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Auf Augenhöhe begegnen – Besuch des Gymnasiums Kloster Disentis

Jungen Menschen die Armee und den Militärdienst auf Augenhöhe erklären und Berührungsängste abbauen. Kurz gefasst war dies der Auftrag für elf Offiziers-Aspiranten, vier Frauen und sieben Männer, beim Besuch des Gymnasiums Kloster Disentis am 27. April. Fragen hatten die Schülerinnen und Schüler der vierten und fünften Klassen genug, nicht zuletzt die jungen Frauen.

01.05.2018 | Kommunikation Verteidigung

Pater Urban, Abt Vigeli mit KKdt Baumgartner vor dem Benediktinerkloster Disentis
Pater Urban, Abt Vigeli mit KKdt Baumgartner vor dem Benediktinerkloster Disentis

Nach einer kurzen Begrüssung durch Roman Walker, Rektor des Gymnasiums, richtete der Chef Kommando Ausbildung, Korpskommandant Daniel Baumgartner, ein paar Worte an die Schülerinnen und Schüler. «Sie sind hier an einem Top-Ort und lernen fürs Leben. Ich freue mich, Sie in der Fortsetzung  schon bald als Rekruten in der Armee willkommen heissen zu können.»

Die Rund 60 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums teilten sich sodann in vier Gruppen auf, Frauen und Männer getrennt, das gleiche galt für die Aspiranten. In vier Klassenzimmern erzählten die Uniformierten von ihrem militärischen Alltag und stellten sich den Fragen der Schüler.

In einem der Räume vor 13 Frauen Wachtmeister Natalija Für, 19 Jahre alt. Nach der Matura an einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium suchte sie nach einer sinnvollen Möglichkeit, das Jahr bis zum Beginn ihres Studiums zu überbrücken. Ihre Wahl fiel auf die Rekrutenschule. «Natürlich hatte ich am Anfang etwas Angst, nicht zuletzt, weil ich als einzige Frau bei der Fliegerabwehr eingeteilt worden bin.» Sie habe aber schnell gemerkt, dass Ihre Bedenken unbegründet waren. «Ich habe mich einfach eingeklinkt und kann sagen, dass ich ganz tolle Erfahrungen gemacht habe.» Ihre Kameradin Wm Sabrina Kämpf nickt. Auch sie sei zu Beginn etwas unsicher gewesen, und habe sich Fragen gestellt: «Bin ich sportlich genug, werde ich Anschluss finden, schaffe ich es überhaupt, die Packung zu tragen», erzählt sie den Schülerinnen. Aber auch da: Falscher Alarm. Die Kameradschaft, der soziale Zusammenhalt in der Truppe sei top, so Für und Kämpf einstimmig. Die Schülerinnen hören aufmerksam zu, sind neugierig. Die meisten haben sich noch keine Gedanken gemacht, ob die Armee vielleicht eine Option für sie wäre. Umso interessierter sind sie zu erfahren, wie eventuelle Studienpläne und Berufswünsche mit dem Militärdienst vereinbar sind. 

Wm Kämpf und Wm Für (vlnr) schildern den Maturandinnen ihren militärischen Alltag
Wm Kämpf und Wm Für (vlnr) schildern den Maturandinnen ihren militärischen Alltag

Im Nebenzimmer sind Fourier Johann Virchow, Wm Yisu Li, Wm Thomas Gross und Wm Moritz Junker. Ihr Publikum, 16-jährige Schüler, wirkt eher zurückhaltend. Für sie ist die Rekrutenschule kein Wunschkatalog, sondern eine Pflicht. Wm Li versucht, ihnen das Positive zu schildern: «Freundschaften, die ihr in der Rekrutenschule schliesst, halten ein Leben lang», so der Sprachspezialist. Natürlich habe es Momente gegeben, in denen er keine Lust mehr gehabt habe. Aber der Zusammenhalt und die Kameradschaft sei einzigartig. «Es wird viel geredet über die Armee», so Li weiter. «Glaubt nicht alles, was Ihr hört, sammelt eure eigenen Erfahrungen.»

Wm Gross, Four Virchow, Wm Li und Wm Junker (vlnr) bereiten sich auf den Schüler-Nachmittag vor
Wm Gross, Four Virchow, Wm Li und Wm Junker (vlnr) bereiten sich auf den Schüler-Nachmittag vor

Etwas mit Pferden und Hunden – das sei der Traum vieler junger Frauen, erzählt Wm Andrina Vogt ihren Zuhörerinnen. Wm Vogt hat die Rekrutenschule als Trainsoldatin im Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere im Sand bei Bern absolviert. «Der Alltag ist dann aber doch anstrengender, als sich das viele vorstellen», so Vogt. Das schlimmste und zugleich schönste Erlebnis habe sie letztes Jahr gehabt, als sie mit ihrem Zug die vernachlässigten Pferde eines Bauern in Hefenhofen/TG abholen durfte. Die Tiere seien in sehr schlechtem Zustand gewesen, gleichzeitig habe sie aber grosse Zufriedenheit empfunden, etwa Gutes beitragen zu können. Wm Shania Flury, Spitalsoldatin, hebt insbesondere die Verknüpfung von zivilem Arbeitsleben und Militär hervor. Sie habe in der RS ein vierwöchiges Praktikum in einem Spital absolvieren dürfen, was ihr auch für eine zivile Ausbildung angerechnet würde. Überhaupt finde sie den Alltag im Militär «cool».  «Man hat zwar wenig Zeit für sich, wird auf die Probe gestellt, schminken und lange frisieren liegen nicht drin», erzählt sie. Doch man gewöhne sich an alles. Und ein grosser Vorteil des Militärs, da sind sich die beiden Frauen einig, sei die Kleiderfrage. Jacke, Hose, Kampfstiefel, sie bräuchten am Morgen keine Sekunde zu überlegen, was sie anziehen sollen. Die Schülerinnen lachen, spätestens jetzt ist das Eis gebrochen. Wie sie auf die Idee gekommen seien, eine RS zu absolvieren, will jemand wissen. Und wie muss ich mir den Rekrutierungstag vorstellen, eine Andere. Wie alt muss ich für eine RS sein, kann ich erst mein Studium fertigmachen sind weitere Fragen an diesem Nachmittag.

Zurück in einer der Männergruppen gibt es am Ende auch Rückmeldungen. Einer der Schüler sagt, dass er die Stunde mit den Aspiranten bereichernd fand. Er müsse sich jetzt noch tiefer informieren, welcher Weg in der Armee für ihn der beste sei. Erstaunt zeigten sich die meisten der jungen Männer, wie viele Chancen und Möglichkeiten die Armee bietet. Auch die jungen Uniformierten ziehen eine positive Bilanz. Wm Li hätte sich vor seiner Rekrutierung etwas Ähnliches gewünscht. «Als junger Mensch traut man sich ja nicht so wirklich, jemandem Fragen zum Armeedienst zu stellen. Ansprechpartner auf Augenhöhe, wie wir es heute versucht haben, finde ich eine gute Sache.»

Der Tag wurde mit einer Führung durch das Kloster Disentis abgerundet. Abt Vigeli persönlich führte die Gäste aus der Schweizer Armee durch das Gebäude und erklärte die Hintergründe, liess die Besucherinnen und Besucher in die rund 1400 Jahre alte Geschichte des Klosters tauchen. Nachdem die Of-Aspiranten ins Wochenende entlassen worden waren, nahm KKdt Daniel Baumgartner am Abend am Forum Kloster Disentis teil. Als Fortsetzung des Tagesthemas, der konstruktiven Annäherung von Bildung und Armee.