print preview Zurück zur Übersicht Kommando Ausbildung

«Die Lernkurve steigt extrem schnell an»

Die Komfortzone verlassen und schwierige Entscheidungen treffen: In einem dreitägigen Kurs erlernen zivile Führungskräfte das Handwerk des militärischen Krisenmanagements. Absolvierende des Executive Master of Business and Administration müssen innert kürzester Zeit schwere Krisen einer fiktiven Airline bewältigen. Die Höhere Kaderausbildung der Schweizer Armee bietet dazu professionelle Methoden.

01.11.2021 | Kommunikation HKA, Rosmarie Brunner

Oberst im Generalstab Rolf Imoberdorf erklärt die 5+2-Methode.
Oberst im Generalstab Rolf Imoberdorf erklärt die 5+2-Methode. ©VBS/DDPS, Rosmarie Brunner

«Kann eine unserer Partnerfirmen ein Ersatzflugzeug schicken?» Die Chefin des Krisenstabes schaut fragend in die Runde, bleibt mit ihrem Blick am zuständigen Mitarbeiter hängen. Ja, es gebe eine Partnerfirma, ja, die könne möglicherweise Passagiere an ihre Zieldestination bringen. Er solle weitere Abklärungen treffen, ordnet die Chefin an. Im Hintergrund notiert der Stabsassistent die Angaben auf einem Whiteboard.

«Der Assistent ist beindruckend», sagt Oberst im Generalstab Rolf Imoberdorf. Er ist der zuständige Coach für diesen Krisenstab. Vor gut einer Stunde hat er die neun Männer und Frauen instruiert, hat die Ausgangslage erläutert, erste Instrumente eines militärischen Krisenmanagements erklärt.

Im Krisenstab beginnt eine intensive Diskussion. Das sei typisch, sagt Imoberdorf: «Zu Beginn ist die Situation oft chaotisch.» Informationen beschaffen, sich einen Überblick verschaffen und dann entscheiden, diese drei Schritte seien zentral, wird Imoberdorf nur wenige Minuten später den Teilnehmenden erklären. Er ist einer von vier Coaches, welche die Teilnehmenden während knapp drei Tagen betreuen. Es sind intensive Stunden, die Männer und Frauen stehen unter Zeitdruck, arbeiten bis spät in die Nacht. Immer wieder werden sie vor neue komplexe Probleme gestellt, müssen Lösungen suchen. Der Druck steigt, der Stresspegel auch.

Das sei gewollt und entspreche einem realistischen Szenario, sagt Imoberdorf. Der 48-Jährige hat schon über ein Dutzend Mal solche Kurse gecoacht. Die Klientel ist international. Das mache diesen Job so spannend: «Unterschiedlichste Kulturen treffen aufeinander.» Trotzdem würden sie es innert kurzer Zeit schaffen, Lösungen für hochkomplexe Krisen zu finden. Einerseits liege das am fachlichen Knowhow, das vermittelt werde. Faszinierend sei auch, wie umsetzungsstark die Teilnehmenden seien: «Die Lernkurve steigt extrem schnell an. Es sind leistungsstarke Persönlichkeiten, die Herausforderungen geradezu suchen.» Gegen Abend trifft der Chef der Armee ein. Korpskommandant Thomas Süssli geht bei den Gruppen vorbei, erkundigt sich nach dem aktuellen Stand der Arbeiten, fragt nach. – Welchen Stellenwert hat der IMD-Kurs für ihn? Krisenmanagement sei neben der praktischen Kaderausbildung und der 5+2-Methode ein Alleinstellungsmerkmal der Schweizer Armee. «In einer Krisensituation im Team arbeiten und trotzdem das Potenzial von jedem einzelnen nutzen ist eine Kernkompetenz der Armee.» Eine Kompetenz, welche die Armee weitergeben könne.

Systematische Aktionsplanung

5+2 ist die kurze Zusammenfassung des Prozesses der Führung und Stabsarbeit der Schweizer Armee und umfasst die fünf Hauptschritte Problemerfassung, Beurteilung der Lage, Entschlussfassung, Planentwicklung und Befehlsgebung. Dieser Prozess wird ständig durch die zwei Tätigkeiten Zeitplanung und Sofortmassnahmen begleitet. Diese standardisierten Führungstätigkeiten führen zu einer Einheitlichkeit und Verbindlichkeit, welche im Krisenmanagement eine hohe Verfahrenssicherheit garantieren.