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Letzter Einsatz der Flab Kampfgruppe 1

Knapp 900 Angehörige der Schweizer Fliegerabwehr standen im Rahmen der Volltruppenübung «VIRTUS 33» in der Ostschweiz im Einsatz. Dabei liessen sich die Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere nicht aus der Ruhe bringen.

01.11.2017 | Sdt Remo Bitzi, Komm Gr LVb Flab 33

Zutrittskontrolle vor dem KP der Flab K Gr 1
Kein Zutritt zum KP der Flab K Gr 1

Im Dachgeschoss eines Feuerwehrpostens im Kanton St. Gallen wird emsig gearbeitet. Meldungen werden über verschiedene Kanäle entgegengenommen, Verkehrs- und Wetterlagen notiert, Wirkungsradien von Geschützen im Feld auf Landkarten dargestellt, Zustände von ebendiesen auf dem Statusboard erfasst. Wir befinden uns auf dem Kommandoposten des Stabs der Kampfgruppe 1 der Schweizer Fliegerabwehr mit seinen verschiedenen Zellen und dem Herzstück, dem Lageverfolgungszentrum (LVZ).

 

Der an die Flab-Kampfgruppe 1 gestellte Auftrag im Rahmen dieser Volltruppenübung lautet dabei: eine Panzerbrigade zu beschützen, die sich im Zürcher Oberland aufhält und den Einsatz gegen einen Gegner vorbereitet. Da die entsprechende Panzerbrigade zurzeit einen Schiesskurs absolviert, ist dieser Einsatz nur bedingt eine wirkliche Volltruppenübung. Aber von der physischen Abwesenheit der Panzer lassen sich die Stabsoffiziere der Kampfgruppe wenig beirren – genauso wenig von der Tatsache, dass dies ihr letzter Einsatz ist. Der Stab der Flab-Kampfgruppe 1 wird nach «VIRTUS 33», so der Name der Übung, im Rahmen der Weiterentwicklung der Armee (WEA) aufgelöst. «Alles wie gehabt», bestätigt Oberstleutnant Stefan Metzger, der zuständige Nachrichtenoffizer der Flab K Gr 1. «Der Zusammenhalt innerhalb des Stabs war schon immer sehr gut, die Zusammenarbeit entsprechend genauso», meint der Stabsoffizier, und fährt fort: «Man arbeitet sich sozusagen in die Hände – auch bei diesem Einsatz».

 

Und das ist zwingend notwendig. Denn der Stab unter Kommandant Oberst Roger Frei verantwortet den Einsatz von knapp 900 Angehörigen der Schweizer Fliegerabwehr, die im Rahmen der Volltruppenübung aufgeboten wurden. Betrieben werden mit diesen knapp 900 Soldaten, Unteroffizieren und Offizieren acht Rapier- und zehn Stinger-Feuereinheiten. Um den Auftrag in Wirklichkeit erfüllen zu können, bräuchte es jedoch deren 20 Rapier- und 24 Stinger-Feuereinheiten, erklärt Oberstleutnant Lucius Hartmann, ein Kollege von Oberstleutnant Metzger aus dem Stab. Das Problem, das schon seit Jahren bestehe, sei ein Mangel an Personal; hauptsächlich fehle es an Fahrern, führt Oberstleutnant Hartmann aus. Doch auch mit diesem Umstand weiss man umzugehen.

 

Auch auf einer der Rapier-Feuereinheiten im Thurgau musste man sich mit unerwarteten Umständen abfinden. Während Wachmeister Manuel, der stellvertretende Feuereinheitschef, mit seinen Leuten Lenkwaffenwerfer, Radar und die weiteren Bestandteile des Waffensystems vor einer spektakulären Wolkenkulisse betreut, verpflegt sich ein weiterer Teil der Einheit – die Ablösung von Wachmeister Manuel & Co. – im gut eingerichteten Rückwärtigen in der Scheune eines nahegelegenen Bauernhofs. Zugführer Leutnant Rutishauser bemerkt jedoch, dass das Rückwärtige vor kurzer Zeit noch ganz anders ausgesehen hatte. «Die Tochter des Bauern war krank. Darum war der Landwirt in Verzug mit dem Herrichten der Scheune», erklärt der Offizier. Doch davon habe man sich nicht beirren lassen. Gemeinsam wurde nach Stellungsbezug angepackt und der ehemalige Schweinestall in einen Aufenthaltsraum, beziehungsweise ein eigentlich offener Teil der Scheune in ein windsicheres Schlafnest umgebaut.

 

Dieses verhältnismässig komfortable Rückwärtige ist mitunter verantwortlich für die gute Laune und den mindestens so guten Einsatz der Mannschaft: Der Umgang besagter Feuereinheit ist locker, die Arbeit am Waffensystem wird dennoch konzentriert ausgeführt.

 

Und so lassen die Eindrücke aus dem Kommandoposten des Stabs und jene auf der Stellung der Feuereinheit im Feld vermuten: Die Angehörigen der Fliegerabwehr lassen sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Sie erfüllen ihre Aufträge, egal mit welchen Umständen sie sich konfrontiert sehen.