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Volltruppenübung am Flughafen Zürich

Das Glarner Gebirgsinfanteriebataillon 85 hat den Auftrag erhalten, als Unterstützung für die Kantonspolizei den Flughafens Zürich zu schützen. An der Übung «SKILL 18» sind insgesamt zwei von vier Kompanien des Bataillons beteiligt gewesen. Sie soll als Muster für weitere gemeinsame Übungen von Armee und zivilen Behörden dienen.

17.06.2018 | Kommunikation Verteidigung

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Die Soldaten kontrollieren die Ausweise der heranfahrenden Fahrzeuglenker, während einer ihrer Kollegen mit einem Spiegel unter das Fahrzeug schaut.

Flughäfen wie derjenige von Zürich gelten als «kritische Infrastruktur». Sie brauchen einen besonderen Schutz. Die Armee ist Teil des Schutzdispositivs. Um die nötigen Abläufe zu trainieren und das nötige Wissen anzueignen, werden gemeinsame Übungen mit der Flughafenpolizei durchgeführt. Die erste seit Bildung der Territorialdivision 4 ging am 12. Juni über die Bühne, als eine 120 Mann starke Kompanie des Glarner Gebirgsinfanteriebataillons 85 von ihrem WK-Standort in Walenstadt an den Flughafen Zürich geschickt wurde. Der Auftrag: Zusammen mit der Polizei in einem Krisenfall den Schutz der Anlage sicherzustellen. Die Truppe wurde per Helikopter und mit Fahrzeugen nach Kloten gebracht.

Unter anderem bewachte die Kompanie die Zugänge aufs Flughafengelände wie das Tor 130. Die Soldaten waren darum besorgt, dass niemand das Gelände betrat, der das nicht durfte. Sie kontrollierten dafür Fahrzeuge und Fussgänger. Und sie machten ihre Sache gut: Wie die Verantwortlichen ausführten, wurden mehrere verdächtige Personen – in diesem Fall gespielt –  dingfest gemacht und der Polizei übergeben. So berichtete Oberleutnant Philippe Auf der Maur, der mit seinem Zug das Tor 130 zu bewachen hatte, von zwei Personen in einem Auto, die sich mehrfach dem Posten genähert und ihn fotografiert hatten. «Ich zögerte etwas, bis ich sie festnehmen liess. Das nächste Mal müssen wir rascher reagieren.» In einem anderen Fall wollte eine Person in der Nähe des Flughafenperimeters eine Drohne steigen lassen.

Die Armee profitiert, die Partner auch

Der Name der Volltruppenübung «SKILL 18» leite sich von den Kürzeln für «Schutz kritischer Infrastruktur» und für «Lernen und Leisten» her, führte Divisionär Hans-Peter Kellerhals, Kommandant Territorialdivision 4, aus. Die Armee müsse die Zusammenarbeit mit den zivilen Partnern üben: den Kantonspolizeikorps, Zivilschutz, Sanität und Feuerwehr. Das Ziel sei, dass im Notfall alles reibungslos abläuft. «Auch ist es für die Armee wertvoll, eine Übung mit echten Partnern durchzuführen und nicht mit verkleideten Berufsmilitärs», so Kellerhals. Die Reaktionen und damit der Ablauf würden so realitätsnäher. «Es geht darum, dass wir lernen und dass wir besser werden.» Ihm ist noch ein weiterer Aspekt wichtig: Die Übergabe des Auftrags von einer Kompanie zu einer zweiten zwei Tage nach Auslösung des Alarms. «Wir trainieren hier den Ablöseprozess. Das machen wir sonst so gut wie nie.»

Die Aufgabenteilung sei klar, erklärte Ueli Zoelly, Chef der Flughafenpolizei, Oberst im Generalstab und Projektleiter der Übung. Die Armee unterstütze die zivilen Behörden subsidiär und für eine begrenzte Zeit, etwa mit Patrouillentätigkeit, Raumüberwachung und Beobachtung. Sie besitze ausserdem Spezialmittel wie Wärmebildgeräte, welche sie zur Verfügung stelle, und sie könne die Polizei mit dem Aufbau von Checkpoints beim Objektschutz entlasten. Dadurch könne sich die Polizei auf ihre Kernaufgaben konzentrieren: die unmittelbare Gefahrenabwehr, Intervention und Zugriff. Zoelly fügte an, dass die Unterstützung der Armee gerade bei grossflächigen und längeren Ereignissen wie erhöhter Terrorgefahr unumgänglich sei, «denn die Ressourcen der Kantonspolizei sind begrenzt.» Auch die Polizei müsse die Zusammenarbeit regelmässig trainieren. «Wir erfahren so, was die Armee für uns leisten kann und welche Rahmenbedingungen wir schaffen müssen, damit die Zusammenarbeit funktionieren kann.»

Vermehrt und verstärkt üben

Die Kantonspolizei Zürich und die Armee haben beschlossen, dass solche Übungen drei bis vier Mal im Jahr in der Region Flughafen Zürich stattfinden sollen. Die aktuelle Übung soll dafür als Muster für weitere dienen, führte Divisionär Kellerhals aus, auch für andere kritische Infrastrukturen im Raum der Territorialdivision 4. «Was wir hier machen und lernen, können wir woanders auch spiegeln.» Alle vier Infanteriebataillone der Division sollen fortan spezifisch darauf geschult werden, weist die Division doch gegen 80 Anlagen mit erhöhtem Schutzbedarf in ihrem Zuständigkeitsbereich aus. «Ich stelle mir vor, dass wir die Übung langfristig ausbauen könnten, zum Beispiel mit etwas grösseren Truppenteilen oder dem Einbezug des Bataillonsstabes», fügte Zoelly an.

Die Ankunft der Kompanie auf dem Flughafengelände verlief noch nicht optimal, räumte Kellerhals in einer ersten Bilanz ein. Doch er sei überzeugt, dass die Truppe bald vom «Lernen» zu «Leisten» übergehen könne. Insgesamt sei er aber beeindruckt, die Zusammenarbeit klappe hervorragend. Er habe sich den Verlauf der Übung genauso vorgestellt. Die Angehörigen des Bataillons sollen Erfahrungen sammeln, die sie in den späteren WK einsetzen können. «Das ist der Nutzen, den wir haben.»