print preview Zurück zur Übersicht Höhere Kaderausbildung der Armee

Praxisnahe Ausbildung im Krisenmanagement dank bewährter Partnerschaft

Militärisches Krisenmanagement für zivile Führungskräfte: 54 Teilnehmende absolvierten eine Krisenmanagementausbildung im Rahmen des Executive Master of Business Administration am IMD. Als Führungsriege einer fiktiven Airline galt es, verschiedene Krisensituationen zu bewältigen – meist sogar mehrere gleichzeitig. Um dies zu bewerkstelligen, lernten globale Führungskräfte die Führungstätigkeiten der Schweizer Armee anwenden.

17.09.2020 | Kommunikation HKA, Michelle Steinemann

Berufsoffiziere und zivile Experten waren als Trainer in der Krisenmanagementübung eingesetzt. (VBS/DDPS)
Berufsoffiziere und zivile Experten waren als Trainer in der Krisenmanagementübung eingesetzt. (VBS/DDPS)

Sich nicht im Detail verlieren und kein Mikromanagement betreiben. Das ist nicht ganz einfach, wenn man als Kaderperson einer Airline mit Notsituationen wie einem Flugzeugabsturz, Nahrungsmittelvergiftungen und einer nicht funktionierenden Gepäckabfertigung konfrontiert ist. Das zentrale Ziel und gleichzeitig die wohl grösste Herausforderung der zweitägigen Krisenmanagementübung bestand darin, unter Widrigkeiten das strategische Management fortzuführen. Dazu war es nötig, die Übersicht zu wahren und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Unter Anleitung von Krisenexperten lernten die international vertretenen Kaderpersonen, diese Aufgaben zu meistern. Als Grundlage dienten die bewährten Führungsinstrumente der Schweizer Armee. Aufgrund der coronabedingt eingeschränkten Reisemöglichkeiten absolvierten 17 Teilnehmende die Übung online per Videokonferenzen und weiteren digitalen Möglichkeiten zur Zusammenarbeit; alles von der Schweiz aus begleitet.

Experimentelles Lernen

Die bekannte militärische Ausbildungsmethode «vormachen, mitmachen, nachmachen» galt in dieser Übung nicht bereits von Beginn weg. Die Teilnehmenden wurden direkt und ohne Hilfestellungen in die Krisensituationen «hineingeworfen». Sie sollten sich auf diese Weise – wie in einer echten Krise auch – gestresst und überfordert fühlen. Erst nach dieser experimentellen Phase begannen die Trainer zu unterrichteten. Zu ihnen gehörten aktive wie ehemalige Berufsoffiziere und höhere Stabsoffiziere, die die Übenden in der Anwendung der passenden Instrumente unterrichteten.

Inga Korneliusa, Head of Sales and Marketing der Avis Budget Russland, meinte zu dieser Vorgehensweise: «Der Anfang war extrem chaotisch. Aber nachdem die Trainer uns die richtige Anwendung beigebracht haben, scheinen die Instrumente mit etwas Übung nützliche Hilfsmittel zur Krisenbewältigung zu sein.» In Bezug auf die Coronapandemie gab sie zu: «Ich habe mich bis zur Coronakrise wenig für das Krisenmanagement interessiert. Aber jetzt versuche ich alles aufzusaugen, was mir in einer Krise nützlich sein kann. Dafür sind diese Hilfsmittel ideal, und ich werde sie nach meiner Rückkehr meinem Management vorstellen.»

Wael El-Afghani, Chef Dentalforschung in einem Spital in Kuweit, beschreibt die Ausbildung als äusserst gute Investition in die Zukunft und schätzte sehr, dass aktive und ehemalige Offiziere und höhere Stabsoffiziere in der Übung integriert waren – etwas, das er bisher nicht kannte.

Nutzen der militärischen Führungsausbildung im Zivilen

Die Übung leitete die Firma Kenel Crisis Leadership Training. Die militärischen Grundlagen, auf denen die Übung basierte, sowie deren Ausbildung verantwortete das Kommando für Management-, Kommunikations- und Informationsausbildung (MIKA). Oberst im Generalstab Mark Eigenheer, Kommandant MIKA, ging es nicht darum, eine verkürzte Offiziersausbildung anzubieten. Er erklärte: «Ich möchte den Chefs von privatwirtschaftlichen Firmen aufzuzeigen, wie wertvoll eine militärische Kaderausbildung ist. Und wenn eine Krisensituation eintritt, sollen die Teilnehmenden sich an die grundlegenden Dinge wie das systematische Vorgehen erinnern.» Dass dem tatsächlich so ist, konnte Stefan Michel, Dekan des EMBA, nur bestätigen: «Die Coronakrise betrifft jedes Unternehmen auf der ganzen Welt. Gerade in dieser ausserordentlichen Lage waren die Anfragen von Alumni besonders hoch. Sie erkannten den praktischen Nutzen ihrer damaligen Ausbildung und haben deshalb das Unterrichtsmaterial erneut beantragt.» 

Wertvolle strategische Partnerschaft zwischen IMD und der Schweizer Armee

Die guten Erfahrungen und positiven Rückmeldungen der Alumni während der letzten Jahre belegen denn auch die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen dem IMD und der Schweizer Armee. Und auch Stefan Michel unterstreicht: «Die Schweizer Armee und das IMD verbindet eine echte Partnerschaft, von der beide Seiten profitieren.»