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Schweizer Werte in der Krisenbewältigung

Mehr als 60 Kaderpersonen aus aller Welt fanden sich zusammen in der Kaserne von Savatan VS zum dreitägigen Krisenbewältigungskurs. Der Kurs bildet den Abschluss des Executive Master of Business Administration des International Institute for Management Development (IMD) und wird in Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee durchgeführt. Diese stellt zahlreiche Kader und Milizspezialisten zur Verfügung. Die Teilnehmer erlernen die Krisenbewältigungsmethodik der Armee und üben anhand von konkreten Szenarien Techniken, welche sie auch in ihrer zivilen Tätigkeit verwenden können.

27.11.2018 | Kommunikation Verteidigung

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Auf Island ist ein Vulkan ausgebrochen, der Flugverkehr in ganz Europa ist lahmgelegt. Tausende von Passagieren sind in Flughäfen gestrandet. Als fiktiver Flughafenbetreiber GENERIC müssen Sie gemeinsam mit Ihrem Stab eine Reihe von Massnahmen ergreifen, um diese Krisensituation zu bewältigen, inklusive Garantie der Sicherheit von Personen und Infrastruktur. So lautete ein Krisenszenario aus dem in Zusammenarbeit mit der Armee erarbeiteten IMD-Kurs.

Zweimal pro Jahr angeboten, zusammen mit dem Kommando Management, Information und Kommunikation der Armee (MIKA), bietet dieser Kurs den zukünftigen IMD-Diplomanden die Gelegenheit, das Krisenmanagement der Armee in der Praxis anzuwenden. Dank der grossen Erfahrung in der Krisenbewältigung kann die Armee den Teilnehmern die Methoden zur Führung in verschiedenen Krisen und Katastrophen näherbringen.

Die Organisatoren haben in der Übung des fiktiven Flughafenbetreibers GENERIC fünf Phasen vorbereitet. In jeder Phase kommt es in einem bestimmten Bereich des Flughafens zur Krise, und es wird auf eine der folgenden fünf Schritte fokussiert: Problemerfassung, Beurteilung der Lage, Entschlussfassung, Planentwicklung sowie Befehlsgebung und Lagecontrolling.

Die Teilnehmer waren in sechs Krisenstäbe unterteilt, jeder von einem Generalstabsoffizier begleitet im Rang eines Oberstleutnants oder Obersten. Zudem trainieren die Kursteilnehmer, eine effiziente Krisenkommunikation aufzustellen und Pressekonferenzen durchzuführen.  Dabei kamen sie ins Journalisten-Kreuzfeuer, inszeniert von MIKA-Spezialisten.

Einzige Erfahrung ihrer Art

Bereits physisch bot der Kurs eine aussergewöhnliche Situation: der Bunker in Savatan VS lockte die Teilnehmer aus der Komfortzone heraus. Ohne natürliches Licht, ohne Telefon- oder Internetanschluss und mit minimalen Ruhezeiten war die Gruppe einem stetigen Druck ausgesetzt. Trotz Belastung und Müdigkeit fielen die Rückmeldungen positiv aus: «Das ist die Gelegenheit, in einer realistisch nachgestellten Situation zu lernen», so ein Teilnehmer. «Es ist sehr hart aber ich schätze es eine Methode zu lernen, die bereits krisenerprobt ist», fügt eine andere Person hinzu.

Neben der Methodik für Analyse und Führung bieten die drei Tage auch einen Einblick in das Wertesystem der Schweizer Armee.  Denn beim Zusammenleben und -arbeiten auf kleinstem Raum mit Personen verschiedener Herkunft muss jeder Einzelne die Fähigkeit zur gegenseitigen Unterstützung, Bescheidenheit, Offenheit und Kameradschaft unter Beweis stellen.

Eine Win-win-Partnerschaft

Dieses Jahr erfreuten sich die Kursteilnehmer eines Besuchs des Chefs der Armee, Korpskommandant Philippe Rebord, sowie des Vizepräsidenten des IMD-Verwaltungsrats, Michel Demaré. Beide unterstrichen die hervorragende Zusammenarbeit der Institutionen. «Sie bietet eine einmalige Erfahrung für unsere Studenten», erklärte Michel Demaré. «Diese lernen eine strikte militärische Methodik, welche sie ebenso im Zivilen anwenden können.» Der Chef der Armee ergänzt: «Unsere Zusammenarbeit bringt auch der Armee etwas: die Teilnehmer sind Kaderpersonen aus der ganzen Welt. Für unsere Kursleiter ist es geradezu eine Chance, solche Talente ausbilden zu dürfen.»

Neues für die Zukunft

Seit 2015 zum achten Mal organisiert, erlebte der Kurs seine letzte Ausführung in dieser Form. Wenn sich die Zusammenarbeit der beiden Organisationen auch in Zukunft weiter ergibt, sollen neue Formen definiert werden. «Bisher haben wir immer mit einem Flughafen-Szenario gearbeitet», erklärt Oberst im Generalstab Mark Eigenheer, Kommandant MIKA. «Für nächstes Jahr haben wir den Anspruch etwas Neues zu entwickeln.»