Studie «Sicherheit 2026»: Wunsch nach einer starken Armee und mehr sicherheitspolitischer Kooperation
Bern, 26.05.2026 — Schweizerinnen und Schweizer beurteilen die weltpolitische Lage sowie die Zukunft der Schweiz 2026 noch pessimistischer als 2025. Gleichzeitig ist der Anteil derjenigen, welche die Verteidigungsausgaben als zu tief bewerten, so hoch wie noch nie seit Messbeginn 1986. Die Schweizer Armee wird positiv bewertet und eine NATO-Annäherung ist mehrheitsfähig. Dies zeigt die Studie «Sicherheit 2026», die von der Militärakademie (MILAK) an der ETH Zürich und dem Center for Security Studies (CSS) der ETH Zürich herausgegeben wird.
Mit 86% (+5 Prozentpunkte [Pp] gegenüber 2025) beurteilen Stimmberechtigte die weltpolitische Lage deutlich pessimistischer als im Vorjahr. Befragte bewerten auch die Zukunft der Schweiz bedeutend pessimistischer als 2025 (37%, +7 Pp) und nur noch 82% (–4 Pp) fühlen sich im Allgemeinen sicher. Somit liegt das Sicherheitsgefühl auf dem tiefsten Stand seit 20 Jahren.
Unterstützung für eine starke Armee nimmt weiter zu
83% (+3 Pp) der Stimmberechtigten halten die Armee für unbedingt oder eher notwendig. 25% (–4 Pp) möchten die Wehrpflicht abschaffen. Dies entspricht dem tiefsten gemessenen Wert seit dem Ende des Kalten Krieges. Gleichzeitig ist der Anteil derjenigen, welche die Verteidigungsausgaben als zu tief bewerten, so hoch wie noch nie (29%, +5 Pp) seit Messbeginn im Jahr 1986. Weiter denken 72%, dass die Armee dem Zusammenhalt der mehrsprachigen Schweiz dient.
Mehr sicherheitspolitische Kooperation gewünscht
Eine Mehrheit von 56% (+3 Pp) spricht sich für eine NATO-Annäherung aus. 43% (+7 Pp) der Schweizerinnen und Schweizer sind der Ansicht, dass die Mitgliedschaft in einem europäischen Verteidigungsbündnis der Schweiz mehr Sicherheit bieten würde als die Beibehaltung der Neutralität. Dies ist der bis jetzt höchste gemessene Wert.
Neutralität als Sicherheitsgarant wird zunehmend hinterfragt
Die Zustimmung zur Neutralität ist zwar nach wie vor hoch (85%), ist aber seit dem offenen Kriegsausbruch in der Ukraine massiv gesunken (2022: 97%, –12 Pp). Für eine Mehrheit der Befragten (59%, +6 Pp) kann die Neutralität heute nicht mehr militärisch glaubhaft geschützt werden.
Die Hälfte würde die Schweiz mit der Waffe verteidigen
78% der Befragten unterstützen die Ansicht, wonach die Schweiz im Kriegsfall militärisch verteidigt werden soll. Etwa die Hälfte (49%) würde die Schweiz persönlich mit der Waffe verteidigen. Eine grosse Mehrheit von 85% wäre bereit, im Kriegsfall einen unbewaffneten Beitrag zur Verteidigung der Schweiz zu leisten.
Mehrheit würde angegriffenen Nachbarstaat unterstützen
Eine nichtmilitärische Hilfe der Schweiz zugunsten von angegriffenen Nachbarstaaten wird von 78% unterstützt. Mit einer Zustimmung von 55% befürwortet eine knappe Mehrheit der Stimmbevölkerung Waffenlieferungen an direkte Nachbarstaaten im Kriegsfall. Ein knappes Drittel (31%) unterstützt die Entsendung von Schweizer Truppen zur Verteidigung des Nachbarstaates.
Durchführung der Befragung
Die Datenerhebung erfolgte mit einer Kombination aus Online- und Telefonumfrage. Die Daten wurden zwischen dem 6. und 30. Januar 2026 durch das Schweizer Sozial- und Markforschungsinstitut DemoSCOPE AG erhoben. Die kombinierte Stichprobe umfasst 2089 Befragte (958 telefonisch, 1131 online) und ist repräsentativ für die Stimmbevölkerung der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz. Der Stichprobenfehler liegt bei einem Sicherheitsgrad von 95% im ungünstigsten Fall bei ±2.1%.
Kontakt/Rückfragen
Dr. phil. Tibor Szvircsev Tresch
Hauptherausgeber Studienreihe «Sicherheit» / Dozent Militärsoziologie
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