print preview Zurück zur Übersicht Höhere Kaderausbildung der Armee

Sicherheit: Nicht nur Männersache

Am 2. November fanden sich über 100 Gäste zum Anlass «Chance Miliz» im Armee-Ausbildungszentrum Luzern ein. Die Kantonale Offiziersgesellschaft Luzern und die Zentralschule hatten zur kontroversen Diskussion eingeladen, ob mehr Frauen «unter die Fahnen» müssten.

06.11.2019 | Kommunikation Verteidigung

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Hptm Marina Weber-Tinner, Verantwortliche für die Rekrutierung der Frauen in der Armee.

Die Schweizer Armee weist mit nur 0.8% Frauenanteil den tiefsten Wert in Europa auf. Das Departement VBS hat dabei das erste Mal eine Frau als Vorsteherin. Bundesrätin Viola Amherd setzt sich für die Frauenförderung ein und hat dies bei Amtsantritt klar kommuniziert. Daher haben sich die Kantonale Offiziersgesellschaft Luzern und die Zentralschule im Rahmen der Reihe «Chance Miliz» eben diesem Thema gewidmet und diverse Referentinnen zur Debatte eingeladen. Im Zentrum der Diskussionen stand die Frage, wie Frauen für den Dienst in der Schweizer Armee gewonnen werden können.

Einigkeit über das Ziel – gespalten beim Weg dorthin

Alle Referentinnen waren sich einig, dass mehr Frauen rekrutiert werden sollten. Allerdings bestand Diskussionsbedarf, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Die Nidwaldner Justiz- und Sicherheitsdirektorin Karin Kayser-Frutschi hielt gleich zu Beginn fest, dass es nicht das Ziel einer forcierten Rekrutierung von Frauen sein könne, das Bestandsproblem der Armee lösen zu wollen. Nationalrätin Priska Seiler-Graf (SP) findet es falsch, dass Frauen zur Teilnahme am Orientierungstag verpflichtet werden sollen. Zuerst müsse die vollständige Gleichberechtigung umgesetzt sein, so Seiler-Graf. Kommunikationsfachfrau Esther Girsberger hat als Korporal selber Militärdienst geleistet und widersprach Seiler-Graf. Sie forderte, dass Frauen besser informiert werden müssten. Monetäre Anreize zu schaffen, darin waren sie sich dann jedoch einig, sei definitiv der falsche Weg.

Hauptmann Marina Weber-Tinner, verantwortlich für die Rekrutierung der Frauen für die Armee, kennt die Frage aus ihrem Arbeitsalltag. Sie strich heraus, dass es wichtig sei, die Frauen bereits vor dem freiwilligen Orientierungstag mit dem Thema vertraut zu machen. Ein erster Ansatz mit Auftritten von Kadern der Armee an den Schulen sei bereits umgesetzt. Noch zielführender als Auftritte wären laut Seiler-Graf kontroverse Podien an Schulen, um den gegenseitigen Austausch zu fördern. Brigadier Germaine Seewer übernimmt als Divisionär und erste Frau ab 2020 die Höhere Kaderausbildung der Armee. Aus ihrer Sicht müssen die Sicherheitspolitik und damit auch die Aufgaben der Armee im staatspolitischen Unterricht in der Schule mehr Gewicht erhalten.

Sinnvermittlung als zentraler Bestandteil der Rekrutierung

Als Schlüssel zu mehr Frauen in der Armee hoben die Teilnehmenden immer wieder die Vermittlung der Sinnhaftigkeit der Armee und ihres Tuns hervor, etwas, was beim Friedensförderungsdienst besser funktioniere als beim regulären Militärdienst mit Rekrutenschule und Wiederholungskursen. Die Alimentierung für den Friedensförderungsdienst funktioniert und der Frauenanteil liegt bei 20% – also um einiges höher als der armeeweite Wert von 0.8%. Kann die Armee ihren Daseinszweck besser vermitteln, kann sie schliesslich nicht nur Frauen, sondern auch mehr Männer von sich überzeugen.

Trotz allen Meinungsverschiedenheiten auf dem Podium und zwischen Referentinnen und Gästen – den Schlussworten des Präsidenten der Kantonalen Offiziersgesellschaft Luzern, Oberst Alexander Krethlow, konnten alle nachvollziehen: «Der Krieg ist zu ernst, um ihn einzig den Männern zu überlassen.»

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