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Armee übt am Flughafen Zürich

Der Flughafen Zürich ist eine internationale Luftverkehrsdrehscheibe von Weltrang. Die an diesem Hub angesiedelten Unternehmen generieren jährlich eine Wertschöpfung von rund fünf Milliarden Franken. Wenig verwunderlich, dass der Flughafen somit zu den schützenswerten «kritischen Infrastrukturen» im Einzugsgebiet der Territorialdivision 4 zählt. Mit der Volltruppenübung “SKILL 18“ probt die Armee seit Montag und noch bis Freitag in Zusammenarbeit mit der Flughafenpolizei den Einsatz im Ernstfall. Mit zwei Gebirgsinfanteriekompanien des Gebirgsinfanteriebataillons 85 bewacht und schützt die Armee den Landside-Teil des Flughafens, ausserdem einige zentrale Zutrittstore in den Flughafen und ein Betriebsgebäude der Firma Interxion (Schweiz) AG, welche in Flughafennähe eines der grössten digitalen Rechenzentren der Schweiz betreibt.

14.06.2018 | Ter Div 4

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Es besteht kein Zweifel: Dank der Kantonspolizei Zürich und ihrer Flughafenpolizei, dank Schutz & Rettung Zürich und dank der kantonalen Zivilschutzorganisation und weiteren bestens ausgebildeten und ausgerüsteten Organisationen ist der Flughafen Zürich gut für Krisen gerüstet. Das ist eine Erkenntnis aus den in den vergangenen Jahren regelmässig durchgeführten Übungen mit Partnern am Flughafen Zürich.

Dass der grösste Landesflughafen gut gerüstet ist für den Krisenfall, dies bestätigte am Dienstag auch Rudolf Farner, Head Emergency Management Safety & Securtiy am Flughafen. Im Rahmen des Point de Presse zu “SKILL 18“ hielt er aber auch fest, dass die vor Ort vorhandenen Ressourcen limitiert sind. Im Falle eines länger andauernden und grossflächigen Ereignisses am Flughafen oder im Umfeld des Flughafens, so Farner, sei eine Unterstützung durch die Armee unumgänglich. «Übungen wie “SKILL 18“sind für uns darum sehr wertvoll. Wir lernen dabei, welche Leistungen wir von der Armee in ausserordentlichen Situationen erwarten können – und welche Rahmenbedingungen wir schaffen müssen, um eine optimale Leistung der Armee zu ermöglichen.»

Der Flughafen Zürich liegt im Einzugsgebiet der Territorialdivision 4 (Ter Div 4). Divisionär Hans-Peter Kellerhals, Kommandant der Ter Div 4, ergänzte am Dienstag vor den Medien, dass nicht nur der Flughafen ein Interesse an Übungen wie “SKILL 18“ habe. Auch die Armee wolle die Übung nutzen, um wertvolle Erfahrungen zu sammeln, ganz nach dem Motto „Lernen – Leisten“. Denn: Für das in Glarner Gebirgsinfanteriebataillon 85, welches sich zur Zeit im Raum Walenstadt-Sargans (SG) im WK befindet, sind Einsätze im Raum des Flughafens Zürich Neuland. Zwei ihrer Kompanien werden nun deshalb im Rahmen einer Pilot-Übung beübt. Die Truppe muss unter Beweis stellen, dass sie ihren Auftrag jederzeit vollständig, gefechtstechnisch einwandfrei und verhältnismässig erfüllen kann, und zwar ohne dass der Betrieb des Flughafens beeinträchtigt wird.

Armee immer subsidiär im Einsatz

Das Szenario für die Volltruppenübung “SKILL 18“ geht von einer angespannten Ausgangslage aus. Unbefugte haben wiederholt versucht, sich illegal Zutritt zum Airside-Bereich des Flughafens Zürich zu verschaffen. In mehreren Fällen gelang durch Übersteigen des Perimeterzauns ein Vorstoss bis aufs Rollfeld. Nach diesen Vorfällen muss der Flughafen Zürich jeweils aus Sicherheitsgründen temporär für mehrere Stunden geschlossen werden. Das soll in Zukunft verhindert werden. Insbesondere nachdem es an der Entladestation der Bahn der Tankanlage Rümlang zu einem Sprengstoffanschlag kam und die Kantonspolizei Zürich mehrere verdächtige Personen festgenommen hat, die allesamt einer extremen Organisation angehören. Auch das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hat sich als zuständige Regulationsbehörde eingeschalten und verlangt von der Flughafenbetreiberin, weitere Störungen des Flughafens Zürich mit allen Mitteln zu verhindern. Die Kantonspolizei Zürich verstärkt das Sicherheitsdispositiv am Flughafen sofort und auf lange Dauer, benötigt mit der Zeit aber Entlastung, da auch weitere kritische Infrastrukturen gefährdet sind. In Absprache mit dem Kommandanten der Kantonspolizei Zürich und der Geschäftsleitung der Flughafen Zürich AG ersucht der Sicherheitsdirektor des Kantons Zürich schliesslich um Unterstützung des Militärs. Das Gesuch erfolgt via Kommando der Territorialdivision 4 und geht an den Chef der Armee, der die subsidiäre Unterstützung des Kantons Zürich durch Truppen der Armee für den temporären Schutz von kritischer Infrastruktur im Raum des Flughafens Zürich schliesslich bewilligt.

Überwachen und Bewachen

Im Rahmen der Volltruppenübung “SKILL 18“ authentisch und «echt» zum Einsatz kommen zwei Gebirgsinfanteriekompanien des Gebirgsinfanterie-Bataillons 85. Sie haben zum einen den „Landside“-Teil des Flughafens zu überwachen, inklusive des Tors 109. Auch einen Patrouillendienst haben sie einzurichten. Das Betriebsgebäude der Firma Interxion (Schweiz) AG, die für über 1000 Kunden eines der grössten Rechenzentren der Schweiz für gigantische digitale Clouds betreibt, haben die Truppen nicht nur zu überwachen, sondern auch zu schützen und zu härten. Das gleiche gilt für das Tor 130.

 

Für den korrekten Schutz errichten die Minenwerfer-Züge der beiden Kompanien sogenannte Checkpoint-Kontrollen und betreiben diese während 48 Stunden autonom. In Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Zürich verhindert die Armee damit den Zutritt unbefugter Personen in den nichtöffentlichen Bereich des Flughafens. Markeure, die von der Kantonspolizei «gespielt» werden und einmal als Demonstranten wirken, dann wieder als Personen mit falschen Ausweisen am Checkpoint auftauchen, fordern die Armeeangehörigen immer wieder heraus. Doch genau diese Markeur-Einsätze dienen dazu, den Einsatz der Truppe objektiv bewerten zu können. Die Erkenntnisse fliessen zurück zur Truppe, damit getreu dem Motto der Übung alle Beteiligten lernen und dann leisten können.