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Eine Zeitreise durch die Armeegeschichte im Luxushotel

Von seinem Schreibtisch im Berner Hotel Bellevue Palace aus hat er die Schweizer Armee durch den Ersten Weltkrieg geführt: Ulrich Wille. Der General und sein Hauptquartier im Luxushotel waren das Leitmotiv des Armee-Beitrages an die Berner Museumsnacht 2018 vom 16. März.

19.03.2018 | Kommunikation Verteidigung

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Eine Zeitreise in die Geschichte der Schweizer Armee und ihrer Kommunikation: Die Ausstellung im Hotel Bellevue zeigte seltene Exponate wie einen Ballon für Artilleriebeobachter (links). Bilder VBS/DDPS.

Für einen Abend lang sah es im Parterre des Berner Hotels Bellevue aus wie vor rund 100 Jahren. Dies im Rahmen des Beitrages der Schweizer Armee zur Museumsnacht 2018; das Thema: «General Ulrich Wille bezieht Quartier im Bellevue Palace». Erstmals überhaupt in der Geschichte erlebte die Schweizer Armee mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine Generalmobilmachung. Der damalige Oberbefehlshaber der Schweizer Armee, General Ulrich Wille, hatte zwischen 1914 und 1918 das Hauptquartier im Hotel eingerichtet. An der Museumsnacht wurde in einem Raum Willes Arbeitszimmer dargestellt. Das stilisierte Büro des Generals umfasste neben einem Nachdruck des Hodler-Portraits auch Willes Original-Uniform.

Gestern und heute im Vergleich

Militärtambouren in historischen Uniformen begrüssten die Besucher musikalisch am Eingang zum Hotel. Vielerorts standen Komparsen – dargestellt durch passend kostümierte Infanterie-Durchdiener – als Schildwache. Sie trugen dazu bei, dass die Besucherinnen und Besucher in die Zeit des Ersten Weltkrieges versetzt wurden.

Die Exponate und Bilder der Ausstellung lebten von den Unterschieden der technischen Mittel von gestern und heute, eingerichtet in zwei gegenüberliegenden Räumen. Das Gegenstück zum alten Beobachtungsballon mit angehängtem Telefon im Salon du Palais war die moderne Drohne ADS 15, die als Modell in der Münz Lounge gezeigt wurde. Modernen Chiffriergeräten wurde ein Codebuch gegenüber gestellt. Und nach einem Führungsraum von anno dazumal konnten sich die Besucher ein Lageverfolgungszentrum von heute anschauen. Sie erhielten auch die Möglichkeit, einmal selbst den Finger an einen Morsetaster zu legen und eine kurze Botschaft zu telegrafieren, welche dann auf einem Bildschirm zu sehen war. Und während Richtfunk und digitale Kommunikationsmöglichkeiten heute für die Führungsarbeit unentbehrlich sind, schworen die Soldaten von damals auf die gute alte – und gerade im Kampfgetümmel überaus sichere – Brieftaubenpost.

Wille von mehreren Seiten beleuchtet

Ein wesentliches Element der Ausstellung war der Vortrag des Militärhistorikers Prof. Dr. Rudolf Jaun im Salon Rouge. Er ging in seinen Ausführungen insbesondere auf Willes Bedeutung für die Entwicklung der Milizarmee ein. Dieser wollte aus einer Armee von Milizionären eine schlagkräftige Streitmacht formen. Er setzte auf Ausbildung, vor allem der Offiziere, und einen «neuen Geist» – der zum Unverständnis vieler Schweizer von preussischem Drill geprägt war. Jaun sprach an, dass die Wahl von Wille für sein Hauptquartier deshalb auf das Bellevue fiel, weil es gleich neben dem Bundeshaus Ost stand – und damit gleich neben den Sitzen der Departementsführung und des Generalstabs. «Und was speziell und verwunderlich war: Das Hotel blieb während der ganzen Zeit, als Willes Hauptquartier hier eingerichtet war, offen.» Das hiess, so Jaun weiter: Touristen, Spione, Diplomaten, Politiker und Nachrichtendienste gingen neben Willes Hauptquartier ein und aus. Feinde wohnten unter einem «neutralen» Dach Tür an Tür – aus heutiger Sicht undenkbar.

Eine einzigartige Ausstellung

Nach einer Führung durch die Ausstellung zeigte sich der Chef der Armee, Korpskommandant Philippe Rebord, beeindruckt über das Interesse der Besucherinnen und Besucher, insbesondere am historischen Teil der Ausstellung. Das sei allerdings auch verständlich, sei dieser historische Teil doch nur für diesen Abend geschaffen worden und somit einzigartig. Auch, dass die Armee damals ihr Hauptquartier in einem Luxushotel eingerichtet hatte, sei heute nicht mehr vorstellbar. «Dafür haben wir heute unterirdische Führungsanlagen.» Rebord zog ein positives Fazit: «Es hat mir sehr gefallen.»

 

Museumsnacht Bern

40 Institutionen nahmen an der Museumsnacht in Bern 2018 vom 16. März teil, neben verschiedenen Museen und Bibliotheken auch das städtische Tiefbauamt, das Bundeshaus und die Heiliggeist-Kirche. Rund 114‘000 Besucher und Besucherinnen wurden gezählt, davon besuchten rund 6000 Personen die Ausstellung im Hotel Bellevue. 300 Programmpunkte brachten den Besuchern der Museumsnacht zwischen 18 und 2 Uhr morgens verschiedenste Themen nahe. Der Anlass ging zum 16. Mal über die Bühne und wurde wie gewohnt vom Verein Museen Bern organisiert.