print preview Zurück zur Übersicht Kommando Ausbildung

In Tarnanzug und Schürze in der Kasernenküche

Gesundheit und Motivation der Truppe hängen auch von der Qualität der Verpflegung ab. Truppenköche bereiten Mahlzeiten für die Armeeangehörigen zu. Die Armee bildet dafür zivile Fachkräfte aus. Der Truppenkoch ist eine ihrer Schlüsselfunktionen und zunehmend gefragt.

10.09.2021 | Kommunikation Verteidigung, Fahrettin Calislar

Der Gefreite Ryan Gauch leistet seinen Dienst als Truppenkoch in der Kaserne Liestal. ©VBS/DDPS, Fahrettin Calislar

Freitag. Es gibt unter anderem Schnitzel und Pommes Frites in der Kaserne Liestal. Truppenkoch Gefreiter Ryan Gauch und sein Team treten ihren Dienst an. Sie sorgen dafür, dass gutes Essen gesund und in genügender Menge auf die Teller kommt. «Wer den ganzen Tag hart arbeitet, muss was in den Magen kriegen», sagt Gauch.

Handwerk wo möglich

Sie bereiten an diesem Tag 60 Kilo Pommes zu. Die Kartoffeln schälen muss aber niemand. Die Pommes kommen aus dem Tiefkühler. Anderes machen sie möglichst frisch und eigenhändig, so Gauch. «Das ist ein Qualitätsunterschied.» Am Vorabend haben sie einen Fond mit Fleisch, Knochen, Kräutern und Gewürzen angesetzt. «Es ist wichtig, dass es schmeckt.»

An diesem Tag erwartet das fünfköpfige Küchenteam der Infanteriebereitschaftskompanie rund 180 Esser. Der Küchenchef, der «Küsche», Wachtmeister Timon Frischknecht, rechnet mit rund 200 Portionen. Eine Reserve ist sinnvoll.

Kochen in grossen Mengen

Gauch machte die Lehre in einer Spitalküche. Er weiss, wie man in grossen Mengen kocht und abschmeckt. Köche aus klassischen Restaurants müssen sich umgewöhnen. Die Gäste in der Kaserne müssen pünktlich essen können. Fünf Minuten Verspätung – und die Schlange reicht bis auf den Kasernenplatz. Dafür ist mehr Ordnung in der Küche, so Gauch. Man hat humanere Arbeitszeiten als in einem zivilen Gastrobetrieb. Und man ist selbstständig. Ab und zu steht auch mal ein Bankett auf dem Programm. «Da haben wir kreative Freiheit und konnten etwas Schönes machen.»

Eigentlich wollte Gauch ja Verkehrssoldat werden. Er hat sich aber auch auf die Einteilung in die Armeeküche gefreut. Er ist Stellvertreter des Küchenchefs und trägt Verantwortung. Gauch legt vorsichtig eine weitere Ladung Schnitzel ins Öl. Er ist flexibel einsetzbar. Truppenkoch halt.

Gewinn fürs zivile Berufsleben

Musik übertönt den Lärm der Geräte und das Brutzeln des Fleisches. Zangen klopfen im Takt. Kommunikation läuft automatisch. Man versteht sich, ist eingespielt. Pommes und Fleisch kommen nach der Zubereitung in die Wärme und dann in den Teller. Das Team an der Fassstrasse arbeitet Hand in Hand. «Wir sind wie eine Familie, haben ein Superklima, jeder denkt mit», so Gauch. Jeder bringt sein Fachwissen ein. «Ich lerne viel von meinen Kameraden für den zivilen Beruf.» Immer wieder bringt jemand Nachschub oder trägt Material weg. Auch Sonderwünsche werden erfüllt: kleinere Portionen oder weichere Pommes. Fragen lohnt sich.

Vier Stunden Vorbereitung und eine halbe Stunde Stress. Danach müssen Gauch und sein Team aufräumen und putzen.

Ausgezeichnete Ausbildung

Truppenköche haben eine Schüsselfunktion in der Armee. Sie bildet im Ausbildungszentrum Verpflegung in Thun bis zu 600 Fachleute aus der Gastro- und Lebensmittelbranche, sowie Küchenaffine zu Truppenköchen aus. So deckt die Armee ihren Bedarf. Die Besten werden zum Küchenchef und Unteroffizier befördert oder werden gar ins Swiss Armed Forces Culinary Team berufen, die Nationalmannschaft der Armeeköche.

Die Armee kann so die Leistungserfüllung auch langfristig gewährleisten.

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