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«Das Zusammenspiel der Davoser mit der Armee klappt prima»

Barbara Gassler berichtet seit zehn Jahren als Journalistin der Davoser Zeitung über das Weltwirtschaftsforum. Im Gespräch mit Cuminaivel erzählt sie, wie die Zusammenkunft der Mächtigen und Reichen im Wintersportort ankommt und wie der Einsatz der Armee in Davos wahrgenommen wird.

15.01.2020 | CUMINAIVEL | ni

Artikelbild Davos

 

Sie sind ein alter Hase am World Economic Forum. Wie nehmen Sie das WEF heute wahr?

Barbara Gassler: Der Anlass wird immer aufgeregter und stressiger. Zwar nicht im Herzen des WEFs – im Davoser Kongresszentrum ist die Stimmung immer noch entspannt und freundlich – aber das Rundherum. In dieser Zeit geht in Davos die Post ab.

Wie macht sich das bemerkbar?

Das WEF beginnt für die einheimische Bevölkerung bereits mit dem Aufbau der Infrastruktur Anfang Dezember. Dann werden die ersten Fundamente für die späteren Fahrnisbauten gestellt. In der Altjahrswoche ist Davos dann mit dem Eishockeyturnier des Spengler Cups übervoll.

Und dann im neuen Jahr kommen viele Lieferfahrzeuge, Kräne und auch Leute, die am WEF involviert sind. Da wird innert kürzester Zeit eine neue Stadt auf die Beine gestellt. Es ist eine sehr stressige Zeit für Davos. 

Über was berichten Sie genau? 

Ich bin zwar jedes Jahr als Medienvertreterin akkreditiert und habe Zutritt zu den Sicherheitszonen. Aber wir bei der Davoser Zeitung berichten mehr über die Auswirkungen für die einheimische Bevölkerung. Das heisst: Wir informieren unsere Leserinnen und Leser über allfällige Neuigkeiten. Daneben versuche ich spannende Geschichten rund um das Treffen erzählen zu können. Das WEF hat gemerkt, dass wir ein wichtiges Informationsorgan sind und die Bevölkerung so auch miteinbezogen werden kann. 

Wie wird das WEF in der Davoser Bevölkerung wahrgenommen?

Es ist eine schwierige Beziehung. Wie bereits gesagt, die Aufbauarbeiten beginnen Anfang Dezember. Und das Abbauen der Infrastruktur ist auch ein grosser Aufwand. Insgesamt vergehen so rund zwei Monate – eine lange Zeit. Während der eigentlichen WEF-Woche wird mit all den Absperrungen, Umleitungen und Unmassen an Fahrzeugen das Leben im Zentrum ganz auf den Kopf gestellt. Auf der anderen Seite profitiert Davos auf mehr als eine Art ganz gewaltig. Dennoch ist man jedes Mal froh, wenn wir im Februar zum normalen Saisonbetrieb übergehen können.

Dieses Jahr stehen auch wieder maximal 5000 Armeeangehörige im Raum Davos im Einsatz. Wie funktioniert da das Zusammenspiel mit der zivilen Bevölkerung?

Das klappt prima. Die Soldaten und Kader der Schweizer Armee werden kaum wahrgenommen. Man sieht sie bei den Aufbauarbeiten, wenn sie die Tergitter aufstellen. Ab und an fährt ein Armeefahrzeug vorbei. Und vielleicht hat man mal Mitleid, wenn man zufällig bei einem Wachposten vorbeikommt und die Soldaten am bibbern sind.