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WAL 3: Startschuss für den ersten Top-Kader-Kurs

"Wer Menschen ergreifen will, muss selber ergriffen sein; wer Wege aufzeigen will, muss unterwegs sein." Mit diesem Zitat des Militärpädagogen Edgar Schumacher begrüsste Divisionär Daniel Keller, Kommandant der Höheren Kaderausbildung der Armee (HKA), die Teilnehmer des Weiterbildungslehrgangs 3 (WAL 3). Am 4. September 2017 startete zum ersten Mal der zweimonatige Kurs mit elf hochrangigen Offizieren der Armee ab Stufe Höherer Stabsoffizier und drei Kadern aus der Verwaltung.

11.09.2017 | Kommunikation Verteidigung

Thomas Zehnder, Kdt GWK II (r.) mit Lehrgangsteilnehmern
Thomas Zehnder, Kdt GWK II (r.) mit Lehrgangsteilnehmern

"Unser Anliegen ist es, Sie als Top-Kader der Schweizer Armee und des Sicherheitsverbundes Schweiz auszubilden", so Keller. Im "Haus der Wirtschaft" in Schaffhausen erinnerte der Divisionär daran, dass es seit 170 Jahren auf Schweizer Territorium keinen  Krieg mehr gegeben hat. "Das ist ein Privileg, das nur dank politischem Willen und der Sicherheit durch die Milizarmee möglich gemacht wurde. Und diesem Vermächtnis müssen wir Sorge tragen." 

Das erste der fünf WAL 3-Module setzt den Schwerpunkt auf "Sicherheitspolitik Schweiz und ihre Instrumente". Der Lehrgang sei nicht als einseitige Wissensvermittlung gedacht, erklärte Keller. Er erwarte von den Teilnehmern, dass sie ihre persönlichen Erfahrungen einbringen und sich austauschen würden, um gleichzeitig ihr Verständnis von Führung und Einsatz zu vertiefen.

Auch Brigadier Martin Vögeli, der Verantwortliche für das erste Modul, hiess die Teilnehmer willkommen in "seiner" Stadt. Er habe Schaffhausen für den Eröffnungstag des Kurses nicht nur gewählt, weil seine Wurzeln hier seien. Der kleine Kanton habe mit seinen 152 km Aussengrenze zur Bundesrepublik Deutschland auch wehrhistorisch eine Bedeutung. Dies bestätigte Dr. Roland Hofer, der Staatsarchivar des Kantons, in einem Vortrag zur Geschichte Schaffhausens. Seit 1501 sei Schaffhausen vollberechtigtes Mitglied der Eidgenossenschaft – nicht zuletzt dank der Förderung des südlichen Nachbarn, Zürich. Letzterer hätte aber nicht ganz uneigennützig gehandelt, so Hofer, denn Schaffhausen hätte im Ernstfall bei einem Überfall auf die Eidgenossenschaft von Norden her einen guten Puffer abgegeben.   

Zum Mittagessen lud die Regierungspräsidentin Rosmarie Widmer Gysel in den Staatskeller. Schaffhausen sei einer der militärfreundlichsten Kantone, erklärte die Politikerin im Rang eines Oberst a.D. Die Armee und der Sicherheitsverbund Schweiz sei ihnen wichtig, nicht nur wegen ihrer exponierten geografischen Lage. Insofern freue sie sich, dass der erste Tag des WAL3 in ihrem Kanton stattfinde.

Das Nachmittagsprogramm war ganz der Grenze und ihrer Bewachung gewidmet. Am Grenzübergang Rafz-Solgen beschrieb Thomas Zehnder, Kommandant des Grenzwachtkorps (GWK) II, dass ihr Tätigkeitsgebiet nach wie vor Mehrheitlich (56%) direkt an Grenzübergängen sei. Der Rest teile sich auf in mobile Einsätze oder Kontrollen an Flughäfen, in Postpacketzentren, auf Grenzgewässern oder in Zügen. "Grenzwächter ist kein Beruf, sondern eine Berufung", sagte Zehnder. Nach eindrücklichen Demonstrationen mit einem Spürhund und einem mobilen Röntgengerät für Gepäck ging es weiter zur Autobahnausfahrt Glattfelden. Dort  wurden die Besucher des WAL 3 Zeugen der guten Zusammenarbeit zwischen dem GWK und den Kollegen der deutschen Bundespolizei bei einer sogenannten Hubschraubersprungfahndung. Dabei wird ein Team aus deutschen Polizisten und Schweizer Grenzwächtern mit dem Hubschrauber in der Nähe eines Verkehrsknotenpunktes abgesetzt und ist innert Minuten bereit, gleichzeitig rund zehn Fahrzeuge zu kontrollieren. Ein zweiter Heli kreist in der Luft und wäre bei Fluchtversuchen sofort einsatzbereit. Die Teams sind mobil, können so in kürzester Zeit bis zu acht Kontrollstellen an völlig unterschiedlichen Orten durchführen.

Die letzte Station des Tages war der nördlichste Punkt der Schweiz, der als "Schwarzer Stein" bekannte Grenzstein in der Gemeinde Bargen. Dort betonte Divisionär Keller zum Abschluss, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit zwischen den  Akteuren des Sicherheitsverbundes Schweiz und der Armee sei. "Bauen Sie für sich ein Netzwerk auf. Kurze Dienstwege sind hilfreich, nicht zuletzt in Krisensituationen."