print preview Zurück zur Übersicht Kommando Ausbildung

Wenn der Einsatzraum ein Spital ist

Wie die Küchenmannschaften leiden auch Spitalformationen unter Engpässen bei der Rekrutierung; entgegen der Annahme, dass Corona den medizinischen Funktionen der Armee Schub verleihen könnte. Auch Cheyenne De Leon und Tim Schaufelberger tauschen den Tarnanzug gegen eine Pflegeschürze. Sie sind Spitalsoldaten: Sie leisten Dienst für ihr Land, helfen Mitmenschen und erhalten eine gute Ausbildung für das Zivilleben.

30.09.2021 | Kommunikation Verteidigung, Fahrettin Calislar

Rekrut Tim Schaufelberger übergibt einer älteren Patientin eine Blume. ©VBS/DDPS, Fahrettin Calislar

Spitalbataillone und Sanitätskompanien trugen während der Pandemie die Hauptlast des grössten Einsatzes der Armee seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie kämpften mit zivilen Fachleuten in den überlasteten Spitälern gegen die Pandemie. Sie arbeiteten in Intensivstationen, fuhren Ambulanzen und nahmen der zivilen Pflege die leichten Fälle ab. 

Neben den Formationen im Wiederholungskurs waren auch zahlreiche Freiwillige sowie Angehörige der Spital- und Sanitätsschulen aufgrund ihrer vielseitigen Einsatzmöglichkeiten den zivilen Partnern eine grosse Hilfe.

Unterstützung der Armee

Pflegeheim Solina in Spiez (BE): Hauptadjutant Daniel Hubacher, Chef Fachausbildung Sanität in den Spitalschulen 41 in Moudon, besucht seine zehn Rekruten im Praktikum. Alle angehenden Spitalsoldaten arbeiten während drei Wochen im Mitteldrittel der Rekrutenschule in einer zivilen Institution. Das Solina ist seit vielen Jahren einer der grössten Partner der Armee.

«Guten Tag, Ruth. Wir gehen jetzt spazieren». Das sagt Rekrut Till Schaufelberger und fügt an: «Demente Leute reagieren auf Vornamen.» Er fährt die betagte Frau durch den Garten. Der Gymnasiast will Medizin studieren und versteht sein RS-Engagement als Einstieg. Die Ausbildung sei anregend, und er könne erworbenes Wissen im Zivilleben anwenden.
Das Solina betreut Menschen mit vielen unterschiedlichen Krankheitsbildern gemeinsam in einer Station. Schaufelberger betont, dass dies auch für sie besonders lehrreich ist. Sie seien als Anfänger im Gesundheitswesen zu Beginn ins kalte Wasser geworfen worden, sagt er. Sie hätten die Startschwierigkeiten jedoch schnell hinter sich gelassen und Scham und Ekel überwinden können.

Währenddessen serviert Rekrutin Cheyenne De Leon auf Stock 3 das Essen. Sie wollte in die Armee, weil das für sie ein Akt der Gleichberechtigung sei. Und als Spitalsoldatin könne sie Menschen helfen. Sie hatte einen guten Start in die Ausbildung, wie sie sagt: «Wir haben das geübt, wir wissen, wir können das. Die Hemmung, an die Patienten zu gehen, war deshalb nicht so gross. Wir durften uns auch die nötige Zeit nehmen, um uns sicher zu fühlen.» Gerade die für viele heikle Intimpflege habe für sie keine besondere Überwindung dargestellt.

Armee gewährleistet gute Ausbildung

Hauptadjutant Hubacher möchte den Anteil der Berufsleute unter den Spitalrekruten erhöhen. Die Funktion sei gerade für sie besonders attraktiv. Er hat deshalb einen Spezialzug eingeführt. Er besteht aus Rekruten, die schon im Zivilleben im Gesundheitswesen arbeiten. «Sie unterstützen mit ihrer zivilen Kompetenz die Kader in der Fachausbildung oder arbeiten im Praktikum in Notfallstationen.» 

Seine Schützlinge messen Blutdruck, wechseln Verbände, spazieren mit Patienten, servieren Essen. Hubacher betont, dass die Rekruten eine bessere Ausbildung erhalten, als sie generell im Praktikum einsetzen. Beispielsweise könnten sie auch Blut abnehmen oder Infusionen legen. Und in einigen Spitälern werden sie durchaus auch für solche Aufgaben eingesetzt.
Er stellt jedoch klar, dass die Spitalsoldaten auch in allgemeinen militärischen Themen ausgebildet werden.

Ziviler Partner ist zufrieden

Die Zusammenarbeit mit den zivilen Partnern sei wichtig und eng, betont der Hauptadjutant. Die Heimleitung bewertet das Praktikum und entscheidet, ob es «erfüllt» ist. «Wir vertrauen ihnen. Und sie vertrauen uns, dass wir ihnen nur gut ausgebildete Leute schicken.»

Standortleiter Thomas Schwaar ist begeistert über die «reibungslose Zusammenarbeit», wie er sagt: «Unsere Rekruten sind Gold wert. Sie sind diszipliniert, hoch motiviert und bringen neuen Wind in unser Haus.» Man könne sie effizient einsetzen – und bilde sie gleichzeitig an echten Patienten aus.

Nach ihrer Ausbildung werden die Spitalsoldaten vielseitig eingesetzt. Je nach Bedarf erhalten sie vorgängig ergänzend eine einsatzbezogene Ausbildung. Und sie gehören, wie die Pandemie gezeigt hat, zu jenen, die an vorderster Front stehen.

Fotos

Funktionen

Medizinische Funktionen für die Armee

Mehrere Funktionen sichern die medizinischen Bedürfnisse der Armee ab und werden darauf ausgebildet. Die Sanitätssoldaten werden in Airolo (TI) in den Sanitätsschulen 42 ausgebildet. Sie kümmern sich um kurzfristige Notfälle und machen Rettungseinsätze. Die Spitalsoldaten aus den Spitalschulen 41 in Moudon (VD) sind zuständig für die Pflege über längere Zeit und unterstützen zivile Spitäler in der Primärpflege. Sie pflegen also bereits behandelte Patienten. Dafür haben sie eine Ausbildung für Alters- und Langzeitpflege des Schweizerischen Roten Kreuzes. Der Spitalsoldat Militärmedizinische Region (MMR) geht bereits in der Rekrutenschule einen anderen Weg. Er assistiert den Militärärzten und Pflegern in den regionalen Medizinischen Zentren der Armee und in den verschiedenen Krankenabteilungen oder Ambulatorien. Militärärzte schliesslich absolvieren parallel zu ihrem Studium ihren Militärdienst. Sie werden dort insbesondere in der Kriegs- und Katastrophenmedizin weitergeschult.

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