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«Dank der Schweizer Armee habe ich in Albanien nicht gezittert»

Zerstörung, Panik, Gefahr: Eine Katastrophe. Das fand Major Fabien Valterio in Albanien nach dem Erdbeben vor, welches das Land Ende November heimgesucht hatte. Als Experte des Rettungsbataillons 3 nahm der Berufsoffizier an der humanitären Mission der Schweizer Rettungskette teil. Und die in der Armee gesammelte Erfahrung erwies sich als entscheidend.

17.01.2020 | CUMINAIVEL | ms/fe

Erdbeben

 

Alles geht sehr schnell. Es bleibt nicht viel Zeit. Bei einer Katastrophe im Ausland muss die Schweizer Rettungskette innerhalb von 8 bis 12 Stunden abfahrbereit sein. Fabien Valterio, Major des Rettungsbataillons 3, weiss das sehr gut. Der Berufsoffizier antwortete vor etwas mehr als einem Monat mit „anwesend“ auf den Ruf der „Rettung Schweiz“. Das SOS kam aus Albanien, das von einem schrecklichen Erdbeben getroffen wurde. «Um 09.30 Uhr erhielt ich einen Anruf von meinem Kommandanten, der wissen wollte, ob ich für die Abreise in den Balkan verfügbar sei. Die Antwort war ja und so wurde um 12.30 Uhr der offizielle Alarm durch das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten ausgelöst.» Mit welchen Gefühlen hat Fabien Valterio die Reise angetreten? Mit Angst? Aufregung? Auf diese Frage antwortet er: «Für mich war es der erste Einsatz dieser Art. Ich hatte keine Angst.» Was ihn aber ein wenig beunruhigt habe, seien die ausgebliebenen Informationen von albanischer Seite. «Wir kannten den Zustand der Infrastruktur vor Ort nach dem Erdbeben nicht», sagt der Major.

Nachdem die insgesamt 15 Mitglieder der Schweizer Rettungskette kurz nach Mitternacht in der albanischen Hauptstadt Tirana angekommen waren, konnten sie erste Informationen einholen. Der Schlaf war kurz. Schon um 07.00 Uhr stand ein weiteres Briefing an. Anschliessend ging es in das Katastrophengebiet, um die Auswirkungen des Bebens zu sehen. «Ein echtes Krisengebiet mit vielen zerstörten Häusern. Ich habe die Sicherheit der Gebäude und Infrastrukturen bewertet. Zudem haben wir mit den Obdachlosen gesprochen, um ihnen helfen zu können.» Die Situation habe sich durch einige Nachbeben erschwert. Dies habe unter anderem Folgen für das Krankenhaus gehabt, ergänzt Fabien Valterio.

Ich bin ohne besondere Befürchtungen gegangen


Für Major Fabien Valterio wurden die Aufträge ab dem dritten Tag noch intensiver. «Ich wurde einem Team albanischer Ingenieure zugeteilt, mit denen wir ein Haus nach dem anderen durchsuchten. Wir beurteilten bei jedem einzelnen Gebäude, ob es wieder bezogen werden kann oder ob Sanierungen erforderlich sind.» Um die Sicherheit der albanischen Ingenieure zu gewährleisten, sei er immer zuerst in das Gebäude hineingetreten, so der Major. Dabei sei er ein gewisses Risiko eingegangen.

Ursprünglich war angedacht, dass Fabien Valterio sieben Tage in Albanien bleibt. Schlussendlich blieb er aber für insgesamt zehn Tage in dem Land. 

Bei seiner Arbeit in der Katastrophenregion in Albanien konnte Fabien Valterio seine gelernten Fähigkeiten aus der Schweizer Armee anwenden. «Das Know How, welches ich mir im Rettungsbataillon 3 angeeignet habe, konnte ich in Albanien gelingend einsetzen,» sagt er. Auf die Frage, was ihm besonders geholfen hat, antwortet der Major: «Die Fähigkeit zur Reflexion. Auch das habe ich in der Armee gelernt.» Weiter sagt er: «Mehr als nur einmal sassen wir in der Klemme. Hier war die militärische Erfahrung ebenfalls nützlich. Wir beurteilten die Lage und suchten dann nach Lösungen.» Fabien Valterio denkt dabei an den Widerstand, der für eine lange und ermüdende Mission unerlässlich sei. «Die Armee lehrt einen auch, widerstandsfähig zu sein.»

Umgekehrt kann der Major die in Albanien gesammelten Erfahrungen in die Schweiz zurück mitnehmen und der Armee zur Verfügung stellen. «Ich hatte es in Albanien mit einer konkreten Katastrophe zu tun, mit grossen Problemen und Gefahren. Das dort erworbene Wissen können wir nun auch bei den Übungen im Rettungsbataillon 3 anwenden», sagt der Major.