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Ein Bataillon der ersten Stunde – das Geb Inf Bat 91 und seine Geschichte

Das Jahr 1874 kann als das Geburtsjahr der modernen Schweizer Armeeorganisation betrachtet werden. Als diese gegründet wurde, stand auch das damalige Infanteriebataillon 91 (Inf Bat 91) schon in den Startlöchern. Mit einer Umstrukturierung mit Namenswechseln, drei Kriegen, einer Auflösung und einer Reaktivierung kann das Gebirgsinfanteriebataillon 91 (Geb Inf Bat 91) auf eine lange Geschichte mit vielen Errungenschaften und Erfolgen zurückblicken.

25.06.2021 | Stabsadj Bangerter Manuel

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© VBS/DDPS

Bereits vor der Militärorganisation von 1874 musste der Kanton Graubünden - wie die übrigen Kantone - Kontingenttruppen für das Bundesheer stellen. Es handelte sich bei den gestellten Truppen unter anderem um drei Inf Bat, die aber mit keiner heutzutage üblichen Nummer versehen waren. Bei der Umstrukturierung erhielten die Infanteriebataillone im Dezember 1874 ihre Nummerierung und eines von ihnen konnte sich fortan Inf Bat 91 nennen.

Bis zum Namenszusatz «Gebirge/Geb» vergingen aber noch einige Jahre. Denn erst im Jahr 1911 entstanden mit der Truppenordnung 11, welche die Organisation der Armee festhält, Einheiten, die speziell für den Einsatz im Gebirge organisiert, ausgerüstet und geschult werden. Im Rahmen dieser Organisation erfuhr das Inf Bat 91 eine Umwidmung und wurde zum Geb Inf Bat 91. Eingeteilt war das Bataillon zu diesem Zeitpunkt innerhalb der Gebirgsinfanteriebrigade 18 im Gebirgsinfanterieregiment 36.

Feuerprobe im Ersten Weltkrieg

Den gegenwärtigen Badge der 91er ziert ein Steinbockgeweih, welches als Symbol für die Verbundenheit zum Kanton Graubünden betrachtet werden kann. Zusammen mit seinem Göttikanton war das Geb Inf Bat 91 im Ersten und auch im Zweiten Weltkrieg ein wichtiger Teil der damaligen Grenzschutz- und Aktiveinsätze. Das Bataillon war zu dieser Zeit nämlich in Graubünden stationiert.

Der kurz nach Inkrafttreten der ersten Truppenordnung ausgebrochene Erste Weltkrieg war die erste Bewährungsprobe für das Geb Inf Bat 91. Während des Krieges (1914-1918) leisteten sowohl die St. Galler, als auch Glarner und Bündner im Münstertal und im Engadin einen souveränen Grenzschutzdienst. Unter ihnen waren neben dem Gebirgsinfanteriebataillon 91 auch die Geb Inf Bat 92 und 93. Die Gebirgsinfanteriebrigade 18 wurde einige Jahre später, im Jahr 1938 in Gebirgsbrigade 12 umbenannt.

Auch während des Zweiten Weltkrieges hatte das Geb Inf Bat 91 seinen Einsatz. Vom Sommer des Jahres 1940 bis in den Herbst des Jahres 1944 wurden die Alpen intensiv befestigt und die Truppen systematisch auf den Gebirgskrieg vorbereitet. Diese Strategie trug viel zur Abschreckung potenzieller Angreifer bei. Wiederum bewährte sich das Gebirgsinfanteriebataillon 91 in Zeiten höchster Not und trotzte den Gefahren, welche die Schweiz bedrohten.

Inmitten des Kalten Krieges (1947-1991) wurde mit der Truppenordnung des Jahres 1961 das Gebirgsarmeekorps 3 (Geb AK 3) geschaffen und die Gebirgsbrigade 12 zur Gebirgsdivision 12 aufgewertet. Innerhalb der Gebirgsdivision 12 war das Geb Inf Bat 91 dem Gebirgsinfanterieregiment 36 unterstellt.

Mit der Armee 95 wurde nach dem Ende des Kalten Kriegs der Mannschaftsbestand verkleinert und die Aufgaben der Armee neu definiert. Das Geb AK 3 büsste ungefähr einen Drittel seines Bestandes ein, hauptsächlich durch die Auflösung der sechs Grenz- und Réduitbrigaden.

Das Geb Inf Bat 91 blieb jedoch weiterhin bestehen. 1999 wurde das ganze Gebirgsinfanterieregiment 36 zum Botschafts-Bewachungsdienst in Bern eingesetzt.

Auflösung und Rückkehr

Als im Jahr 2003 die Gebirgsdivision 12 aufgelöst wurde, ist das Geb Inf Bat 91 vorerst noch als Reserveverbund aufgeführt worden, bevor es im Jahr 2010 aufgelöst worden ist. Im Jahr 2018 wurde die Weiterentwicklung der Armee (WEA) in Kraft gesetzt. Folglich wurde damit das Geb Inf Bat wie es heute bekannt ist reaktiviert, wobei es gegenwärtig hauptsächlich aus dem mittlerweile deaktivierten Geb Inf Bat 77 besteht. 

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