von 24 bis 96 Stunden die Milizformationen mit hoher Bereitschaft. Schliesslich, im Fall einer besonders schweren Krise, können die Behörden die dritte Phase auslösen. Dann kommen die restlichen Milizformationen zum Einsatz, das sind innerhalb von maximal zehn Tagen nochmal bis zu 35'000 weitere Armeeangehörige.

24 Stunden nach dem Einrücken stand das Bataillon in Airolo bereit. Am Tag danach fuhr der Sonderzug das Bataillon in die Westschweiz. Die Bilanz der Übung war beachtlich und entspricht den Möglichkeiten aller fünf Armeelogistikcenter. Jedes kann pro Tag zwei Bataillone ausrüsten – total wären also am Ende jeden Tages jeweils zehn Formationen einsatzfähig.
 

 

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