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Krisenführungsübung der Armee: Jederzeit einsatzbereit

Zweimonatlich übt die Armee die professionelle Krisenführung. Von der Alarmierung über die Betreuung von Betroffenen und Angehörigen zur Schadenplatzbewältigung bis und mit Nachbearbeitung der ersten Medienkonferenz wird jeder Fall durchgespielt. 6 bis 8 Stunden nach Alarmauslösung wird das Ergebnis beurteilt.

02.05.2019 | Kommunikation Verteidigung, Gaby Zimmer

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Foto: ZEM, Sina Guntern

«In den frühen Morgenstunden hat sich in Stans bei Dunkelheit und Nebel ein Auffahrunfall in einem Kreisel ereignet. Drei Fahrzeuge sind involviert. Ein Kindergartenkind wurde dabei von einem Fahrzeug gestreift.» Oberst i Gst Robert Flück, in diesem Training Co-Übungsleiter und sonst einer der zehn Chefs Krisenstab, beginnt mit diesen Erstinformationen vor den rund zwei Dutzend Anwesenden im Führungsraum die «Arabella»-Übung («Arabella» ist der Deckname für Krisenführung). Ein Fall, der im ersten Augenblick eher harmlos klingt, der aber im Verlauf des Tages eskalieren wird.

Fakten, nicht Interpretationen

Diszipliniert, ruhig und engagiert arbeiten die Führungs-, Stabs- und Querschnittsbereiche ihre Lage auf. Es zählen nicht Interpretationen, sondern Fakten, Fakten und nochmals Fakten. Die Ruhe zu Beginn des Szenarios trägt massgeblich dazu bei, Klarheit über die Beurteilung der Ausgangslage und das Erteilen der Aufträge zu gewinnen. Doch bereits eine Stunde nach Übungseröffnung verschlimmern Meldungen vom Schadenplatz die Erstinformationen massiv. Erschwerend kommt hinzu, dass die Medien den Vorfall mittlerweile aufgegriffen haben und ihre Vertreter mit Anfragen, gewagten Thesen und Schlagzeilen das Vorkommnis in abenteuerliche Richtungen zerren.

Sämtliche Kompetenzen über Personen und Mittel

Neben einem strukturierten und zielführenden Vorgehen ist der Zeitfaktor entscheidend für den Erfolg eines Krisenmanagements, wie es hier skizziert ist. Deshalb ist er zwingend erforderlich, dass der Chef des Krisenstabes mit seiner Entourage über sämtliche Mittel der Armee verfügt.

Lufttransporte für Angehörige von schwer verletzten oder verstorbenen Personen sind oft rasch notwendig, auch aus dem Ausland. «Die Betreuung der Angehörigen ist nach meiner Erfahrung das A und O bei einem Ereignis. Mit dem Management des Schadenplatzes und den Konsequenzen aus militärischer Sicht sind wir alle aus dem Alltagsgeschäft bestens vertraut. Im Zentrum aber steht, wie wir die betroffenen Menschen einbeziehen, begleiten und betreuen», ist Korpskommandant Aldo C. Schellenberg überzeugt.

Teamleistung

Der Chef Krisenstab, Oberst i Gst Thomas A. Frey, entscheidet immer erst, wenn er sich mit seinen Fachpartnern im Team abgesprochen hat. Nicht die Hierarchie steht im Zentrum, sondern die Fachkompetenz, der Austausch und das gegenseitige Vertrauen.

Antizipieren, nicht reagieren

«Bei ‹Arabella› geht es nicht nur um die sachliche Bedeutung des Ereignisses. Es geht um viel mehr. Nämlich um Fälle, in denen die Reputation der Armee infrage gestellt werden könnte. Wenn eine Eingangsmeldung auf den ersten Blick auch noch so harmlos wirkt, müssen wir antizipieren, welche Auswirkungen auf den zweiten Blick möglich sind», erklärt Aldo C. Schellenberg, der im Auftrag des Chefs der Armee die Krisenführung verantwortet und sich stets die Zeit nimmt, jedes Training zu besuchen.

Digital, von Anfang an

Die Auslösung des Krisenstabes Verteidigung erfolgt über e-Alarm. Die ersten Teilnehmer sind in der Regel 30 Minuten nach Auslösung in der Kommandozentrale eingerichtet. Die Initialinformation findet üblicherweise spätestens eine Stunde nach Alarmauslösung statt – egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Die Abläufe sind – typisch für die Armee – streng geregelt, klar strukturiert und vielfach trainiert. Der Krisenstab arbeitet mehrheitlich nach dem System der Stabsarbeit – ebenfalls allen Teilnehmern vertraut. Die Informationen und Produkte werden in einem gemeinsamen System bewirtschaftet und sind so auch den Berechtigten ausserhalb des Krisenstabes zugänglich.