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Wenn Arztkittel auf Uniform trifft

Ein frisch beförderter Offizier trifft am Ende seiner Ausbildung zum Militärarzt auf einen routinierten Ober- und Truppenarzt. Die beiden üben begeistert eine Tätigkeit aus, die einen wichtigen Einfluss auf die Ausbildung, die Motivation der Truppe und die kollektive Gesundheit hat. Ein Blick auf Ausbildungsmöglichkeiten und deren Vorteile für angehende Mediziner, wenn sie den Weg zum Militärarzt einschlagen.

04.07.2019 | Kommunikation Verteidigung, Giorgio Krüsi

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Fabio Agri (links) und Christian de Mestral sind leidenschaftliche Militärärzte.

Christian de Mestral, 26-jährig aus Aubonne (VD), hat gerade sein Offiziersbrevet als Militärarzt erhalten. Er hat zwar lange studiert, dennoch steht er erst am Anfang seiner Karriere als Mediziner. Seine Rekrutenschule absolvierte er 2015. Von der Ausbildung zum Militärarzt versprach er sich, in der Armee praktische Erfahrungen sammeln zu können.

Leutnant de Mestral trifft in Lausanne den Fabio Agri, Oberarzt am Universitätsspital CHUV und Militärarzt seit 15 Jahren, zum Austausch. Der 35-jährige Bieler erinnert sich gerne an die eigene Rekrutenschule, die er 2003 absolvierte. Die Kameradschaft, der Mut, den es brauchte, um aus dem Zivilleben ungewohnte Aufgaben erledigen zu können, sowie der Korpsgeist sind ihm aus dieser Zeit in guter Erinnerung geblieben. Derzeit ist Agri Militärarzt im Stab des Fliegerverbands 11. Der Hauptmann wird nach seiner intensiven Zeit bei der Truppe in den Stab des Oberfeldarztes aufgenommen. Dort wird er sich der Strategie, der Planung sowie dem Coaching widmen.

Vom Generalisten zum Spezialisten

Die beiden Offiziere empfehlen Medizinstudenten den Werdegang als Militärarzt. «Mit der Ausbildung entwickeln sie sich, im Zivilleben wie auch in der Armee, vom Generalisten zum Spezialisten», sagt Hauptmann Agri. «Damit übernehmen sie Verantwortung und können Managementkompetenzen aufbauen, die sie auch im Zivilleben einsetzen können.» Hinzu komme, fügt Leutnant de Mestral an, dass man sich gerade mit der Ausbildung im Notfallbereich zentrale Kenntnisse aneigne, um für zukünftige Krisensituationen optimal gerüstet zu sein. Denn, und das sei das Tüpfelchen auf dem I der Ausbildung, «sie können sich den Dienst als obligatorisches Praktikum an das Studium anrechnen lassen».

Austausch und Kommunikation sind zentral

Agri stellt Unterschiede in der Einstellung seiner und der nachfolgenden Generationen fest: «Während die in den 1970ern und 1980ern Geborenen sich auf jene eine Aufgabe konzentrieren, die ihnen gestellt wurde, tendieren die Generationen X, Y und Z dazu, sich aufgrund verschiedener Interessen zu verzetteln.» Es sei wichtig, den Austausch und die Kommunikation zwischen den Kadern und den Soldaten zu fördern. Der Militärarzt habe dabei eine besondere Funktion, stellt Agri klar: «Wir haben eine verbindende Rolle. Wir sind Mittler und Motivatoren zwischen den hierarchischen Ebenen, damit können wir viel erreichen.»

Die Funktion des Militärarztes öffnet zudem viele Türen ins zivile Berufsleben und erlaubt die Vernetzung mit erfahrenen Ärzten, seien dies Chirurgen oder andere Spezialisten. Die Ausbildung zum Militärarzt fördert so in jeder Beziehung die Kompetenzen im medizinischen Berufsalltag, wenn die Uniform wieder dem Kittel weicht.
 

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Oberst im Generalstab Peter Scheidegger, Kommandant der Militärarzt Offiziersschule 41, befördert Wachmeister Christian de Mestral (rechts) in den Rang eines Leutnants (Kirche St. Etienne in Moudon, 28.06.2019).

32 Wochen Ausbildung

Um Militärarzt zu werden, haben Fabio Agri und Christian de Mestral die Ausbildung zum Unteroffizier und zum Offizier in Moudon absolviert. Der Lehrgang kann vor oder während des zivilen Medizinstudiums gemacht werden, spätestens aber 2 Jahre nach dem Staatsexamen. Ein Militärarztanwärter hat in der Regel zuvor eine Rekrutenschule an der Spitalschule in Moudon oder bei den Sanitätsschulen in Airolo absolivert, bevor er die eigentliche Ausbildung beginnt. Unter bestimmten Bedingungen kann die Rekrutenschule, in der Regel die Spitalschule 41 in Moudon, auf sechs Wochen verkürzt werden. Eine sechswöchige Unteroffiziersschule schliesst daran an, dann folgen acht Wochen in der Offiziersschule. Letztere kann aufgeteilt werden. Wenn der Kandidat sein Staatsexamen erfolgreich absolviert hat, dient er während zwölf Wochen als Truppenarzt.