print preview Zurück zur Übersicht Militärakademie an der ETH Zürich

«Tue rächt, dänn chunnts scho guet»

Seit dem 1. Januar 2017 ist Brigadier Peter Candidus Stocker Direktor der Militärakademie an der ETH Zürich (MILAK). Zuvor war er Kommandant des Lehrverbandes Genie/Rettung. Zwischen den beiden Aufgaben gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

22.03.2017 | Komm V

Komm V: Sie sind nun seit drei Monaten Direktor der MILAK. Wie haben Sie Ihren Einstieg erlebt? 

PCS: Sehr positiv. Es ging sehr schnell. Ich wurde herzlich aufgenommen und dann ging es Schlag auf Schlag. Zwei Korpsvisiten mit den neuen Lehrgängen MS 2017 und MS 2-17, einem Office Call bei der Rektorin der ETH, Prof. Sarah M. Springman, Gesprächen mit den einzelnen Lehrgangskommandanten und den Dozenten bereits in der ersten Woche. Doch so hatte ich innerhalb kurzer Zeit einen guten Einblick in die MILAK und einen Überblick über die laufenden Geschäfte. 

Komm V: Wo sehen Sie die grössten Unterschiede zwischen der Führung eines Lehrverbands und der Führung der MILAK? 

PCS: Bezüglich Führung sehe ich keine Unterschiede. An beiden Orten hat man mit Menschen zu tun, steht der Mensch im Mittelpunkt. Der Unterschied zeigt sich im Umfeld vor allem durch die ETH, den militärwissenschaftlichen Dozenturen mit den Dozenten und wissenschaftlichen Assistenten sowie Forschungsprojektmitarbeitenden. 

Komm V: Die MILAK deckt schweizweit als einzige Institution den Bereich Forschung zu militärwissenschaftlichen Themen ab. Welche Bedeutung messen Sie dieser Tatsache bei? 

PCS: Die Forschung in militärwissenschaftlichen Bereichen ist sehr wichtig, weil sie mittel- bis langfristig Einfluss auf die Lehre, das Denken, Doktrin und Reglemente hat. Als ein Beispiel unter vielen möchte ich hier das Forschungsprojekt PROGRESS nennen, welches sich mit Einfluss von progressiv aufgebauter körperlicher Belastung, Sport und Führungsstil auf Fitness, Verletzungen, Austritte, militärische Leistungsfähigkeit, Stress und Motivation bei Rekruten auseinandersetzt. Unsere Dozenten werden auch regelmässig als Experten von den Medien zu Stellungnahmen beigezogen oder vertreten ihre Erkenntnisse an internationalen Konferenzen.

Unsere Forschung benötigt aber auch entsprechende personelle und finanzielle Ressourcen. Darum ist es wichtig, dass die grossen Vorteile und die Nachhaltigkeit unserer Forschungs- und Lehrtätigkeit sowohl innerhalb der Armee wie auch bei der Bevölkerung noch mehr wahrgenommen werden. 

Komm V: Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen der MILAK im Zusammenhang mit der WEA? 

PCS: Mit dem neuen Berufsbild der Berufsoffiziere werden die Hauptpunkte der WEA, die die MILAK betreffen, bereits 2017 umgesetzt. Uns ist es wichtig, dass die Lehrgänge so weitergeführt werden können und der Nachwuchs gewährleistet bleibt. Kontinuität ist uns wichtig. Das Berufsbild Offizier muss unbedingt attraktiv bleiben. 

Komm V: Was möchten Sie den Lehrgangsteilnehmenden unbedingt mit auf den Weg geben? 

PCS: Wir müssen einsatzbereit sein. Das erreichen wir durch verantwortungsvolle Führung und ständiges Training, durch fordernde Ausbildung auf allen Stufen, durch gezielten Einsatz unserer Ressourcen wie auch das Sicherstellen des Kadernachwuchses. Das zeigen wir gegen aussen, und wir sind stolz darauf. Das sind Grundsätze, das ich allen weitergebe. Dies zeige ich bildlich auch mit einem Kristall und habe einen Satz des Augustinus dazu, der lautet «Tue rächt und dänn chunnts scho guet».

 

Steckbrief Br Peter Candidus Stocker

*1959, wohnhaft in Wettingen (AG), verheiratet, sieben Kinder, seit 1988 Berufsoffizier. Studierte Geschichte, Germanistik und pädagogische Philosophie an der Universität Zürich, Master of Arts in National Security Affairs an der ETH Zürich, Master of Arts in National Security Affairs in Monterey, CA, USA. Brigadier Peter C. Stocker ist gerne in den Bergen oder mit seiner Vespa unterwegs. Motto: Was Du in anderen entzünden willst, muss in dir selbst brennen. (Augustinus)