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«Für mich ist es ein Miteinander und kein Gegeneinander»

Die Unterbringung tausender Angehöriger der Armee (AdA) während des Assistenzdienstes WEF ist jedes Jahr eine Herausforderung aufs Neue. Stephan Rottensteiner ist Ortsquartiermeister (Orts Qm) und Platzwart einer Ausbildungs- und Unterkunftsanlage im Raum Domleschg. Im Interview mit Cuminaivel gibt er einen Einblick in seine Arbeit.

16.05.2022 | CUMINAIVEL | sa


Als ziviler Orts Qm sind Sie für eine Anlage zuständig, in welcher einerseits das Militär untergebracht ist, andererseits Ausbildungen im Bereich der Feuerwehr stattfinden. Sagen Sie uns, wie beschreiben Sie Ihren Job?

Stephan Rottensteiner: Als Ortsquartiermeister bin ich das Verbindungsglied zwischen der Gemeinde und dem Militär. Zudem bin ich der zuständige Platzwart des Areals und für den technischen Unterhalt der Anlage zuständig. Und sobald die militärischen Truppen einrücken, werde ich quasi zum «Hotelier». Einmal am Tag schaue ich vorbei und stehe Red und Antwort bei Fragen, Anliegen und Wünschen. Meine Philosophie ist: Es ist ein Miteinander und kein Gegeneinander.

Auf dem gleichen Gelände, wo jetzt die militärischen Truppen untergebracht sind, üben die Feuerwehren des Kantons Graubünden. Wie funktioniert dieser Parallelbetrieb?

Wir haben immer zu Jahresbeginn einen Belegungsrapport mit der Armee, der Gebäudeversicherung Graubünden (GVG) sowie der politischen Gemeinde. Bei diesem Rapport planen wir die Termine für das ganze Jahr. Im Schnitt sind etwa 90 Tage für Feuerwehrausbildungen reserviert. Wenn sich zugleich das Militär auf Platz befindet, wird es eng. Dann müssen sich beide Parteien das Gelände teilen. Für die Feuerwehren heisst das, dass der Ausbildungsplatz nur beschränkt genutzt werden kann. Das ist zwar ein Nachteil, in der Regel funktioniert das Miteinander von Militär und Feuerwehr aber sehr gut.

Auf dem angesprochenen Gelände hat zudem die lokale Gemeindefeuerwehr ihr Depot. Gibt es hier Einschränkungen wegen des Militärs?

Nein. Die lokale Gemeindefeuerwehr wird durch die Truppenpräsenz des Militärs in ihrer Aufgabe nicht eingeschränkt. Bei einem Einsatz sind die Wege für die Feuerwehr offen. Sie rückt dann vom hinteren Teil des Areals aus und behindert dadurch den Militärbetrieb keinesfalls.

Es es schon einmal in den letzten Jahren vorgekommen, dass die Feuerwehr wegen des Militär ausrücken musste?

Nein, zum Glück nicht. Die Armeeangehörigen verhalten sich anständig und korrekt. Sollte es tatsächlich einmal zu einem Zwischenfall kommen, dann sind die Feuerwehrleute jedenfalls schnell vor Ort (lacht).


Und vor welchen Herausforderungen stehen Sie als Orts Qm?

Die Brandmeldeanlage macht sich manchmal selbständig. Das ist übrigens ein Problem, dass nicht nur hier vorkommt. Brandmeldeanlagen sind bekannt dafür, dass sie manchmal einen Alarm auslösen, obwohl es gar keinen Grund dafür gibt. In diesem Fall erhalte ich einen Alarm, gehe zur Anlage und kläre die Situation.

Neben dem Problem mit der Brandmeldeanlage ist es auch schon vorgekommen, dass sich die Nachbarn telefonisch wegen Lärm beschwert haben. Leider ist es nicht ganz zu verhindern, dass in einem Ausbildungszentrum für Feuerwehren der Lärmpegel manchmal etwas höher ist. Auch wenn die Armee hier ist, ist absolute Stille logischerweise gar nicht möglich. Feuerwehr und Armee sind für unsere Sicherheit immer im Dienst, also auch in der Nacht. Das gilt es zu wertschätzen.

Können Synergien genutzt und auch gemeinsame Übungen oder Ausbildungen durchgeführt werden?

Ja, das gab es auch schon. Die Feuerwehr zeigte den Armeeangehörigen beispielsweise den Umgang mit Kleinlöschgeräten. Auch nutzt das Militär, wie jetzt während des WEF, immer wieder die vorhandene Infrastruktur und die dazugehörenden Anlagen hier im Feuerwehrausbildungszentrum. Es macht Freude zu sehen, dass beide Organisationen zusammenarbeiten und Wissen und Können austauschen.

Und wie reagieren die Feuerwehrleute auf die militärischen Nachbarn?

Für die Angehörigen der Feuerwehr ist die zeitgleiche Präsenz des Militärs kein Hindernis, im Gegenteil. Der Umgang miteinander ist stets zuvorkommend und freundlich. Auch die politische Gemeinde, auf deren Gebiet das Feuerwehrausbildungszentrum steht, ist armeefreundlich eingestellt. Zudem generiert die Vermietung der Anlage finanzielles Einkommen. Das ist durchaus wichtig, da ein ungenutztes Areal nur Kosten verursachen würde.

In wenigen Tagen beginnt das WEF in Davos. Gibt es diesbezüglich bestimmte Regelungen und Richtlinien, die hier auf dem Areal einzuhalten sind?

Das WEF ist sicher anders als normale Wiederholungskurse. Bei diesem subsidiären Einsatz ist die Armee 24/7 in Betrieb und der Wachtdienst ist scharf. Abgesehen von mir und meiner Stellvertretung ist es zivilen Personen nicht gestattet, den militärischen Teil des Areals zu betreten. Ich habe also ein kleines Privileg und das macht mich durchaus ein wenig stolz.


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