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Eine Armeeseelsorge für alle

Die Nachfrage der Armeeangehörigen nach seelsorgerlicher Betreuung ist gross. Deshalb steht die Armeeseelsorge zur Verfügung. Sie passt sich stets gesellschaftlichen Veränderungen und den Bedürfnissen ihrer vielfältigen Kundschaft an. Sie bietet einen Dienst für alle; so auch für ihre jüdischen und muslimischen Armeeangehörigen.

05.05.2021 | Kommunikation Verteidigung, Fahrettin Calislar

Die Armeeseelsorge bietet kompetente spirituelle Betreuung für Armeeangehörige verschiedener Glaubensrichtungen. @VBS/DDPS, ZEM, Matthias Bill

Jeder Armeeangehörige (AdA) soll sich an die Armeeseelsorge wenden können. Das sei in einer diversifizierten Gesellschaft mit ihrer religiösen Vielfältigkeit besonders wichtig, sagt der Chef Armeeseelsorge, Stefan Junger. Deshalb führt sein Dienst neben Angehörigen aus den drei Landeskirchen neu auch solche mit freikirchlichem Hintergrund in seinen Reihen.

Dabei soll es nicht bleiben. In der Truppe gehören auch jüdische und insbesondere muslimische AdA zum Alltag. Junger führte deshalb Gespräche mit muslimischen und jüdischen Verbänden und schloss mit ihnen eine Vereinbarung.

Mehr als ein symbolischer Akt

Die Partnerschaft stösst in der muslimischen Gemeinschaft in der Schweiz auf positives Echo. Er erlebe sie als eine Art Anerkennung, sagt Muris Begovic von der Föderation islamischer Dachorganisationen. Er ist sicher, dass muslimische Seelsorger gebraucht werden. Heute rückten christliche und muslimische AdA gemeinsam in den Dienst ein und bewältigten gemeinsam den Alltag in der Armee. Deshalb brauche es auch in der Seelsorge christliche und muslimische Perspektiven. «Wir sind da, wenn es uns braucht, im Dienstalltag wie auch bei Notfällen.»

Auch Begovic führte bereits viele Seelsorgegespräche mit Menschen, die sich nicht als Muslime verstehen. Es gehe nicht darum, dem Gegenüber eigene Überzeugungen zu vermitteln, sondern, ihm einfach zur Seite zu stehen, so Begovic, ihm zu begegnen und ihm zuzuhören. Doch manchmal, bei ganz spezifischen theologischen Fragen etwa, reiche das nicht. Und dann komme die Zusammenarbeit unter den Seelsorgenden zum Zug. «Wir unterstützen einander bei Bedarf. Alles zum Wohl des AdA.»

Für den Religionsfrieden

Bisher gab es aufgrund der kleinen Anzahl jüdischer Dienstleistender noch nie einen Militärrabbiner in der Schweiz. Der Israelitische Gemeindebund SIG begrüsst die Partnerschaft. Es sei klar, dass es dabei nicht nur um die Betreuung jüdischer Armeeangehöriger gehe, sondern um eine Präsenz zu Gunsten aller. Dass damit auch ein Effort für die Sensibilisierung gegen Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus geleistet werde, sei eine zusätzliche Motivation. Der SIG schätze die offene und konstruktive Herangehensweise der Armee, hält dessen Präsident Ralph Lewin fest. Diese Kooperation werde für beide Seiten lehr- und erfolgreich sein.

Gemeinsame Werte

Es ist wichtig, dass Seelsorger aus verschiedenen Konfessionen in ihrer Arbeit auf einem Fundament gemeinsamer Werte aufbauen und sich an die ökumenische Vielfalt des Dienstes anpassen können. Im Rekrutierungsprozess werden diese Fragen thematisiert, betont Dienstchef Junger. Künftige Angehörige der Armeeseelsorge verpflichten sich zur Einhaltung gemeinsamer Grundsätze. Sie müssen glaubhaft für alle da sein.

Gegenseitige Seelsorge ist das A und O

Sein Dienst sei nicht nur für die «eigenen» Leute da, schliesst Junger. «Wir sind eine Seelsorge für alle. Es gibt bei uns immer nur einen Seelsorger pro Einheit.» Junger geht es neben der Bewahrung des religiösen Friedens um ein gemeinsames Selbstverständnis in der Armee. «Wir sind eine Armee für alle. Darum müssen wir auch eine Armeeseelsorge für alle sein.»

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Ein Dienst für alle

Ein Dienst für alle

Die Armeeseelsorge ist wohl das erste wirklich ökumenische Gefäss in der Schweiz überhaupt. Feldprediger gab es schon in den Milizheeren der alten Eidgenossenschaft und ab 1874 in der Schweizer Armee. 1907 wurde die Seelsorge als integraler Bestandteil der Armee offizialisiert. 2020 hat sie beschlossen, ihre Seelsorge auf ein neues Fundament zu stellen. Sie öffnet sich darin anderen Religionsgemeinschaften und reagiert so auf die diverse religiöse und weltanschauliche Lebensrealität ihrer Angehörigen. Bedingung für die Aufnahme sind Vereinbarungen mit den Dachverbänden der Gemeinschaften, in denen die Armee zu respektierende Prinzipien festlegt.

Rund 37 Prozent der in der Schweiz lebenden Muslime sind Schweizer Bürger (2019). Zwar gibt es keine Statistiken über die Religionszugehörigkeit der Armeeangehörigen, doch die Statistik zeigt auf, dass 8,75 Prozent der 15 bis 24-Jährigen in der Schweiz Muslime und 0,26% jüdischen Glaubens sind. Rund 60% der jungen Menschen gehören einer christlichen Konfession an, etwas mehr als die Hälfte von ihnen sind Katholiken.

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