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Die Bedrohung wird sich ausweiten

Die Bedeutung von Drohnen und Robotern nimmt im militärischen Bereich rasant zu. Am Informationsanlass für Mitarbeitende der HKA erläuterte Dr. Mark Höpflinger, Leiter des Schweizerischen Drohnen- und Robotik-Zentrums (SDRZ) von armasuisse Wissenschaft und Technologie, den aktuellen Stand und zukünftige Entwicklungen auf diesem Gebiet. Verblüffende Demonstrationen mit verschiedenen Robotern und Drohnen machten den Anlass zu einem aussergewöhnlichen Erlebnis.

24.09.2021 | HKA, Rosmarie Brunner

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Mark Höpflinger mit einem Laufroboter, der unter anderem dank einer Rad-Bein-Kombination vielseitig einsetzbar ist.


Robotik ist einer der militärischen Megatrends. Dieser führe in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz und Big Data zu grossem disruptivem Potenzial, sagte Mark Höpflinger in seinem Referat am Informationsanlass der HKA. "Experten gehen davon aus, dass die Art, wie man Kriege führt, durch die Robotik revolutioniert wird. Künftige Kriege werden zunehmend von Maschinen bestimmt."
Noch ist es nicht so weit, doch die Ausführungen Höpflingers zeigten, dass Roboter und Drohnen breite Anwendung in fast allen militärischen Operationsräumen finden. Unbemannte Vehikel können am Boden, in der Luft, im Wasser, im Cyber- und elektromagnetischen Raum eingesetzt werden.

Aufgrund zunehmender Bedeutung lag der Fokus von Höpflingers Ausführungen auf kleinen unbemannten Luftfahrzeugen, sogenannten Unmanned Aerial Vehicels (UAV) im Bereich unter 150 Kilogramm. Mögliche zukünftige Einsatzgebiete sind Defensivaufgaben zum Schutz bemannter Mittel oder offensive Schwarm-UAV, die von Kampfflugzeugen aus gesteuert werden. Grundsätzlich ist die Reichweite solcher kleiner Drohnen stark beschränkt durch die lokale Kommunikationsinfrastruktur, sprich die Distanz zwischen Lenker und Drohne. Doch eine massive Steigerung ist laut Höpflinger durch Autonomie oder durch die Nutzung anderer Kommunikationsmittel möglich.

Klein und tödlich
Was die Zukunft bringen kann, zeigte der Referent anschaulich anhand einer Nano-Drohne, welche mit einer Hohlladung mit nur drei Gramm Sprengstoffladung bewaffnet war. Komplett autonom und mit einer Gesichtserkennungsfunktion ausgestattet, fand sie im fiktiven Szenario problemlos ihr Ziel. "Bei dieser Art Angriff hat eine Person kaum Überlebenschancen", so Höpflinger. Obwohl ein fiktives Szenario, sei die Technologie im Wesentlichen verfügbar. Die Abwehr von kleinen Drohnen sei insgesamt anspruchsvoll. Es gelte, einen Sensormix mit Sensordatenfusion und Vernetzung anzuwenden. Auch bei den Wirkmitteln zeigten die Testversuche von armasuisse Wissenschaft und Technologie, dass viele in der Theorie zwar funktionieren, in der Praxis aber keinen wirkungsvollen Schutz bieten. Am besten eignen sich heute aufgrund der Technologiereife Störsender und Netzwerfer.
"Die zusätzliche Bedrohung durch Kleindrohnen ist bereits da, und sie wird zunehmen," sagte Mark Höpflinger zum Schluss seiner Ausführungen. Die Technologieentwicklung verlaufe exponentiell und sei nicht umkehrbar.

Zu Land und zu Wasser
Weitere Anwendungsgebiete der Robotik- und Drohnentechnologie zeigte Dr. Tonya Müller, wissenschaftliche Projektleiterin am SDRZ. Dazu gehören Schiessplatzräumungen, Unterwassereinsätze, die Messung von Radioaktivität oder die Opfersuche in Trümmern. Kai Holtmann, stellvertretender Leiter des SDRZ, führte durch verschiedene Demonstrationen: Ein rund 70 Kilometer weit entfernter Schreitbagger wurde live durch Divisionär Germaine Seewer ferngesteuert. Eindrücklich war der Laufroboter, der vor Ort eingesetzt wurde und mit seiner Rad-Bein-Kombination eine überraschende Wendigkeit bewies; und natürlich fehlte die Demonstration einer Drohne nicht, die stehend im Raum schwebte. Ebenfalls wurde demonstriert, wie ein Drohnendetektionssystem mit einfachen Mitteln gestört werden kann. Die an der HKA als Livestream übertragene Veranstaltung wurde von diversen Lehrgängen verfolgt. Die an der HKA als Livestream übertragene Veranstaltung wurde von zivilen Mitarbeitenden, Berufsmilitärs und Milizteilnehmenden in allen Himmelsrichtungen und Landesteilen verfolgt. Eine gut genutzte Fragerunde am Schluss des Anlasses bewies die Aktualität der Thematik.