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"FANTASSIN 18" – Infanteriebataillon 65 kämpft im Hinterland von Bure

Mit dem Jahreswechsel ist die Territorialregion 4 zur Territorialdivision 4 geworden. Neu sind auch zwei Infanteriebataillone (Inf Bat 65 und Inf Bat 61) und ein Gebirgsinfanteriebataillon (Geb Inf Bat 65) Teil der Ter Div 4. Mit der Volltruppenübung "FANTASSIN 18" geht Kommandant Divisionär Hans-Peter Kellerhals ein erstes Mal auf Tuchfühlung mit der neu zugeteilten Infanterie. Im Gefechtsausbildungszentrum West (GAZ West) in Bure beübt er die Kompanien 1 bis 4 des Infanteriebataillons 65, die noch bis Ende Woche im Wiederholungskurs sind.

22.03.2018 | Ter Div 4

Mit SIM-Ausrüstung und Sensoren ausgestattet.
Mit SIM-Ausrüstung und Sensoren ausgestattet.

 

Montagmorgen, eisiger Wind und leichter Schneefall: «Übung beginnt» rauscht es durch das Funkgerät. Leutnant Oliver Bloch, Zugführer des Zugs «Bivio» der Kompanie 2, weiss, jetzt gilts ernst. Er informiert seine Gruppenführer auf den Fahrzeugen, dann rollen sie los, die gepanzerten Duro GMTF und die Piranha-Radschützenpanzer 93. Ihr Ziel ist definiert: Das Dorf «Nalé», das nur wenige Kilometer von der Kaserne Bure entfernt liegt. Die Lage dort ist instabil und droht zu eskalieren. Das Gewaltpotenzial ist hoch, die zivilen Behörden sind ans Limit gekommen und die Polizei hat sich zurückgezogen. In der jurassischen Streusiedlung mit 30 Häusern – eigentlich ist es eine Häuserkampfanlage – bewegen sich mehrere paramilitärische und terroristische Organisation, auch Bürgerwehren wurden gesichtet. Nicht bei allen Gruppierungen handelt es sich um Gegner. Dennoch droht «Nalé» in feindliche Hand zu fallen. Die Infanterie, das Rückgrat der Schweizer Armee, soll die Ordnung wiederherstellen, sie ist spezialisiert auf den Kampf in überbautem Gebiet. Das Infanteriebataillon 65 soll «Nalé» in einem ersten Schritt überwachen und anschliessend die Ortschaft später einnehmen und von Gegnern befreien. Ist das geschafft, ist «Nalé» zu sichern, zu halten und die Führungsfähigkeit vor Ort wiederherzustellen. Bei der Anfahrt haben die Angehörigen der Armee – in die Übung involviert sind gegen 800 Angehörige der Armee (AdA) – ausserdem konstant Nachrichten zu beschaffen und mögliche Zufahrtswege abzuriegeln und zu sichern.

Fahrzeuge der Kompanie 1 aufgereiht kurz vor dem Übungsstart.
Fahrzeuge der Kompanie 1 aufgereiht kurz vor dem Übungsstart.

Das Rückgrat der Armee

Ob die AdA des Infanteriebataillons 65, sie nennen sich in Militärkreisen nur «Skorpions», ihr Ziel erreichen, kontrolliert die Übungsleitung einerseits direkt vor Ort mit Hilfe von Schiedsrichtern aus dem Stab der Territorialdivision 4. Andererseits kann die Führung der Ter Div 4, die im Rahmen von "FANTASSIN 18" erstmals im Jura zu Besuch ist, in Bure auf topmoderne technische Anlagen zurückgreifen. Weil die AdA des Inf Bat 65 mit Simulationsausrüstung und Sensoren ausgestattet sind und die Häuserkampfanlage mit Dutzenden Kameras gespickt ist, können Übungsleitung und Schiedsrichter die Aktionen der Truppe eins zu eins «live» mitverfolgen. Und zwar im Kontrollraum des «SIM KIUG», einem der modernsten Simulationszentren der Welt, das die NZZ einst als «heimliches Herz der Armee» bezeichnet hat. Es ist eine IT-Plattform, mit der simulationsgestützte Gefechtsübungen für den Kampf in überbauten Gebiet (KIUG) durchgeführt werden können, oder anders gesagt eine klassische Infanterieübung mit realen Waffen im Häuserkampf und computergestützter Live-Überwachung durchgeführt werden kann. Die Infanteristen werden nicht nur beobachtet und bewertet, die Regie kann auch situativ laufend neue Aufgaben und Probleme "einspeisen".