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Zwei Geschichten – ein Ziel

«Ich habe es niemandem gesagt, doch irgendwann konnte ich es nicht mehr verschweigen», erzählt Hauptfeldweibel Ramona Frick über ihre Entscheidung, Militärdienst zu leisten. Ganz anders verhielt es sich bei Hauptfeldweibel Daniel Kobelt. Er hat das Militär während seiner Zeit im Zivilen einfach vermisst. Beide haben am 6. Januar 2020 mit dem Grundausbildungslehrgang an der Berufsunteroffiziersschule der Armee angefangen. Ein Interview mit zwei Geschichten.

23.07.2020 | Kommunikation HKA, Michelle Steinemann

Hauptfeldweibel Ramona Frick notiert die positiven und negativen Aspekte der vergangenen Woche, die nachher im Plenum mit ihren Kameraden besprochen werden.
Hauptfeldweibel Ramona Frick notiert die positiven und negativen Aspekte der vergangenen Woche, die nachher im Plenum mit ihren Kameraden besprochen werden. (VBS/DDPS, Fotograf: Michelle Steinemann)

Hauptfeldweibel Daniel Kobelt (29) ist gelernter Restaurationsfachmann. Seit 2010 ist er mit wenigen Unterbrüchen im Militär und hat auch einen Auslandeinsatz im Kosovo geleistet.

Hauptfeldweibel Ramona Frick (23) ist ursprünglich gelernte Malerin und leistet seit 2014 Militärdienst. Im Jahr 2017 wurde sie als Zeitmilitär angestellt und hat parallel dazu die Handelsmittelschule und das Bürofachdiplom absolviert.

Warum haben Sie sich entschieden, Berufsunteroffizier zu werden? Und wie lief dieser Entscheidungsprozess ab?

Kobelt: «Ich habe gerne in der Gastronomie gearbeitet. Jedoch bereitet mir das Militär mehr Freude, denn wenn man sich jeden Tag auf die Arbeit freut, hat man seine Berufung gefunden. Das habe ich während meiner Anstellung als Zeitmilitär festgestellt. Ausserdem ist es sehr abwechslungsreich: Mal ist man drinnen, mal draussen, und immer arbeitet man mit unterschiedlichen Personen zusammen. Zum einen wird man selber ausgebildet, kann aber zum anderen auch Personen ausbilden. Es ist ein sehr vielfältiger Beruf.»

Frick: «Ich war milizmässig Wachtmeister, wusste aber bereits, dass ich noch zum Hauptfeldweibel weitermachen werde, weil es mir extrem gefallen hat. Es war nie geplant, das Militär zum Beruf zu machen, denn ich hatte immer ein Studium in Aussicht. Eines Tages hat mich ein Adjutant in Fribourg darauf angesprochen, ob Berufsunteroffizier für mich infrage käme. Von dort an habe ich mich immer mehr in diese Idee hineingesteigert. Seither würde ich diese Entscheidung nie mehr rückgängig machen.»

Gab es einen spezifischen Moment, in dem Sie ihre neue Berufswahl ihrem Umfeld mitgeteilt haben?

Kobelt: «Nein, ich kann mich nicht an einen spezifischen Moment erinnern.»

Frick: «Ich habe meine Pläne niemandem anvertraut, bis meine Eltern mich konkret gefragt haben, wie es nach dem Zeitmilitär weitergehe. Von da an konnte ich es nicht mehr verheimlichen. Die Reaktion war sehr positiv. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es sowohl in der Familie wie auch bei Kolleginnen und Kollegen derart zustimmend aufgenommen würde.»

Was ging Ihnen durch den Kopf, als sie an der Eröffnungsfeier standen und wussten, dass jetzt der Startschuss fällt?

Kobelt: «Ich war stolz, dass ich es geschafft habe. Es war ein hartes letztes Jahr. Ich habe viel gelernt und daran gearbeitet, dass ich die Prüfung schaffe. Man weiss ja erst am Schluss, ob es gereicht hat oder nicht. Es war ein schönes Gefühl, vorne zu stehen.»

Frick: «Das war der Punkt, an dem ich es realisiert habe. Insbesondere, weil mich auch viele Leute darauf angesprochen haben. Ich war innerlich stolz auf mich, dass ich ein Ziel vor Augen habe, das viele andere in meinem Alter noch nicht haben.»

Auf was freuen Sie sich in diesen zwei Jahren Ausbildung?

Kobelt: «Ein bisschen auf alles. Alle Kurse haben ja den Hintergrund, dass wir uns weiterentwickeln können und dass wir einen Rucksack mit Wissen aufbauen, um im Beruf zu bestehen. Es gibt viele Kurse, die uns selber viel bringen, bspw. die Sanitätskurse oder die internationalen Austausche, die auf dem Programm stehen.»

Frick: «Ich bin ohne konkrete Gedanken angekommen. Ich nehme es, wie es kommt, und mache das Beste daraus. Ich freue mich aber aufs Schulzimmer, um mir Wissen anzueignen, welches mir später im Beruf hilft. Gerade auch jene Dinge, die man in anderen Berufen nicht lernt, motivieren mich unglaublich.»

Welche Eigenschaften glauben Sie, sind wichtig, um diesen Job zu machen?

Kobelt: «Man muss einfach mit Leidenschaft für den Beruf dabei sein und vorleben, was man von den Soldaten und Kadern erwartet.»

Frick: «Ich finde dass man sehr menschenorientiert sein muss. Man sollte gerne andere Menschen weiterbringen. Als Frau konnte ich im Militär mein Selbstbewusstsein stärken und mehr aus mir herauskommen. Ich wäre nie die Person geworden, die ich jetzt bin, wenn ich diesen Weg nicht eingeschlagen hätte.»

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