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Der SDO mit Draht zu allen

Im Air Operation Center laufen die Fäden beim Pikettoffizier der Schweizer Luftwaffe zusammen. Ein Schichtbesuch bei Oberst i Gst Hans-Peter Erni.

16.01.2020 | CUMINAIVEL | mm

Der SDO mit Draht zu allen

 

Auch das kommt vor: Plötzlich ist die Leitung tot. Oberst im Generalstab Hans-Peter Erni wollte im Air Operation Center (AOC) von Generalstabsoffizier Markus Thöni gerade das «Steuer» übernehmen. Als Pikettoffizier der Schweizer Luftwaffe und als Senior Duty Officer (SDO) liegt eine 16-stündige Schicht vor ihm. Bei ihm laufen während dieser Zeit sämtliche Fäden der Schweizer Militärluftfahrt zusammen. Einsätze, Transporte, Bewegungen – und vor allem der Draht nach aussen zu Partnern wie beispielsweise der Schweizerischen Rettungsflugwacht, Polizeikorps, zivile Behörden und selbstverständlich auch zu den Operationszentralen der Luftwaffen der Nachbarländer. Jetzt aber ist diese äusserst wichtige Leitung unterbrochen und der erste Anruf in Ernis Schicht geht an den Störungsdienst der Swisscom.

Das Problem ist in nützlicher Frist behoben, zeigt aber: Auch im AOC der Schweizer Luftwaffe ist die Verbindung nach draussen das Wichtigste. Während des Weltwirtschaftsforums umso mehr. «Der Flugplatz Dübendorf und mit ihm das AOC ist dann in einem Zustand erhöhter Bereitschaft und zünftig erhöhter Sicherheit», sagt Hans-Peter Erni. Dübendorf wird während des Forums vom Militärflugplatz zum Flughafen und somit zur Schengen-Aussengrenze, verzeichnet Zollbewegungen und internationale Landungen. Völkerrechtlich geschützte Regierungs-VIPs werden jedoch unter Berücksichtigung spezieller Auflagen vom Flughafen Zürich direkt nach Davos und zurück transportiert. Der Chief Air Transport (CAT) kümmert sich zusammen mit dem Lufttransportdienst des Bundes (LTDB) um die Beförderung der zahlreichen VIPs zum Forum ins Zentrum des Geschehens im Alpenraum.

Da wäre beispielsweise US-Präsident Donald Trump, der sich auf sämtlichen seiner Reisen ausschliesslich mit Helikoptern der US-Armee, in Fahrzeugen aus den USA transportieren lässt. Diese werden aus dem nahen Ausland oder gar mit Boeings C-17 Globemaster der US Air Force eingeflogen. «Und die US-Regierung platziert bei seinen Besuchen eigens einen Sicherheitsoffizier im AOC, der einen direkten Draht zu seinem Präsidenten zur Verfügung hält», erzählt Generalstabsoffizier Erni. Grundsätzlich fliegen Staatsoberhäupter nur mit Helikoptern der Schweizer Luftwaffe nach Davos. Einzige Ausnahmen bilden nebst Trump der französische Ex-Präsident Nicolas Sarkozy oder die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. «Als Dankeschön spendierte Sarkozy einmal 6 Flaschen Champagner. Die Compliance-Weisungen einzuhalten gestaltete sich in diesem Fall etwas schwieriger», erinnert sich Erni.