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17 Monate als Militärbeobachter in Kashmir

Debriefing mit Hauptmann Julien Both, Militärbeobachter in der United Nations Military Observer Group in India and Pakistan (UNMOGIP)

11.09.2023 | Sandra Stewart, Kommunikation SWISSINT

Hauptmann Julien Both (2.v.l.) war während 17 Monaten als Militärbeobachter in Kashmir stationiert. Unter anderem war er als Officer in Charge für die UN Field Station Sialkot verantwortlich, die sich in der pakistanischen Provinz Punjab südlich von Kashmir befindet.
Hauptmann Julien Both (2.v.l.) war während 17 Monaten als Militärbeobachter in Kashmir stationiert. Unter anderem war er als Officer in Charge für die UN Field Station Sialkot verantwortlich, die sich in der pakistanischen Provinz Punjab südlich von Kashmir befindet.

Sie leisteten als Militärbeobachter in der UNMOGIP in Kashmir einen friedensfördernden Einsatz. Welche Aufgaben fielen in Ihren Verantwortungsbereich? 
In Kashmir sind die Militärbeobachter auf mehrere Stationen entlang der LOC (Line of Control) verteilt, um gemäss der Resolution 307 des UNO-Sicherheitsrats alle Verletzungen des Waffenstillstands zu beobachten und an das Hauptquartier weiterzuleiten. Als Beobachter habe ich verschiedene operative und administrative Aufgaben, für die ich verantwortlich bin. Von den Stationen aus fahre ich beispielsweise in Richtung der LOC und positioniere mich auf Beobachtungsposten entlang dieser Linie. Eine weitere Aufgabe sind geplante Besuche bei Militäreinheiten, um eine Einschätzung der Lage zu erhalten. Da das Gastgeberland für die Sicherheit der UNO-Beobachter verantwortlich ist, ist der Kontakt mit den Bodentruppen wichtig, um bei einem allfälligen Zwischenfall mit Beobachtern in dieser Region besser unterstützt werden zu können. Weiter führe ich auch Erkundungspatrouillen in einem bestimmten Gebiet in der Nähe der LOC durch mit dem Ziel, mit der Zivilbevölkerung in Kontakt zu treten. Damit erhalten wir einen anderen Zugang (nicht nur von militärischer Seite) zu möglichen Vorfällen in der Gegend und können die Sicherheitslage einschätzen. 

Worin lagen die Herausforderungen? 
Es gibt viele Herausforderungen, die sich während der Einsatzzeit ergeben. An ein Beispiel kann ich mich besonders gut erinnern: Wenn ein Militärbeobachter nach mehr als drei Monaten im Einsatz erfahrener ist und den OIC-Kurs (Officer in Charge) im Hauptquartier in Islamabad absolviert hat, kehrt er ins Feld zurück und ist für die Sicherheit und das Wohlergehen aller Teammitglieder einer Station verantwortlich. Auch die Instandhaltung der UNO-Fahrzeuge und der Infrastruktur in gutem Zustand gehört zu den Aufgaben des ICO. Als ich in einer Station, in der ich noch nie zuvor stationiert war, zum neuen ICO ernannt wurde, war mein scheidender Kollege während der Übernahmephase aus bislang ungeklärten Gründen nicht bereit, die Dokumentation und Informationen über die Station rechtzeitig zu übermitteln. Er wollte einfach nicht mündlich mit mir kommunizieren, was zu erheblichen Problemen führte. Es war eine grosse Herausforderung, die Station wieder in den Griff zu bekommen, die leider in einem schlechten Zustand hinterlassen wurde. Einige Stationen sind sehr alt und müssen täglich gewartet werden: Wassertanks auffüllen, Wasserlecks auf dem Dach reparieren, Toilettenspülungen austauschen, Wasserleitungen reparieren, Relais im Stromkasten auswechseln, Steckdosen wechseln, Wasserboiler reparieren, Wasserfilter ersetzen, sicherstellen, dass die letzten Rechnungen für Mobiltelefon, Strom und Internet bezahlt wurden. Es kann vorkommen, dass die Internetverbindung mehrere Tage unterbrochen ist, und dies stellt auch für manche Militärbeobachter eine Herausforderung dar, da sie den Kontakt zu ihren Angehörigen aufrechterhalten möchten.

Was war Ihr erster Eindruck als Sie im Missionsgebiet eintrafen?
Für mich ist dies nach Mali und Syrien meine dritte friedensfördernde Mission. Am Anfang muss man sich an das neue Klima und die neue Kultur gewöhnen. Da ich es bereits gewohnt war in Ländern mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung zu arbeiten, fiel es mir leicht mich an die Sitten und Gebräuche der Einheimischen anzupassen.

Worin sehen Sie die grössten Unterschiede zur Schweiz? 
Im Vergleich zur Schweiz ist die Verschmutzung des Bodens und der Gewässer durch den Müll, der sich in den Städten, in den Dörfern und in der Natur stapelt, am auffallendsten. Weiter sind die Temperaturen im Sommer in dieser Region sehr hoch. Während der Hitzewelle, die Pakistan und Indien im Mai und Juni 2022 heimsuchte, erlebte ich, was es bedeutet, über mehrere Wochen in einer Station mit einer konstanten Tagestemperatur von 46° bis 48°C und einer durchschnittlichen Luftfeuchtigkeit im Freien zu arbeiten. Generell begünstigt das Klima in diesen beiden Ländern das Wachstum aller Arten von Obst und Gemüse, was in der Schweiz nicht der Fall ist.

Welche Erfahrungen nehmen Sie aus Ihrem Einsatz mit nach Hause?
Von diesem Einsatz nehme ich die Bedeutung des zwischenmenschlichen Kontakts und des guten Einvernehmens mit. Die Aufgaben lassen sich besser erledigen, wenn wir in einem Team arbeiten, das sich gegenseitig unterstützt und hilft, um die Ziele zu erreichen.

Was haben Sie als Nächstes vor?
Ich werde in die Schweiz zurückkehren und mich für einen längeren Aufenthalt niederlassen, um die Zeit mit meiner Partnerin, meiner Familie und Freunden zu geniessen. Ich habe sehr positive Erinnerungen an meinen Einsatz in Kashmir, während dem ich die Gelegenheit hatte schöne Landschaften und eine Bevölkerung kennenzulernen, die trotz ihrer prekären Lebensweise gastfreundlich und bereichernd ist.

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