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Die RS – heute und vor 40 Jahren

Am 14. Januar 2019 hat sie begonnen, die zweite Rekrutenschule von Robert Lüssi (62). Er, ehemaliger Vizedirektor bei der Eidg. Zollverwaltung und Oberst ausser Dienst, wollte am eigenen Leib erfahren, wie sich die RS von heute im Vergleich zu jener von vor rund 40 Jahren verändert hat. Nach sechs Wochen als Fliegerrekrut in der Flieger Schule (Fl S) 81 in Payerne zieht er Zwischenbilanz.

21.02.2019 | Kommunikation Verteidigung, Saskia Graber

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In voller Montur vor dem ausgemusterten Hawker Hunter der Fliegerkaserne in Payerne.

Auslöserin dieser exotischen Idee war eine Frau – genauer: Robert Lüssis Ehefrau. Ein Zeitungsartikel berichtete über das neue Material, das den Rekruten heute zur Verfügung steht. «Derart tolle Sachen hatten wir zu meiner Zeit keine», rief der Oberst ausser Dienst aus. «De muesch haut wider go!», lautete die lakonische Antwort seiner Frau. Gesagt – getan: Nachdem das Konzept «Die RS – heute und vor 40 Jahren» im April 2018 vom damaligen Chef VBS, Bundesrat Guy Parmelin, bewilligt worden war, rückte Robert Lüssi nach rund 40 Jahren erneut in eine Rekrutenschule ein, als «normaler» Rekrut ohne Vorrechte. Sein Vorhaben: erfahren, was sich bezüglich Organisation, Führung, Ausbildung, Infrastruktur oder Material seither verändert hat. Aber nicht nur: «Es geht auch darum, den Mut zu haben, etwas zu tun, was bisher noch niemand gemacht hat», so Lüssi.

Schnelle Integration

«Überrascht hat mich die extrem schnelle Integration in meine Kompanie», hält Robert Lüssi als Erstes fest. «Die heutige Rekrutengeneration ist offen, hoch motiviert und unkompliziert. Den oft erwähnten Egoismus habe ich nicht erlebt – ganz im Gegenteil.». Diese Erkenntnisse entsprechen seinen Erwartungen. Die Reaktion seiner jüngeren Kameraden fiel denn auch positiv aus, wenn auch mit einem unterlegten Schmunzeln. Berührungsängste gab es keine. Und wenn doch, so wurden sie schnell aufgelöst.

So erinnert sich Rekrut Selin Steiger, wie ein leises Stöhnen aufkam, als sie erfuhren, dass der ehemalige Oberst ihr Zimmerkamerad werden würde. Wahrscheinlich nicht nur er hatte vor dieser RS in Bezug auf Offiziere der Armee das Bild eines strengen, stets schlecht gelaunten Drill Sergeants vor Augen. Doch als sich der Oberst ausser Dienst nach dem Einpuffen als Erster mit einem freundlichen Lächeln als «Röbi» vorstellte, war das Eis gebrochen. «Die Blicke der Erleichterung, die ich in diesem Moment in den Gesichtern meiner Zimmerkameraden sah, wird mir wohl als lustigster Moment dieser RS in Erinnerung bleiben», schliesst Rekrut Steiger die Anekdote.

 Auch Rekrut Adrian Soltermann schätzt die lockere, korrekte und stets freundliche Art von Robert Lüssi, den er als Vorbild in Erinnerung behalten möchte. Denn: «Ich finde es toll, dass es noch Führungskräfte (oder ehemalige Führungskräfte) gibt, die nicht von einem Sonderstatus profitieren und so den Status quo konstruktiv hinterfragen.». Robert Lüssi seinerseits möchte den Rekruten Folgendes mitgeben: «Macht weiter so, und beachtet den Leitsatz der RS: PA CAPONA!» (nicht aufgeben).

Kein Stillstand

Vieles hat sich in den letzten 40 Jahren verändert. «Die Zeit ist bei den Rekrutenschulen nicht stehen geblieben», stellt Lüssi denn auch fest. Das zeige sich vor allem im umfangreicheren und qualitativ hochwertigeren Material und in der Breite der Allgemeinbildung. Die Digitalisierung führe zu einer zeitgerechten Steuerung bei der Ausbildung und unterstütze die Führung wesentlich, meint Lüssi weiter. Zudem sei auch die Verpflegung auf einem deutlich höheren Niveau. Viele Befehle und Abläufe seien zwar noch die gleichen wie früher, aber sehr strenge Regeln – Zimmerordnung, Ausrichten der Zahnbürsten, mehr Drills –, die gehörten definitiv der Vergangenheit an. Ebenso einige Manipulationen, wie Rekrut Lüssi erfahren musste. So fragte ihn ein verwunderter Wachtmeister laut und bestimmt: «Wie halten Sie das Sturmgewehr, Rekrut Lüssi?», als dieser die Manipulation nach alter Schule vollzog. Um diese Anekdote und zahlreiche weitere Erinnerungen reicher, geht es für Robert Lüssi nun an das Verfassen des Schlussberichtes.