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Sicherheit mit Biss

Armeeangehörige mit vier Beinen sorgen unter anderem für die Sicherheit am WEF. Sie schützen Menschen und Objekte. Doch bevor sie in den Einsatz dürfen, müssen Hundeführer und Hunde eine Prüfung bestehen. CUMINAIVEL war dabei.

24.05.2022 | CUMINAIVEL | sf


Angespannt gehen Leutnant Steger und sein Binom den staubigen Kiesweg entlang. Sie tragen eine schwere Splitterschutzweste, die Sonne brennt schonungslos herunter, den beiden Männern rinnt der Schweiss. Dann: Der Belgische Schäferhund zerrt an Stegers Leine, die Ohren aufgerichtet, jeder Muskel angespannt. Unruhig zieht sein Gefolge auf das Dickicht am Wegrand zu. Plötzlich beginnt der Hund laut zu bellen, Steger kann ihn nur mit Mühe zurückhalten. «Halt, Schweizer Militär!», schreit jemand. Schon kurze Zeit später liegt der Eindringling bäuchlings im Staub, die Hände geschlossen auf dem Rücken während der Schutzhund ihn bedrohlich anknurrt.

Der Prüfungsrichter ist zufrieden. Es war der zweite Posten von insgesamt fünf. Die Prüfung wird offiziell «Einsatzzertifizierung» genannt. Dabei müssen die Hundeführer beweisen, was sie und ihre Tiere können. Die Prüfung bildet den Abschluss der einsatzbezogenen Ausbildung (EBA Hund).


Ein eingespieltes Team

Die wohl wichtigste Eigenschaft eines Schutzhundes ist, dass er gelingend mit seinem Hundeführer zusammenarbeitet, sprich sich unterordnen lässt. Geprüft wird unter anderem die sogenannte Schussgleichgültigkeit. Gfr Krattinger zeigt, was das heisst: Er befiehlt seinem Malinois Platz zu nehmen, geht dann vier Schritte vor, setzt seinen Pamir auf und feuert drei Schuss mit der Pistole ab. Sein Hund mit Namen Idefix bleibt cool. Er sieht aufmerksam zu, bewegt sich aber nicht. Die lauten Knalle lässt er sich nicht anmerken. Die nächste Vorführung: Auf ein Zeichen Krattingers rennt Idefix in die angezeigte Richtung. Dann ein Pfiff mit der Trillerpfeife und Idefix kehrt postwendend um, Vollgas zurück, stante pede quasi.

Es ist eine klare Sache: Gfr Krattinger und sein Idefix sind ein eingespieltes Team. Vor fünf Jahren hat Krattinger die RS absolviert und seinen Armeehund in der sechsten Woche übernommen. Die beiden Charaktere harmonieren: «In der RS wird ein Profil von Hund und Hundeführer erstellt: Idefix ist ein eher nervöser, ich eher ein ruhiger Typ. Deshalb harmoniert das sehr gut», meint der 25-jährige Freiburger. Die Hunde gehören den Hundeführern nicht nur während des Militärdienstes, sondern auch im zivilen Leben. Sie sind also ständig zusammen. Dazu meint Oblt Rentsch, Kommandant der Hundeführerkompanie: «In erster Linie ist mein Hund ein Familienhund. Er ist liebenswürdig und freundlich. Für ihn sind Übungen und Einsätze eigentlich nur ein grosses Spiel.»


Lange Ausbildung, stetes Training

Das neue Ausbildungsprogramm der Armee sieht vor, dass die Welpen im Alter von acht Wochen in die Hände von Profis übergeben werden. Dann beginnt die jahrelange Ausbildung. Zwischen zwanzig bis vierzig Armeehunde werden jährlich neu ausgebildet. Eingesetzt werden sie etwa bei Zutrittskontrollen und unberechtigten Eindringlingen. In solchen Fällen kennt Idefix kein Pardon. Als der Figurant im Schutzanzug die Zutrittskontrolle durchbrechen will, geht es plötzlich blitzschnell: Gfr Krattinger gibt ein Kommando, Idefix rennt los, beisst dem Figurant in das Bein, ringt ihn zu Boden und lässt erst wieder los, als ihm Krattinger «aus!» befiehlt und zwei Waffen auf den Eindringling gerichtet sind. Oblt Rentsch ist zufrieden: «In solchen Prüfungssituationen kommt es fast immer zum Biss. Das Duo hat das gut gemacht».

Auch die letzten beiden Übungen, bei denen Idefix sein beeindruckendes Hör- und Riechvermögen unter Beweis stellt und Eindringlinge draussen und drinnen aufspürt, verlaufen optimal. Die Prüfung ist streng und zerrt. Die Zunge des Malinois’ wird wegen der drückenden Hitze länger und länger. Gfr Krattinger ist nach der bestandenen Prüfung erleichtert: «Es freut mich, dass sich das regelmässige Training ausbezahlt hat.» Nun sind die beiden bereit für ihren Sicherheitsdienst am WEF.


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