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Das Herzstück der Rettungsorganisationen

Das Weltwirtschaftsforum in Davos stellt die notfallmedizinische Versorgung auf die Probe. Damit die Betreuung von Patienten sichergestellt ist, braucht es Profis. Sie koordinieren im sogenannten Blue Center sämtliche Notfälle. CUMINAIVEL mit einem exklusiven Einblick in das medizinische Zentrum.

30.05.2022 | CUMINAIVEL | sa


Lange Wartezeiten und stockender Verkehr – wer während des Weltwirtschaftsforums (WEF) mit dem Auto in Davos unterwegs ist, braucht oft viel Geduld. Es dauert nicht selten eine Stunde vom einen zum anderen Dorfende. Diese Zeit können sich die Rettungssanitäter nicht leisten. Denn bei einem Notfall entscheiden oft wenige Minuten über Leben und Tod. Doch nicht nur der viele Verkehr, auch die hohe Anzahl an WEF-Teilnehmenden stellt für die notfallmedizinische Versorgung eine grosse Herausforderung dar. Unter diesen Umständen ist es notwendig, einen funktionierenden medizinischen Dreh- und Angelpunkt zu haben. Blue Center heisst diese Schnittstelle mit Standort in Davos und ist von kleineren Zwischenfällen bis zu Grosseinsätzen während des WEF zuständig.

Um allfällige Ernstfälle bewältigen zu können, basiert das Sanitätskonzept des WEF auf zwei Grundpfeilern: (1) Blue Center, (2) Sanitätshilfsstellen (San Hist). Im Blue Center laufen alle Informationen über den Sanitätsdienst zusammen. «Nebst der Beurteilung der sanitätsdienstlichen Lage als auch der Eventualplanung wird hier hauptsächlich disponiert», erklärt Patrick Brunold, Leiter des Blue Centers.

«Ziel unseres Auftrags ist, dass wir auch ein ausserordentliches Ereignis bewältigen können», betont Jörg Helge Junge. Er ist Leitender Notarzt am WEF. Insbesondere der Austausch mit der Kantonspolizei Graubünden sei essentiell um zu beurteilen, ob die Lage im Kanton noch verantwortet werden kann oder ausserkantonal gelöst werden muss. «In einer normalen Lage können wir drei Schwerverletzte gleichzeitig behandeln; ab vier schwerverletzten Personen wird es bereits schwierig», so Chefarzt Junge. Dank der dezentralen Aufstellung von mehreren Stützpunkten im Raum Davos ist die Nothilfe aber während der gesamten Dauer des WEF sichergestellt. «Wir erreichen die Standorte in 100 Prozent aller Fälle in sechs Minuten», sagt Junge erfreut. «Darauf sind wir stolz.»

Fachapplikationen für effiziente Planung

Damit Abläufe und allfällige Notfälle im Blue Center entsprechend abgewickelt werden können, werden bewährte Systeme aus dem zivilen Einsatz eingesetzt. «Wir verwenden hier Fachapplikationen um beispielsweise Fahrzeuge zu tracken», so Brunold. Vor allem das Informations- und Einsatzsystem (IES) spielt bei der medizinischen Führungs- und Einsatzorganisation eine wesentliche Rolle. Die Software sammelt Informationen und bietet eine Übersicht aller Gesundheitseinrichtungen. Durch zwei tägliche Anfragen an die umliegenden Spitäler kennt das Blue Center durchgehend die vorhandene Anzahl an Betten, die Notaufnahmekapazitäten, die Ansprechpersonen und die Personalressourcen.


Enge Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee

Insbesondere bei der Zusammenarbeit mit der Armee hätten in den vergangenen Jahren neue Erkenntnisse gewonnen werden können, sagt Jörg Helge Junge. Eine Erkenntnis sei die Sichtbarkeit. Aus diesem Grund wurde in diesem Jahr das Tragen von Leuchtwesten eingeführt. Sie weisen die Funktion der jeweiligen Soldaten klar aus, die im Ernstfall medizinische Hilfe leisten können. «Das ist wichtig. Denn für viele zivile Personen sagt die militärische Funktionsbezeichnung nichts aus. Im Falle einer Panik müssen die zuständigen Personen aber klar erkennbar sein.» 

Die Nachfolge von Jörg Helge Junge übernimmt Nils Thöni. Er ist Leitender Arzt im Kantonsspital Graubünden in Chur und betont: «Für uns im Blue Center ist es wichtig, dass die Sanitätssoldaten, die uns unterstützen, ihr Handwerk verstehen. Als medizinische Fachkräfte müssen sie Know-how und Skills mitbringen.» Dass diese Zusammenarbeit zwischen militärischen und zivilen Partnern bereits sehr gut funktioniert, zeige sich am Engagement und im Interesse der beteiligten Personen: «Die zivilen Fachkräfte haben ein unglaubliches Interesse, den Sanitätssoldaten wichtige Arbeitsschritte beizubringen. Umgekehrt sind die Soldaten genauso motiviert, Neues zu lernen.»


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