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Einzigartig einsam

Kurz nach 16 Uhr wird es auf einen Schlag still auf dem Gipfel rund 2300 Meter über Meer. Der Sessellift wurde abgestellt, die letzten Skifahrer haben sich auf den Weg ins Tal gemacht. Oben geblieben sind nur eine Handvoll Wettersoldaten mit ihren Gerätschaften und ein paar privaten Habseligkeiten. Ab jetzt sind sie wieder stundenlang komplett auf sich allein gestellt.

21.01.2020 | CUMINAIVEL | ac

Einzigartig einsam

«Das geht an die Substanz»

Es ist ein Dienst voller Kontraste, den die Wettersoldaten während des WEF auf dem Berg absolvieren. Ihr Arbeitsort bietet ihnen eine atemberaubende Aussicht auf das Alpenpanorama und doch ist ihr Bewegungsradius bloss auf ein paar Quadratmeter eingeschränkt. Sie sind für das riesige Wirtschaftsmeeting im Einsatz, bei dem der Trubel manchmal Überhand nehmen kann, doch selber sitzen sie in totaler Einsamkeit fernab des Rampenlichts. Diese Isolation und der ständige 24-Stunden-Betrieb ist für die ganze Truppe ungewohnt, erklärt Wachtmeister Andreas Erb. Der Zürcher sagt denn auch: «Der Einsatz geht an die Substanz.»

Den Sternenhimmel geniessen

Die Schichten des kleinen Teams überlappen sich jeweils für einen kurzen Zeitraum. Ein bewusster Entscheid: «So sieht man sich wenigstens ein paar Mal am Tag», sagt Erb. Manchmal wird dann noch ein Jass geklopft. Und besonders in der Nacht können dann auch die diszipliniertesten Wettersoldaten nicht immer dem Ausblick vom Berggipfel widerstehen. «Dann setzt man sich auch mal kurz draussen hin und geniesst einfach mal den Sternenhimmel und die Ruhe.»

Wenn existenzielle Fragen kommen

Stille und Einsamkeit – beides keine Merkmale, die im heutigen Alltag noch sehr viel Platz finden. Für die Wettersoldaten könne der Einsatz in der Abgeschiedenheit zur echten Herausforderung werden, erklärt Hauptmann Fabio Theus, der auch als Seelsorger der Schweizer Armee ausgebildet wurde. «In einem von Beruf und Arbeit geprägten Alltag gibt es unzählige Gelegenheiten, die uns davon abhalten, das eigene Leben intensiv zu hinterfragen oder uns mit unangenehmen Themen zu beschäftigen. Wird man jedoch aus dem Trott des Alltages herausgerissen und bleibt plötzlich viel Zeit für Überlegungen, kann es schnell um ganz existenzielle Fragen des Lebens gehen.» In solchen Fällen rät Theus: «Gemeinsame Gespräche helfen, dass die Gedanken nicht zu sehr in das Negative abdriften. Denn auch in einer scheinbar oder tatsächlich angekommenen Einsamkeit gilt es, soziale Beziehungen zu pflegen. Sie sind das, was uns ausmacht und uns Menschen zusammenhält.»

Mit den ersten Sonnenstrahlen über den Gipfeln am frühen Morgen rattert schliesslich auch der Sessellift am Berg wieder los. Jetzt dürfen die Wettersoldaten ihre unvergleichliche Aussicht wieder für einige Stunden mit den Wintersportlern teilen – bis am Abend wieder die absolute Stille und die Einsamkeit zurückkehren.