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So kommt das Fresspäckli zu dir

Auch am WEF können alle AdA Briefe und Pakete empfangen. Bis die Feldpost am richtigen Ort ankommt, macht sie eine lange Reise durch. Ein Tag im Leben eines Fresspäcklis.

20.01.2020 | CUMINAIVEL | sf

So kommt das Fresspäckli zu dir

 

Ein Pack Gummibärchen, eine Handvoll Schokoriegel, ein Sixpack Energydrinks, drei Tüten Chips, dazu ein Kärtchen, signiert mit dem Lippenstift-Kussmund der Liebsten. All das nehme ich in mir auf, schirme es ab von allen Widrigkeiten, seien es die Kapriolen der garstigen alpinen Witterung oder die groben Hände missgelaunter Spediteure, und schütze es mit vollem Körpereinsatz – als kartongewordene Leibgarde der mir anvertrauten Köstlichkeiten gewissermassen.

Bedruckt mit dem magischen Wort «Feldpost», das mich von den Reisekosten befreit, verlasse ich Sursee, lasse Verteilzentrum und Distributionsbasis der Post hinter mir und lande bald in Mels, wo mich in aller Herrgottsfrühe, um genau 0645 Uhr, Korporal Daniel Dzoic in seinen grünen Sprinter lädt. Beim Feldpöstler des Geb Inf Bat 29 bin ich in guten Händen, schliesslich ist das bereits sein siebter WK.

Es sind nicht viele Mitreisende an Bord, wie immer zu Beginn des Dienstes. Neben einem weiteren Päckli, womöglich mit vergessen gegangenen Medikamenten, Kontaktlinsen oder Unterhosen, sind es vor allem Briefe für die militärische Korrespondenz. Seit dem Siegeszug von Whatsapp, Insta, Tinder und Konsorten sind handgeschriebene Liebesbekundungen nicht mehr en vogue. Der Reihe nach fahren wir nun die Standorte aller Kompanien und des Stabs ab – und weil das WEF ein besonderer Einsatz ist, auch jenen der Territorialdivision. Ich habe Glück, dass ich schon vorige Woche abgeschickt wurde: Ein paar Tage später wäre ich durchleuchtet worden. Während des Wirtschaftsforums wird nämlich jedes Paket, das in die kritische Zone geschickt wird, geröntgt, um sicherzustellen, dass statt einer Rolle Smarties nicht eine Stange Dynamit den Weg nach Davos findet.

Rund 6 Stunden, 250 Kilometer und unzählige Tracks von A Tribe Called Quest, Wu-Tang Clan und Mobb Deep später erreichen wir meinen Bestimmungsort. Und ich habe gleich doppeltes Glück: Kaum hat Korporal Dzoic die Wagentür geöffnet und den Rest der Reisegruppe in Reih und Glied angeordnet, läuft ihm ein Offizier über den Weg – mein Empfänger! Kein Umweg über die Postordonnanz, kein langes Schmoren auf dem KP, nein, der Feldpöstler übergibt mich meinem Besitzer höchstpersönlich. Welch seltene Ehre!

Nur gerade einen Tag dauerte meine Reise, die handverlesenen Fressalien sind noch immer in tadellosem Zustand. Nicht zuletzt dank meiner harten Schale aus Karton.