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Kein Museum!

Knapp 2500 Gebiete in der Schweiz waren einmal oder sind noch immer Zielgebiete der Armee. Trotz regelmässiger Räumungsarbeiten kann man leicht auf nicht explodierte Munition stossen, die häufig aufgrund von Lage und Zustand kaum erkennbar ist. Die Referenzsammlung mit über 5000 Objekten ist von wesentlicher Bedeutung, wenn die KAMIR-Spezialkräfte lernen, Munition zu identifizieren.

10.08.2021 | Kommunikation Verteidigung, Jonathan Binaghi

Die Referenzsammlung mit über 5000 Objekten ist von wesentlicher Bedeutung, wenn die KAMIR-Spezialkräfte lernen, Munition zu identifizieren.
Die Referenzsammlung mit über 5000 Objekten ist von wesentlicher Bedeutung, wenn die KAMIR-Spezialkräfte lernen, Munition zu identifizieren. © VBS/DDPS, Kompetenzzentrum ABC-KAMIR

In der Schweiz existieren rund 2500 aktuell genutzte oder stillgelegte Zielgebiete. Die grössten befinden sich in den Bergen, wie Säntis, Bure, Bière, Axalp, Simplon und Isone. Wer in diesen Gebieten zu Fuss unterwegs ist, kann leicht auf nicht explodierte Munition oder Munitionsteile stossen, die noch nach Jahrzehnten eine Gefahr darstellen können. Der Armee liegt der Umweltschutz am Herzen. Deshalb organisieren die Koordinationsstellen der vier Territorialdivisionen regelmässig Aufräumtage in den Zielgebieten mit KAMIR-Spezialkräften oder beim Kompetenzzentrum ABC-KAMIR ausgebildeten Truppenspezialisten. Die Zielgebiete sind gross und häufig schwer zugänglich, wodurch Munitionsteile unentdeckt im Gelände verbleiben können.

Viele unterschiedliche Munitionsreste

Allerdings kommen nicht explodierte Munition und Munitionsteile nicht nur in Zielgebieten vor. In Seen, auf Feldern, in der Stadt und sogar in Wohngebieten kann man auch auf Sprengkörper stossen. Als wäre dies nicht schon schwierig genug für die Finderin oder den Finder, ist das Material infolge von Gebrauch und Witterungseinflüssen oft stark beschädigt, verrostet und verformt, sodass es nur schwer erkennbar und kaum von herkömmlichem Abfall zu unterscheiden ist. Es gilt, auch in dieser Situation äusserst vorsichtig zu sein und im Zweifelsfall die folgenden Verhaltensregeln zu befolgen: Nie berühren – markieren – melden!

Mehr als 600 Munitionsarten

Auch für die Spezialistinnen und Spezialisten des Kommandos KAMIR kann die Identifizierung schwierig sein. Sie können sich dabei jedoch auf ein wichtiges Hilfsmittel stützen: die Referenzsammlung von über 600 Munitionsarten, die ab Ende der 1960er-Jahre von der Spezialabteilung 26 der Gruppe für Rüstungsdienste (Vorgängerorganisation von armasuisse und der RUAG) aufgebaut wurde; 2004 übernahm das Kommando KAMIR diese Arbeit. Neben sämtlicher Munition, die zur Ausrüstung der Schweizer Armee gehört oder gehörte, enthält die Sammlung auch viele ausländische Munitionstypen. Wenn die KAMIR-Spezialkräfte während einer Auslandmission neuen Munitionstypen begegnen, versuchen sie, über offizielle Kanäle wie armasuisse eine entsprechende inerte Munition zu erhalten.

Ein wertvoller Beitrag zur Ausbildung der Spezialkräfte

Heute umfasst die Referenzsammlung über 5000 Objekte in gutem Zustand. Es mag den Anschein haben, dass es sich dabei um Museumsstücke handelt. Doch in Wirklichkeit bilden diese Objekte ein wichtiges Ausbildungselement. Dies ermöglicht, die visuelle Erfassung und die Identifizierung zu trainieren – besonders wichtige Kompetenzen für die KAMIR-Spezialkräfte, damit sie unter grösstmöglicher Sicherheit ihre Arbeit im Gelände ausführen können.

Munitionsfunde

Es ist wichtig, die Verhaltensregeln bei Munitionsfunden zu kennen. Munition, die nicht oder nur teilweise explodiert ist, kann auch Jahrzehnte später noch gefährlich sein. Wenn Sie auf einen Blindgänger stossen, sei es auf einer Wanderung oder bei der Räumung eines Kellers, gilt: Nie berühren – markieren – melden!

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KAMIR

Durch das Kommando KAMIR werden die Angehörigen der Armee unter anderem auf die Gefahr durch Minen sowie andere explosive Objekte und das richtige Verhalten in solchen Situationen vorbereitet. Im Kommando KAMIR wird die Blindgängermeldezentrale betrieben, welche sich um die Entsorgung von Munitionsschrott beziehungsweise die Sprengung von Blindgängern in der ganzen Schweiz kümmert.

Kompetenzzentrum ABC-KAMIR