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Heer | Vor grossen Herausforderungen

Im Rahmen eines Referates bei der Offiziersgesellschaft See und Gaster am 5. Juni 2018 in Rapperswil (SG) erläuterte der Kommandant Heer, Divisionär René Wellinger den anwesenden Offizieren die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen des neugegliederten Heeres.

15.06.2018 | Komm - Stab Mech Div

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Eine persönliche Kaminfeuer-Atmosphäre war am sogenannten Offizierstreff der OG Gaster-See in Rapperswil zu spüren. Nicht im «hinteren Sääli» sondern in angenehmer Bar- und Clubatmosphäre begrüsste OG-Präsident Oberst Ueli Schläpfer den Kommandant Heer, Divisionär René Wellinger und die interessierten Offiziere, darunter zahlreiche junge Armeekader.

 

Ausgehend von der gegenwärtigen weltpolitischen Lage sei es besonders schwierig, sicherheitspolitische Prognosen zu machen, sagte der Kommandant Heer. Als gesichert gelte jedoch, dass bei einem bewaffneten Konflikt von einer hybriden Kampfführung auszugehen sei.

 

Das dem Kommando Operationen unterstellten Heer besteht in der Ausbildungsgrundgliederung aus den drei Mechanisierten Brigaden 1, 4 und 11 sowie dem Kompetenzzentrum Führungs- und Fachsystem Komp Zen FFS (früher C4ISTAR).

Das Heer kann als Einsatzverband Boden (EVB) beispielsweile durch Infanterie-, Genie- oder Rettungsbataillone verstärkt werden. Umgekehrt unterstützt das Heer mit der Unterstellung mechanisierten Truppenkörper zu Gunsten eines EVB’s oder einer Territorialdivision.

 

Operationssphäre Boden

«Das Heer ist aber wesentlich mehr als eine mechanisierte Division», führte Divisionär Wellinger weiter aus. Der Kommandant Heer ist gesamtverantwortlich für alle Bereiche der Operationssphäre Boden. Dazu gehören die Verantwortung über Rüstungsvorhaben und über die Einsatzverfahren der Infanterie, der Artillerie- und Panzertruppen sowie der Genie- und Rettungstruppen.

 

Das Heer

-          ist der Kompetenzträger für die Abwehr eines bewaffneten Angriffs

-          will die Einsatzverfahren und die Reglemente harmonisieren und auf die möglichen zukünftigen Szenarien ausrichten

-          will das FIS HE weiter einführen und nutzen

-          will die Op Sphäre Boden konsequent weiterentwickeln

Dazu wurde ein Gremium «Operationssphäre Boden» gebildet, welchem die Kommandanten der Territorialdivisionen und die Lehrverbandskommandanten angehören. Der Kommandant Heer führt den Vorsitz. In diesem Gremium wird unter anderem entschieden, wie die Bodentruppen mit welchen Mitteln und Einsatzverfahren eingesetzt werden.

 

Heeresstab

Unterstützt wird der Kommandant Heer durch den Heeresstab. Dieser verfügt über einen Miliz- und einen Profiteil. Der Milizstab wird primär für die Führung der drei Mechanisierten Brigaden eingesetzt. Der rund 40 Stellen umfassende Profistabsteil des Heeresstabes in Bern erarbeitet die Grundlagen zu Gunsten der Operationssphäre Boden wie Doktrin, Organisation, Rüstungsplanung und Material.

 

Urbanes Einsatzumfeld

Das Heer wird primär in urbanem, bebautem und bewohnten Gelände eingesetzt. Das Zwischengelände habe heute praktisch keinen Wert mehr. «Unser zukünftiges Gefechtsfeld ist in Ortschaften», so der Kommandant Heer. Der unterlegene oder schwächere Gegner werde sich immer in überbautes und bevölkerungsreiches Gelände zurückziehen.

Auch in diesem Umfeld wurden Kampfpanzer eingesetzt, führt er weiter aus. Wellinger ist überzeugt, dass die Schweizer Armee mit dem Kampfpanzer Leopard II über das richtige mechanisierte Mittel verfügt.

 

Komplexe Gegenseite

Als kommende Herausforderungen für das Heer sieht der Kommandant die zunehmende Komplexität der Gegenseite. Dies bedeute beispielsweise, dass die Fähigkeiten der Schiesskommandanten und der Aufklärer weiter entwickelt und Synergien genutzt werden. Ferner muss in neue Technologien, wie beispielsweise in Sensoren investiert werden, um den Sensor-Wirkungsverbund zu steigern.

 

Kampf im urbanen Gelände

Die Hauptkampfträger in urbanem Gelände sind der Zug und die Kompanie. Das Bataillon hat eine erste Klammerfunktion, zusammen mit der Logistik, der Sanität und dem Nach- und Rückschub. Die Züge und Kompanien müssen zukünftig so gegliedert sein, dass sie selbständig Gefechtsaufgaben wahrnehmen können. Weiter wies er darauf hin, dass die meisten Waffensysteme des Heeres am Ende ihrer Lebens- und Nutzungsdauer sind.

 

Rüstungsbeschaffungen

Für zukünftige Rüstungsbeschaffungen ist es von zentraler Bedeutung, dass die zu beschaffenden Fahrzeuge, die dafür benötigte Munition, die Ersatzteile, sowie die Ausbildungs- und Simulationssysteme in einem Gesamtpaket beschafft werden müssen.

Bezüglich der truppengattungsübergreifenden Zusammenarbeit sagte Wellinger: „Es ist bei zukünftigen Beschaffungen zu überlegen, ob beispielsweise ein Artillerieradar auch der Luftwaffe nützt und dadurch in ihr Luftlagebild integriert werden kann“.

Und weiter: „Wir müssen vom Gedanken wegkommen, Systeme durch Systeme zu ersetzen!“ 

Für den Kommandanten Heer ist klar: zuerst muss „Air2030“ mit den Projekten Neues Kampfflugzeug NKF und BODLUV erfolgreich umgesetzt werden.

Danach folgen die Erneuerungen der Systeme des Heeres. Aber: Gelingt die Beschaffung des Neuen Kampfflugzeuges nicht, hätte dies einschneidende Folgen auch für das Heer.

Fachof Oberstlt Andreas Hess

Chef Medien Heeresstab