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Standing Ovations für Militärküche am WEF

Für den Küchenchef der Gebirgsinfanteriekompanie 85/1, Wachtmeister Antonio Santana, war es der erste Einsatz während dem WEF. Im Interview erklärt der erfahrene Unteroffizier worauf er bei diesem speziellen Einsatz achtete und warum die Verpflegung einen wesentlichen Teil zum erfolgreichen Erfüllen des Auftrages beiträgt.

28.01.2019 | Kommunikation Ausbildungszentrum Verpflegung

Der Küchenchef der Gebirgsinfanteriekompanie 85/1 greift gerne auch mal selbst zum Rüstmesser um den Soldaten eine schmackhafte Mahlzeit bieten zu können.
Der Küchenchef der Gebirgsinfanteriekompanie 85/1 greift gerne auch mal selbst zum Rüstmesser um den Soldaten eine schmackhafte Mahlzeit bieten zu können.

Die Armee trägt mit maximal 5000 eingesetzten Soldaten einen grossen Anteil zur Sicherheit während des WEFs bei. Dieser Einsatz ist für eingesetzten Soldaten meist sehr speziell. Gilt dies auch für die Küchenmannschaft?

Wm Antonio Santana: Ja, natürlich (lacht). Die Küchenmannschaft versorgt die Truppe und muss sich den Umständen des Einsatzes anpassen. Da die Soldaten und Wachtmeister des Geb Inf Bat 85 im 24h-Betrieb arbeiten, unter anderem sensible und wichtige Objekte im Raum Davos bewachen, müssen auch wir in der Küche 24h bereit sein. Kurz vor dem Beginn des Einsatzes, am Ende der ersten WK-Woche, wechselte unser Küchenbetrieb auf sechs statt drei Essenszeiten. Dies bedeutete für uns in der Küche der Kompanie 1, dass wir zwei Schichten mit jeweils 12h Einsatz einführen mussten. Ich leite die Tagesschicht, mein Stellvertreter die Nachtschicht.

Worin liegen die Unterschiede zu einem «normalen» WK?

Wm Santana: In der ständigen Bereitschaft der Truppe und somit auch des Küchenteams. Ohne uns und die anderem im Rückwärtigen kann der Infanterist nicht lange vor seinem Objekt Wache halten. Und es ist Winter, da braucht es ständig warme Mahlzeit und Getränke. Somit haben wir den Auftrag, sechs Mal am Tag etwas in der Küche vorzubereiten und ständig warme Getränke bereitzuhalten. Wir versorgen die Wachtposten mit warmem Tee, Kaffee, heisser Ovomaltine und manchmal auch mit Bouillon. Wir können es uns nicht leisten, die Truppe schlecht zu versorgen. Dass die Moral der Truppe in einem solchen Einsatz direkt mit der Verpflegung zusammenhängt, ist uns bewusst. Deswegen geben wir auch unser Bestes.

Welche Herausforderungen hatten Sie zu meistern?

Wm Santana: Für mich war der 24h-Betrieb schon eine Herausforderung, aber ich mache dies nicht zum ersten Mal. Beim Abverdienen als Unteroffizier und Truppenkoch habe ich einige Übungen durchgemacht, wo es darum ging, ständig warmes Essen für die Soldaten bereitzuhalten. Darüber hinaus war ich Zeitmilitär für zwei Jahre, wo dies ebenfalls öfters vorkam. Aber das Kochen ist nicht alles. Wir müssen fast täglich einkaufen und können nicht grosse Vorräte anlegen, da wir begrenzte Lagerkapazitäten haben und alles frisch sein muss.

Im «Blick» wurde von einem Ihrer Zugführer das Essen gelobt. Ist dieses positive Feedback eine Überraschung für Sie?

Wm Santana: Es ist schön, dass dies auch mal explizit erwähnt wird. Aber für unsere Küche ist das keine Überraschung. Noch bevor der Einsatz eigentlich losging und die Truppe frisch eingerückt ist, erhielten wir eine Standing Ovation von allen anwesenden Soldaten und Offizieren. Das war schon eher eine Überraschung. Aber ganz generell wissen wir, dass unsere Küche Gutes leistet, da wir bei der internen Inspektion immer gute Noten holen und einen guten Ruf haben bei den Soldaten. Wir sind glücklich darüber und versuchen, das hohe Niveau zu halten.

Beachten Sie während dieses Einsatzes spezielle Punkte betreffend der Menüzusammenstellung?

Wm Santana: Wichtig ist für mich als Küchenchef, dass die Mahlzeiten kalorienreich sind, da die Soldaten bei Minustemperaturen und auch nachts draussen ihren Dienst leisten. Dazu gehört eine ständige Versorgung mit warmen Getränken. Aber ansonsten gibt es kaum einen Unterschied zu einer Verpflegung in einem normalen Wiederholungskurs. So ist beispielsweise Hygiene immer wichtig, wenn es um die Zubereitung und den Transport der Verpflegung geht. Wir sind uns gewohnt, flexibel auf neue Situationen zu reagieren. Das ist normal im Militär.

Worauf wird bei der Menüplanung geachtet?

Wm Santana: Zu allererst geht es ums Geld, wie immer (lacht). Es ist ein Drahtseilakt, einen Menüplan zu erstellen, der bei der Truppe gut ankommt, im Wintereinsatz genügend Kalorien enthält und alles in allem unserem Budget von 8.75 CHF pro Person und Tag genügt. Sehr beliebt sind unsere Cordon Bleus, Schnitzel, der Tessiner Braten und der Klassiker: Älpler Makkaroni. Gestern gab es hausgemachten Rindshackbraten mit Rotkraut, Nudeln und Rahmsauce. Aber natürlich haben wir auch Vegetarier und Soldaten, die aufgrund ihres Glaubens nicht alle Menüs essen können. Aber dies ist ein Standartvorgehen. Wir nehmen, wenn möglich, auf alle Rücksicht.

Gutes Essen gründet meist auf dem Teamspirit der Küchenmannschaft, fördern Sie aktiv die Motivation in Küche?

Wm Santana: Ich schaue auf das Wohl meines Teams. Einerseits versuche ich meinen Unterstellten genügend Freiraum zu geben. Andererseits übernehme ich oft einen Teil des Kochens alleine, damit alle genug Schlaf bekommen und erholt an die Arbeit kommen. Das ist wichtig. Aber wir sind ein Team und unterstützen uns gegenseitig. Im Moment arbeiten wir im Einsatz mit zwei Gruppen mit je vier Personen.

Sind Sie selbst besonders motiviert in diesem WK?

Wm Santana: Ich bin zum ersten Mal am WEF im Einsatz und finde es spannend, eine solche Herausforderung anzugehen. Durch meine bisherige Erfahrung im Militär und meine zivile Arbeit beim Verpflegungszentrum in Frauenfeld bin ich gut vorbereitet anfangs Januar eingerückt. Ich finde es toll, dass ich das WEF im Militär einmal erleben kann.

Haben Sie gute Tipps für Küchenchefs, welche in Zukunft einen WEF Einsatz zu bestreiten haben?

Wm Santana: Das ist schwierig, weil die Planung von Faktoren wie den Beständen (Anzahl Soldaten) und den Details des Einsatzes (Anzahl Standorte, Wachablösung) abhängig ist. Diese Informationen bekommt der Fourier und später der Küchenchef nicht Monate im Voraus, sondern oft kurz vor dem Beginn des Wiederholungskurses. Aber was sicher früh abgeklärt werden könnte, wären die Räumlichkeiten der Küche und der Lagerräume, weil dies die Arbeit des Küchenteams ebenfalls beeinflusst.

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