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Heer | TASYS: Wichtiger Bestandteil für die Nachrichtenbeschaffung der Armee

In Thun konnten die Parlamentarierinnen und Parlamentarier der sicherheitspolitischen Kommissionen das im Rüstungsprogramm 2019 beantragte taktische Aufklärungssystem (TASYS) aus der Nähe betrachten. Der Kommandant Heer, Divisionär René Wellinger, und die militärischen und zivilen Projektverantwortlichen zeigten dabei klar auf, dass sich das Umfeld eines Konfliktes in den letzten Jahren deutlich geändert haben.

25.06.2019 | Komm HE - Maj Kevin Guerrero

TASYS lässt sich erklären durch Div René Wellinger
TASYS lässt sich erklären durch Div René Wellinger

Auseinandersetzungen finden vermehrt in immer dichter überbauten Gebieten und somit inmitten der Zivilbevölkerung statt. Wenn die Armee in diesen Gebieten die Menschen und die Infrastruktur schützen will, benötigt sie genaue und verlässliche Informationen zur Lage. «Wir müssen unsere Aufgaben auch in der Nacht und bei schlechten Sichtverhältnissen erfüllen», betonte Divisionär Wellinger. Heute bestehen in diesen Bereichen Lücken in der Ausrüstung und die Sensorik ist teilweise bereits fast 30 Jahre alt.

 

Aus diesem Grund beantragt der Bundesrat zur Ergänzung der heutigen Bestände die Beschaffung von Restlichtverstärkern, Wärmebildgeräten sowie Laserzielgeräten (213 Millionen Franken). Zudem will der Bundesrat die Armee mit einem taktischen Aufklärungssystem ausstatten (380 Millionen Franken). Mit diesem soll die Armee die beschafften Informationen effektiver als bisher verarbeiten und übermitteln.

 

Von den beantragten 380 Millionen Franken werden 63 Prozent direkt im Inland vergeben und lösen damit eine Beschäftigungswirksamkeit in der Schweizer Industrie aus. 37% werden über direkte und indirekte Beteiligungen im Ausland investiert. 87 Prozent des Gesamtbetrags werden für Material, 6 Prozent für Logistik und 7 Prozent als Risikozuschlag für eine eventuelle Teuerung eingesetzt.

 

Für den Kommandanten Heer, Divisionär René Wellinger, ist TASYS ein wichtiger Baustein für die Nachrichtenbeschaffung der Armee in allen Lagen. Im Rahmen der Unterstützung ziviler Behörden können beispielsweise im Umfeld einer Konferenz Räume für eine gewisse Zeit überwacht werden. In einem entsprechenden Einsatz werden Informationen von der Armee beschafft. Die Auswertung erfolgt jedoch ausschliesslich durch die dafür vorgesehenen zivilen Stellen.

 

In der Verteidigung geht es darum, rasch Informationen über den Gegner zu erhalten und diese an die richtigen Adressaten zu übermitteln, damit angemessen auf die verschiedensten Bedrohungsformen reagiert werden kann. Die Aufklärungsformationen der Armee verfügen heute über Aufklärungs- und Schiesskommandantenfahrzeuge oder einen geländegängigen Personenwagen. Dabei werden für die Beobachtung bestehende Wärmebildgeräte aus den frühen 1990er-Jahren sowie Feldstecher und Restlichtverstärker verwendet. Für die Identifikation der Gegenseite und die Zielbezeichnung fehlen jedoch präzisere und witterungsunabhängige Beobachtungsmittel, die mobil und stationär eingesetzt werden können, sowie eine rasche Datenverarbeitung. Mit TASYS sollen nun die Aufklärungsmittel der Bodentruppen erneuert und ergänzt werden.

 

Mit TASYS werden 100 neue Aufklärungsfahrzeuge mit der entsprechenden Sensorik beschafft. Damit ausgerüstet werden die heute bestehenden 89 Aufklärungs-, Späher- und Schiesskommandantenzüge. 11 Fahrzeuge dienen der Ausbildung und der Umlaufreserve.

 

Ebenfalls Bestandteil von TASYS ist ein leichtes, tragbares Sensorsystem für den abgesessenen Einsatz. Mit diesem werden die bestehenden Aufklärungs- und Feuerleitmittel ausgerüstet, um ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Es werden dazu 445 Systeme bereitgestellt. 11 Systeme dienen der Umlaufreserve.

 

Beim Trägerfahrzeug handelt es sich um ein Fahrzeug Mowag Eagle V 6x6. Zum Selbstschutz ist das Fahrzeug gepanzert und mit einer Waffenstation für den Selbstschutz ausgestattet. Am Fahrzeug ist ein ausfahrbarer, acht Meter hoher Teleskopmast mit einem hochwertigen Sensorsystem montiert. Das Fahrzeug bietet Platz für vier Personen. Es ist ballistisch geschützt und verfügt über einen Minenschutz, ist geländegängig und hat einen Wendekreis von nur 15 Metern. Der kleine Wendekreis kann dank der mitgelenkten 3. Achse erreicht werden. Diese hinterste Achse wird mittels eines elektronischen Systems adaptiv mitgelenkt.

 

Das taktische Aufklärungssystem (TASYS) soll ab 2020 beschafft und bei der Truppe etappenweise ab Mitte 2023 bis Ende 2025 eingeführt werden. Die anschliessende Nutzungsdauer beträgt voraussichtlich 25 Jahre.